Flucht vor dem Krieg, Lob von Guardiola, Premier-League-Aufstieg verpasst: Das ist Kosovos Offensivkünstler Bersant Celina

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2012 wechselte Bersant Celina aus Norwegen zu Manchester City. Dort kam er sogar zum Debüt in der Premier League - der Durchbruch blieb aber aus.

In der Fußballwelt wird gerne zu Superlativen gegriffen. Schießt ein Spieler beispielsweise einen Dreierpack, wird er von Fans, Medien und teilweise auch vom Trainer oder den Mitspielern in den Himmel gelobt, sorgt er hingegen mit seiner Leistung dafür, dass seine Mannschaft ein Spiel verliert, geht es gut und gerne auch genauso schnell in die andere Richtung.

Wie die Spieler damit umgehen, hängt stark von den einzelnen Persönlichkeiten ab. Eines scheint jedoch gewiss, hat man als junger Spieler gerade sein Debüt in der Premier League gefeiert, dabei einen Assist beigesteuert und anschließend Lob vom Coach erhalten, ist die Euphorie im Anschluss groß - vor allem wenn dein Trainer auf den Namen Pep Guardiola hört.

Manchester City: Pep Guardiola lobt Bersant Celina

"Er ist ein starker Techniker, der sehr gute Entscheidungen trifft", sagte der Katalane am 6. Februar 2016 nach einer 1:3-Niederlage von Manchester City gegen Leicester City. Mit "er" war Bersant Celina gemeint, der als 19-Jähriger sein Debüt im englischen Oberhaus bestritt.

Es sollte einer von vier Einsätzen Celinas bei den Profis bleiben, ein paar Monate später wurde er zu Twente Enschede in die Eredivisie verliehen (28 Einsätze, 5 Tore, 5 Vorlagen), danach ging es erneut leihweise zu Ipswich Town in die zweite englische Liga (38 Einsätze, 8 Tore, 1 Vorlage). Nach der zweiten Leihe stand dann fest: Den Durchbruch bei den Cityzens wird er vorerst nicht packen, also ging er für über drei Millionen Euro zu Swansea in Liga zwei.

Celina Bersant
Bild: Getty Images

Bei den Schwänen war er sofort Stammkraft, kam in zwei Spielzeiten auf 79 Spiele. Den angepeilten Wiederaufstieg in die Premier League verpasste der Klub aus Wales jedoch auch in diesem Jahr, als man in den Playoffs im Halbfinale ausschied. Celinas persönliche Bilanz liest sich mit 21 Scorerpunkten seit seinem Wechsel dennoch ordentlich. Kein Wunder, dass es im vergangenen Winter Gerüchte über einen Wechsel zum Erstligisten Brighton & Hove Albion gab - nach dem Verbleib im Unterhaus ist ein Wechsel ein mögliches Szenario.

Der Weg des mittlerweile 23-Jährigen in den Profifußball gleicht derweil einem Abenteuer. Geboren wurde der 18-fache Nationalspieler des Kosovo in Prizren, 20 Kilometer von der albanischen Grenze entfernt. Als Kleinkind floh er mit seinen Eltern vor dem Krieg nach Norwegen. Dort wuchs Celina in Drammen in einem kosovarisch geprägten Viertel auf.

Bersant Celina spielt für die Nationalmannschaft des Kosovo

"Ich war zwei Jahre alt, als wir nach Norwegen gegangen sind", erinnerte er sich in den East Anglian Daily Times zurück. "Leute sind gestorben, Menschen wurden umgebracht - es gibt nichts Schlimmeres. Deshalb sind wir geflohen, wir wollten nicht getötet werden."

In Norwegen wurde der begnadete Techniker zum Junioren-Nationalspieler, durchlief von der U15 bis zur U21 sämtliche Auswahlteams, ehe er eine Entscheidung treffen musste. "Ich fühle mich natürlich auch als Norweger, das ist der Ort an dem ich aufgewachsen bin, dessen Sprache ich spreche. Ich wollte immer für Norwegen spielen", sagte Celina dem Independent, "aber mein Herz ist im Kosovo. Wenn ich zurückkomme fühle ich mich, als würde ich nach Hause kommen."

Im Juni 2016 lief er erstmals für Kosovos Nationalmannschaft auf, in der vergangenen EM-Qualifikation stand er in allen acht Spielen in der Startformation. Den Status des Toptalents, den er in jungen Jahren bei ManCity hatte, konnte Celina bislang noch nicht bestätigen. Für sein Heimatland ist er jedoch längst eine Bank, auch in der Championship konnte er überzeugen. Gut denkbar, dass es für ihn persönlich dennoch in eine Top-Liga geht.

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