Persönlicher Bayern-Vorlagenrekord eingestellt: "Ego-Lewandowski" ist Geschichte

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Robert Lewandowski stellte gegen Stuttgart seinen persönlichen Vorlagenrekord bei Bayern ein. Ein Sinnbild, warum "Ego-Lewandowski" Geschichte ist.

HINTERGRUND

Wir schreiben den 5. Mai vergangenen Jahres, Rheinenergiestadion in Köln-Müngersdorf: Robert Lewandowski verlässt in der 77. Minute widerwillig den Rasen, verweigert seinem Trainer Jupp Heynckes den obligatorischen Handschlag. Der Pole ist beleidigt, weil er sich offenbar um die Chance bestohlen sieht, die magischen 30 Saisontreffer vollzumachen. In der Folge sieht der Torjäger sich medialer Kritik ausgesetzt, wird darüber hinaus von der mittlerweile zur Persona non grata der Allianz Arena erklärten Paul Breitner verbal "zerlegt", wie die Bild-Zeitung martialisch titelt.

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"Ego-Lewandowski" (ebenfalls Bild) fehle es an "Selbsteinschätzung", sagt Breitner einen Tag später im Doppelpass bei Sport1 und führt aus: "Er zeigt keinen Respekt der Mannschaft und dem Trainer gegenüber. Die Mannschaft wird sich jetzt auch nochmal fragen, ob das ein Typ ist, den sie weiter bei sich haben will." Da Lewandowski nach wie vor die Fußballschuhe für den FC Bayern schnürt, wurde ebenjene Frage, sofern sie denn tatsächlich intern gestellt wurde, mit "ja" beantwortet. Natürlich, wer jagt auch schon einen Kollegen vom Hof, der mit der Garantie von mindestens 25 Pflichtspieltreffern pro Saison aufwartet? Mag er noch so eigensinnig sein.

Robert Lewandowski: Sechste Vorlage der laufenden Bundesliga-Saison

Wie sehr die damalige Debatte Lewandowski selber ins Grübeln gebracht hat, die Zerlegung einer Vereinslegende ihn getroffen hat, ist nicht übermittelt. Fest steht, denn Zahlen lügen bekanntlich nicht, dass der 30-Jährige in dieser Spielzeit neben seiner Torgefährlichkeit noch eine ganz andere Qualität offenbart: Vorlagen geben. Beim 4:1-Erfolg über den VfB Stuttgart bediente er Thiago, der sich nicht zweimal bitten ließ und nach fünf Minuten zum zwischenzeitlichen 1:0 einschob. Es war der sechste Lewy-Assist in der laufenden Bundesligasaison (Quelle: Opta), nur Joshua Kimmich (sieben) und Thomas Müller (fünf) trieben sich zuvor mannschaftsintern in ähnlichen statistischen Gefilden herum, Kimmich schraubte seine eigene Vorlagenbilanz aber im zweiten Durchgang noch auf neun.

Eine Tatsache, die Lewandowski nicht sonderlich tangierte. Merklich gut gelaunt erschien er im Anschluss an die Begegnung mit den Schwaben in der Mixed Zone. Vermutlich, weil er kurz vor Schluss doch noch selbst genetzt hatte und der Ärger über seinen verschossenen Elfmeter deutlich reduziert wurde. Mittlerweile kommt der ehemalige Dortmund-Angreifer 2018/19 im deutschen Oberhaus auf 19 direkte Torbeteiligungen in 18 Partien, sechs Bundesliga-Vorlagen brachte er für den Rekordmeister überhaupt erst zweimal zustande – am Saisonende wohlgemerkt. Zum Vergleich: In der gesamten letzten Saison waren es derer mickrige zwei. Einzig während seiner Zeit beim BVB zeigte sich der Knipser vom Dienst ähnlich vorlagenfreudig. Sein Bestwert stammt aus der Spielzeit 2011/12, als er seine Mannschaftskameraden achtmal in Szene setzte.

Robert Lewandowski FC Bayern Penalty Stuttgart 290119

Nicht nur in den Büchern äußert sich die aktuelle Mannschaftsdienlichkeit des vermeintlichen Egoisten. Ob sich denn jetzt mal ein anderer Spieler beim nächsten Elfmeter versuchen dürfe, wurde Lewandowski von den anwesenden Reportern gefragt. "Wieso nicht?", lachte er. "Ich wollte es vielleicht zu genau machen, aber ich bin froh, dass wir trotzdem gewonnen haben und freue mich, dass wir vier Tore geschossen haben."

Generell wirkt Lewandowski, der im Sommer nicht selten offen mit einem Weggang aus der bayrischen Landeshauptstadt kokettierte, mit sich im Reinen. "Für mich ist es definitiv eine Option, meine Karriere bei den Bayern zu beenden", sagte er kurz vor dem Jahreswechsel im Interview mit der Sport Bild und verriet: "Ich spüre, dass ich – seit die ganzen Gerüchte und Probleme vom Tisch sind – mit ganzem Herzen beim FC Bayern bin. Zu 100 Prozent." Diese Einstellung vermittelt er in Gesprächen mit Journalisten und auf dem Rasen.

Vorlagen stehen sinnbildlich für Lewys Umdenken

Einen großen Anteil an dieser Entwicklung dürfte Trainer Niko Kovac haben, der sich vehement für einen Verbleib des Stürmers eingesetzt hatte, im Vorfeld seines offiziellen Amtsantritts mehrere Gespräche mit dem wechselwilligen Star führte und ihn, Lewandowski zufolge, zum Bleiben bewog: "An diesem Tag hat sich meine Denkweise geändert", erklärte er mit Hinblick auf das zweite Telefonat zwischen ihm und Kovac. "Ich weiß: Ich habe auch Fehler gemacht. Ich bin keine Maschine."

Dazu zählt sicherlich auch das beleidigte Handschlagverweigern im Mai vergangenen Jahres. Die Tage, an denen Lewandowski sein eigenes Wohl über das des Teams hängt, sind gezählt. Sein persönlicher Vorlagenrekord für seinen Arbeitgeber steht quasi sinnbildlich dafür. Do widzenia (dt. Auf Wiedersehen, d. Red.), Ego-Lewy.

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