KOMMENTAR
Als wäre das, was Uli Hoeneß nach dem Champions-League-Spiel zwischen dem FC Bayern München und Roter Stern Belgrad in der Diskussion rund um Marc-Andre ter Stegen und Manuel Neuer beizutragen hatte, nicht deplatziert genug gewesen, legte der FCB-Präsident am Donnerstagnachmittag noch einmal nach. Noch diffamierender, noch absurder waren seine Aussagen bei einem Termin der Basketball-Bundesliga. Das eigentliche Problem liegt aber nicht nur im Ausmaß der Absurdität, sondern in der These selbst: Dass ter Stegen "überhaupt keinen Anspruch“ habe, in der Nationalmannschaft zu spielen, ist grundlegend falsch.
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Natürlich darf ein Torhüter von Weltklasse-Format den Anspruch haben, zu spielen. Er muss diesen Anspruch sogar haben. Das gebietet allein der sportliche Ehrgeiz. Dass ter Stegen ein Keeper ist, der die für solche Ansprüche nötige Qualität besitzt, unterstrich er in den vergangenen Jahren regelmäßig. Beim FC Barcelona zeigt er sehr gute, bisweilen sogar herausragende Leistungen.
Ter Stegen unter den Top-drei-Kandidaten zur Welttorhüter-Wahl
Zuletzt konnten sich auch diejenigen in Deutschland ein Bild von der Klasse des 27-Jährigen machen, die nur selten verfolgen, was in Spanien passiert. In überragender Manier hielt ter Stegen den Blaugrana am Dienstagabend im Champions-League-Gruppenspiel bei Borussia Dortmund (0:0) einen Punkt fest. Darüber hinaus zählt er im Gegensatz zu Neuer zu den drei Nominierten bei der Wahl zum Welttorhüter.
Getty ImagesAllein deshalb ist es nur logisch, dass ter Stegen mit der aktuellen Situation nicht zufrieden ist. Vor allem, nachdem der Bundestrainer ihm in Aussicht gestellt hatte, im EM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland den Kasten hüten zu dürfen. Ter Stegens Enttäuschung ist dementsprechend ebenso menschlich wie nachvollziehbar. Und es ist sein gutes Recht, diese auch zu artikulieren.
Uli Hoeneß hat jegliches Maß verloren
Hoeneß dagegen steht es nicht zu, ter Stegen zu diktieren, welche Ansprüche dieser zu stellen hat und welche nicht, insbesondere, da er ganz offensichtlich nicht in der Lage ist, ter Stegens Qualitäten objektiv und realistisch einzuschätzen.
Dass er die ohnehin schon unsägliche Debatte dabei immer stärker zu einer persönlichen Kampagne gegen den DFB und insbesondere ter Stegen verkommen lässt, der Neuer übrigens mitnichten – wie von Hoeneß behauptet – attackiert hat, zeichnet dabei das Bild eines verbitterten Manns, der jegliches Maß verloren hat.


