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BVB-Star Marco Reus nach 0:5 gegen Bayern im Interview: "Jeder weiß, dass ich da nicht spielen möchte"

23:01 MESZ 06.04.19
Marco Reus Dortmund 06042019
Furiose Bayern ließen einem ganz schwachen BVB im Topspiel keine Chance. Kapitän Marco Reus war hinterher entsprechend bedient.

MIXED-ZONE-INTERVIEW

Borussia Dortmund hat das Spitzenspiel beim FC Bayern München sang- und klanglos mit 0:5 verloren. Nach dem Spiel stellte sich BVB-Kapitän Marco Reus den anwesenden Journalisten in der Mixed Zone der Allianz Arena.

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Reus sprach dabei von seiner Enttäuschung über die Niederlage, seine Position in der Sturmspitze und erklärte, ob das 0:5 dem BVB einen Knacks im Saisonendspurt geben könnte.

Herr Reus, der BVB ist mit 0:5 krachend beim FC Bayern untergegangen. Wie fällt Ihr Fazit des Spiels aus?

Marco Reus: Die Enttäuschung ist groß. Man muss ganz klar sagen, dass wir auch in der Höhe verdient verloren haben. Wir haben es zu keiner Sekunde des Spiels geschafft, die Bayern unter Druck zu setzen. Wir hatten die eine gute Möglichkeit am Anfang durch Mo Dahoud, aber selbst wenn die rein gegangen wäre, hatte man das Gefühl, dass die Münchner griffiger waren. Sie hatten eine bessere Ordnung und haben die Räume sehr gut genutzt. Wir standen zu weit auseinander und haben die Räume nicht gut verteidigt. Auch nach vorne haben wir keine guten Lösungen gefunden. Das mitanzusehen war sehr enttäuschend und tut sehr weh.

Dortmund ist als Tabellenführer angereist, das Spiel wurde in über 200 Ländern übertragen. Die Chance, mit einem Sieg den Bayern davon zu eilen, war groß - wie ist dann eine solch schwache Leistung zu erklären?

Reus: In wie vielen Ländern das Spiel übertragen wird, ist mir ehrlich gesagt relativ egal. Es ist schwer zu erklären. Als Spieler auf dem Platz kommst du da selbst nicht raus, das Unheil nimmt dann seinen Lauf. Als Team nimmt man sich natürlich viel vor. Wir haben sie gut analysiert und vor dem Spiel einen guten Plan gehabt, doch der war nach sechs oder sieben Minuten eigentlich schon über den Haufen geworfen. Wir kriegen mal wieder durch eine Standardsituation das Gegentor und machen dann wieder individuelle Fehler. In einem solchen Spiel ist das ein Genickbruch, da brauchen wir nicht drüber reden. Wenn man sieht, wie uns die Fans erneut überragend unterstützt haben, kann man sich bei ihnen nur entschuldigen.

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Wie sah denn der Plan konkret aus? Denn es war relativ schwer, einen zu erkennen.

Reus: Wir wollten sie schon pressen und haben sie eigentlich im 4-3-3 erwartet. Sie haben dann 4-2-3-1 gespielt, was eigentlich kein Problem ist, aber unsere Mannschaftsteile standen zu weit auseinander. So konnten wir keinen Druck ausüben. Wenn ich Mats Hummels angelaufen habe, spielte er einfach auf Thiago und der spielte weiter auf Niklas Süle - das ist dann schwer. Das hat von Anfang an nicht gut geklappt. Wir sprechen die ganze Woche davon, dass wir Mut brauchen und selbstbewusst auftreten müssen, aber wir können reden und reden: Wir müssen es auf dem Platz zeigen.

Wieso hat es der BVB ausgerechnet in diesem Spitzenspiel nicht geschafft, wie angekündigt mutig zu spielen?

Reus: Deshalb sage ich immer, dass man davor nicht so viel reden soll - gerade, wenn man dann auf dem Platz nichts zeigt. Wir sind selbst dran schuld und waren heute in allen Bereichen - taktisch, von der Griffigkeit her, im Zweikampfverhalten - meilenweit von unserem Niveau entfernt. Wir reden zwar immer davon, dass wir gegen die Bayern konkurrenzfähig sein wollen, aber das Spiel hat uns heute leider wieder gezeigt, dass wir noch sehr, sehr weit weg davon sind.

Der BVB war besonders bei Standards extrem schwach, fast jeder Luftzweikampf ging an die Bayern. Warum ist das in dieser Saison die große Schwäche der Borussia?

Reus: Weil wir nicht aggressiv genug sind. Wir gucken vor jedem Spiel die Standardsituationen des Gegners an. Wir müssen einfach besser verteidigen, stattdessen stehen wir nur. Wir müssen die Männer aufnehmen und auf dem Sprung sein. Das sagt der Trainer jedes Mal, aber wir sind dann einfach unaufmerksam und kassieren viel zu leicht Gegentore. Gerade in einem solchen Spiel darf man einen Treffer wie beim 0:1 nicht kassieren und das 0:2 erst recht nicht.

Man hat Sie auch immer wieder dabei gesehen, wie Sie Ihre Mitspieler versucht haben, herauszuwinken und nicht so passiv zu agieren.

Reus: Wenn man so früh 0:2 zurückliegt, ist es psychologisch schon schwer. Wir haben das zwar auch schon gedreht in dieser Saison, aber die Bayern sind eben auch kein Karnevalsverein. Wir müssen uns als Tabellenführer einfach anders präsentieren. Es hat wenig dafür gesprochen, dass es so ausgeht. Am Samstag müssen wir ganz klar ein anderes Gesicht zeigen.

Sie haben im 4-3-3 im Zentrum agiert und hingen das gesamte Spiel über in der Luft. Wurden Sie auf der falschen Position eingesetzt?

Reus: Das müssen Sie den Trainer fragen, dazu kann ich nur schwer etwas sagen.

Aber Sie werden doch eine eigene Meinung dazu haben?

Reus: Jeder weiß, dass das nicht meine Lieblingsposition ist und dass ich da nicht spielen möchte. Das soll aber keine Ausrede sein. Jeder spielt dort, wo ihn der Trainer aufstellt. Da muss einfach eine andere Einstellung an den Tag gelegt werden. Das muss morgen schon anfangen. Wir müssen einfach anders auftreten, wenn wir noch etwas reißen wollen. Es war hier mal wieder eine Lehre für uns, weil wir es als Team einfach nicht geschafft haben. Das einzig Positive ist, dass wir nur einen Punkt Rückstand und die Bayern auch noch zwei, drei harte Brocken vor der Brust haben. Wir brauchen uns aber nicht über die Meisterschaft zu unterhalten, wenn wir so auftreten.

Glauben Sie, diese verheerende Niederlage gibt der Mannschaft nun einen Knacks?

Reus: Das wird man nächste Woche sehen. Psychologisch tut es sehr weh, weil eigentlich wenig dafür gesprochen hat, dass das Spiel so ausgeht. Wir müssen aber knallhart zu uns selbst sein und das Spiel schonungslos analysieren. Nur so können wir die Fehler abstellen. Wir kriegen heute zurecht einen drauf, die Kritik ist berechtigt. Jeder Einzelne muss sich an die eigene Nase fassen. So dürfen wir nicht auftreten - selbst hier nicht.

Kann man so Meister werden?

Reus: Nein, so nicht. Wir brauchen jetzt aber auch nicht sagen, dass wir jetzt nicht mehr wollen. Es ist ein Punkt und in der Bundesliga geht es schnell. Aber sie sind psychologisch jetzt natürlich klar im Vorteil.

Also ist der Glaube an den Titel noch da?

Reus: Natürlich.