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In dieser vergleichsweise kleinen Stadt steht aber auch eine der besten Talentschmieden Europas. Eine, die durchaus in einem Atemzug mit Barcelonas La Masia, der Ajax-Akademie oder dem Nachwuchs-Campus des FC Basel genannt werden darf. Während der mittleren und jüngeren Vergangenheit wurden hier unter anderem Stars wie Roberto Donadoni, Riccardo Montolivo, Giacomo Bonaventura, Manolo Gabbiadini und Giampaolo Pazzini ausgebildet. Die Liste lässt sich noch weit fortsetzen, es besteht kein Zweifel daran, dass Atalanta Bergamo die beste Nachwuchsarbeit Italiens leistet.
Hoher Gewinn mit Gagliardini und Caldara
Dahinter stecken eine klare Philosophie und die konsequente Umsetzung eines Plans. Atalanta will ausdrücklich ein Ausbildungsklub sein. Ein Verein, der junge Talente fördert, ihnen Freiheiten einräumt und die ersten Schritte im Profifußball erlaubt. Ein Klub, der Stars, Nationalspieler und gestandene Erstligakicker formt und sie dann für viel Geld an die Großen der Branche verkauft. Es ist ein stetiger Kreislauf und hat etwas von Sisyphos-Arbeit, wenn die besten Spieler regelmäßig weggekauft werden. Aber Atalanta hat sich damit abgefunden, finanziert sich auch über die Verkäufe – und hat längst Spaß an dieser Rolle.
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Die Früchte der harten Jugendarbeit wurden diesmal auch im Winter geerntet. Im Januar schlug der lombardische Nachbar Inter Mailand in Bergamo zu und verpflichtete Roberto Gagliardini. Der Jung-Nationalspieler, hinter dem auch Juventus her war, wurde zunächst für eineinhalb Jahre für zwei Millionen Euro ausgeliehen. Anschließend haben sich die Nerazzurri bereits zum Kauf verpflichtet und überweisen dann 20 Millionen Euro Ablöse an Atalanta. Juve sicherte sich seinerseits die Dienste Mattia Caldaras. Das Abwehr-Juwel kostet 15 Millionen Euro plus Boni und ist zunächst noch bis 2018 zurück nach Bergamo verliehen.
Atalanta ärgert Inter und Milan
Um diese Rohdiamanten zu finden, bevorzugen es die Bergamo-Bosse vornehmlich in der eigenen Region zu scouten. Ausnahmen wie Shootingstar Franck Kessie, der vom Stella Club in Abidjan kam, bestätigen die Regel. Atalanta hat sich ein cleveres Netzwerk aus Scouts in der Umgebung aufgebaut und pflegt zudem gute Beziehungen zu den kleineren Nachbarn. Der Erstligist unterstützt die Amateurvereine finanziell, dafür bekommt er Tipps, wenn dort ein außergewöhnliches Talent auf sich aufmerksam macht. So gelingt regelmäßig, großen Nachbarn wie Inter und dem AC Mailand hoffnungsvolle Youngster wegzuschnappen.
Die Bindung zum Klub ist dem Verein wichtig, die Identifikation mit ihm und seiner Philosophie ebenfalls. Deswegen wählt Mino Favini, der den "Settore Giovanile", den Nachwuchsbereich, seit mehr als 15 Jahren leitet, die Trainer sorgfältig aus. Am liebsten hat er Übungsleiter die selbst eine Vergangenheit bei dem Klub haben. So wie zum Beispiel Ex-Nationaltrainer Cesare Prandelli, der als Spieler zwei Engagements in Bergamo hatte und dort nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn sieben Jahre lang als Jugendcoach arbeitete.
Ajax als Vorbild
Favini erklärt, dass Atalanta sich bewusst die Ajax-Akademie zum Vorbild genommen hat: "Wir mögen es wirklich, wie Ajax mit den jungen Spielern umgeht. Dort geht es nicht um die Ergebnisse auf dem Rasen. Der Verein ist nur daran interessiert, den jungen Leuten zu zeigen, wie man spielen muss." Dieser Stil hat sich bewährt und er bringt auch Erfolge ein: Zwischen 1991 und 2014 gewannen Junioren-Mannschaften der Schwarz-Blauen 17 Nationale Meisterschaften.
Die Entwicklung jedes einzelnen Spielers wird genau verfolgt und dokumentiert. Sobald ein Spieler bereit ist, für die Profis zu debütieren, wird ihm diese Chance in der Regel auch ermöglicht. Der Durchlass zwischen Jugend und Senioren ist also groß. Cheftrainer Gian Piero Gasperini trägt das Modell mit und er wird dafür in dieser Saison auch belohnt. Atalanta ist die Überraschungsmannschaft der Serie A und rangiert aktuell auf dem fünften Tabellenplatz – vor Inter, Milan und der Fiorentina.
Gasperini hat dabei den perfekten Mix aus erfahrenen und jungen Spielern gefunden. Das Korsett der Mannschaft bilden die Routiniers Etrit Berisha, Ervin Zukanovic, Andrea Masiello und Jasmin Kurtic. Um sie herum dürfen sich die jungen Wilden austoben. Wie namhaft der Gegner ist, kümmert Gasperini wenig. Gegen den Champions-League-Achtelfinalisten SSC Neapel bot er vier italienische U21-Nationalspieler auf – und feierte anschließend einen 1:0-Sieg.
Der Pool an Talenten ist aktuell groß und trotz der Abgänge von Gagliardini, Caldara und Alberto Grassi (wechselt im Sommer zu Napoli) muss den Fans um die berüchtigte Curva Nord nicht bange sein, die nächste Top-Talente stehen bereits bereit: Zum Beispiel Rechtsverteidiger Andrea Conti, Stürmer Andrea Petagna und die beiden 17-Jährigen Alessandro Bastoni und Filippo Melegoni gelten als große Zukunftshoffnungen.


