MESUT OZIL ARSENE WENGER ARSENALGettyimages

Manndeckung für den Berater, Kurztrip auf die Tribüne: Wie sich Arsenal 2013 Mesut Özil schnappte


HINTERGRUND

Der 2. September 2013 ist ein Tag, an den sich die Arsenal-Fans noch lange erinnern werden. Nachdem jahrelang die Transferphasen für die Gunners-Anhänger enttäuschend verlaufen waren, weil ihr Klub nicht groß investieren wollte, brach Arsenal plötzlich den Vereinsrekord und gab für Mesut Özil von Real Madrid 47 Millionen Euro aus.

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Es war für die Fans das Zeichen, dass eine neue Ära angebrochen war - und entsprechend begeistert reagierten sie auf die Verkündung des Deals. "Das ist ein toller Tag für uns alle", sagte Arsenals damaliger Klub-Boss Ivan Gazidis. "Wir haben einen Weltklasse-Spieler geholt, der auch noch eines der größten Talente Europas ist", fügte er hinzu.

Mesut Özil gewann mit Arsenal dreimal den FA Cup

In den folgenden knapp sechs Jahren erfüllte Özil zwar nicht immer die Erwartungen der Londoner, doch immerhin sammelte der Klub drei Titel im FA-Cup in dieser Zeit ein.

Der Özil-Transfer war ein Signal - und nun hat zum ersten Mal mit Dick Law, dem Transferbeauftragten von Ex-Coach Arsene Wenger, eine Person, die den Deal eingefädelt und abgeschlossen hat, Goal und SPOX berichtet, wie der Wechsel damals zustandekam.

Dick LawConfederação Brasileira de Futebol

"Die Özil-Geschichte ist eigentlich die Bale-Geschichte", erklärte Law, denn im Sommer 2013 dominierte der angeblich bevorstehende Wechsel von Tottenhams Gareth Bale zu Real Madrid die internationalen Schlagzeilen. Real wollte den Flügelspieler unbedingt haben, doch Spurs-Boss Daniel Levy erwies sich erneut als harter Verhandler.

"Real musste sich richtig strecken, um Bale zu holen", sagte Law. "Sie haben außergewöhnlich viel Geld für ihn bezahlt und ihm einen außergewöhnlich guten Vertrag gegeben. Deshalb mussten sie jemanden verkaufen. Und genau das verknüpft die Bale-Geschichte mit der Özil-Geschichte", fügte er hinzu.

Law: "Kein besonders schönes Telefonat für Özil"

"Wir haben aus Madrid Signale erhalten, dass sie Spieler verkaufen wollten. Darum bin ich dorthin geflogen, um mich mit Jose Angel Sanchez, dem Vorstandsmitglied, zu treffen. Er sagte mir, dass der Verein Karim Benzema oder Angel Di Maria abgeben würde - und nannte mir auch schon einen Preis", verriet Law.

Nachdem sich Arsenal-Boss Ivan Gazidis vom Champions-League-Spiel der Gunners bei Fenerbahce in Istanbul nach Madrid einfliegen ließ, starteten am folgenden Morgen die Verhandlungen. "Jose Angel Sanchez hat uns dann mitgeteilt, dass Real-Trainer Ancelotti weder Benzema noch Di Maria abgeben möchte, aber dass er Özil verkaufen würde", berichtete Law. "Arsene Wenger war auf jeden Fall interessiert, denn wir brauchten einen Spieler wie Özil für das Mittelfeld. Aber wir wussten nicht, wie Özils Meinung zu all dem war", ergänzte er.

"Wir wollten dann mit Özil sprechen, aber Madrid wollte erst mit ihm reden. Das muss kein besonders schönes Telefonat für Özil gewesen sein", sagte Law.

Gazidis Wenger ArsenalGetty Images

Arsenal ließ Özils Vater und den Berater nach London kommen und verhandelte dort. Beide Parteien machten gute Fortschritte, sodass zwei Tage vor Schließung des Transferfensters der Deal fertig ausgehandelt war. Es gab nur noch ein Problem - und das hieß Daniel Levy.

Der Tottenham-Boss hatte sich wegen des Bale-Transfers immer noch nicht mit Real geeinigt - und langsam wurde die Zeit knapp. Den Arsenal-Verantwortlichen war jedenfalls klar, dass Levy auf keinen Fall erfahren durfte, dass der Özil-Transfer schon eingetütet worden war. Und ausgerechnet am Sonntag, 36 Stunden vor Schließung des Transferfensters stand im Emirates das Derby zwischen Arsenal und Tottenham an.

Arsenal-Anwesenheitspflicht in der Loge

"Wir hatten mit Madrid alles geregelt. Ivan war dort und ich war mit Özil in München. Am Morgen des Tottenham-Spiels rief mich Ivan dann an. Er sagte mir, dass er es nicht rechtzeitig zum Spiel nach London schafft, weil er den Deal noch perfekt machen muss", erinnerte sich Law. "Aber er sagte mir, dass einer von uns beiden in der Vorstandsloge beim Spiel sein müsse, denn ansonsten würde Daniel Levy misstrauisch", so der Arsenal-Unterhändler.

Von den Real-Verantwortlichen hatten Law und Gazidis erfahren, dass Bale nur an Real abgegeben würde, wenn die Madrilenen im Gegenzug keinen Spieler an Arsenal verkaufen würden. Um alles normal aussehen zu lassen, stieg Law in München ins Flugzeug und machte sich auf den Weg nach London. "Ich habe mich auf dem Flug schnell umgezogen und bin dann direkt in die Vorstandsloge gegangen. Levy hat mich gefragt, was ich dort mache und ich habe einfach geantwortet, dass es ja das Derby ist und ich das auf keinen Fall verpassen wollte", so Law.

Arsenal-Tottenham Giroud 2014Getty

Ein Tor von Olivier Giroud sorgte für den 1:0-Sieg der Gunners - und im Verlauf des Tages kam endlich die von Arsenal ersehnte Bestätigung, dass Bale an Real verkauft worden war. Für Law ging es zurück nach München, um die letzten Details des Transfers mit Özil zu klären und ihn in der Praxis von Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt den Medizincheck machen zu lassen.

Arsenal-Angst vor der Plaudertasche Lukas Podolski

"Wir wollten das alles ganz geheim machen. Und auf einmal treffen wir in der Praxis Lukas Podolski, der sich dort wegen seiner Oberschenkelprobleme behandeln ließ. Da habe ich sofort Arsene Wenger angerufen und gesagt, dass es bald alle wissen, denn Lukas kann seine Klappe einfach nicht halten", sagte Law.

"Wir haben dann erfahren, dass Manchester United uns dazwischenfunken wollte. Ivan rief mich schnell an und bat mich, Özils Vater und den Berater in München in Manndeckung zu nehmen", lachte Law. "Ich musste dann von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends in der Bar des Hotel Vier Jahreszeiten sitzen und mit dem Team, das die Verträge erstellt, diese Klausel und jene Klausel noch besprechen", fügte er hinzu.

Am Ende klappte alles gerade noch rechtzeitig und Özil unterschrieb seinen Vertrag bei den Gunners. "Das war richtig stark. Es war damals der größte Deal in der Geschichte Arsenals", meinte Law.

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