Armando Broja: Chelseas albanisches Sturmtalent mit legendären Vorbildern


HINTERGRUND

"Das ist eine gute Verpflichtung. Timo Werner ist ein sehr guter Spieler, er ist sehr schnell und schießt viele Tore." Worte, die man von einem Verantwortlichen oder Profi erwarten würde, der sich auf einen Neuankömmling freut, weil er die Qualität der Mannschaft verbessert.

Doch es waren nicht die Worte von Chelseas Trainer Frank Lampard oder von Stützen wie Cesar Azpilicueta oder N'Golo Kante. Stattdessen kamen sie von Armando Broja, der Werners Transfer von RB Leipzig zu den Blues kommentierte. Armando wer?

Den meisten dürfte der 18-jährige Sohn albanischer Eltern kein Begriff sein, dabei feierte er im März sein Debüt für die Londoner in der Premier League gegen Everton (4:0), als er in der 86. Minute von 40.694 Zuschauern an der Stamford Bridge begrüßt wurde.

"Ich war hier schon immer als kleines Kind und habe von diesem Moment mein ganzes Leben lang geträumt", schwärmte Broja, der seit der U10 für Chelsea spielt, im Anschluss. "Dass es auch noch an der Stamford Bridge war, ist ein überragendes Gefühl."

FC Chelsea: Geht Broja den Weg von Abraham und Mount?

Doch was hat das alles nun mit Werner zu tun? Broja ist im Angriff zuhause, läuft wie Werner meistens als Mittelstürmer auf, notfalls kann er genau wie der deutsche Nationalspieler auf die Flügel ausweichen. Als Jugendspieler den Sprung zu den Profis zu schaffen, ist schwer genug, doch nach Werners Verpflichtung dürfte Brojas Weg kurzfristig einmal verbaut sein – und dennoch freute er sich für seinen Klub.

Chelsea ist dafür bekannt, jedes Jahr viele Spieler zu verleihen, deshalb ist nicht auszuschließen, dass der albanische U21-Nationalspieler, der auch für die englische Nationalmannschaft spielberechtigt wäre, zunächst den Weg einschlägt, den zuvor bereits Talente wie Mason Mount oder Tammy Abraham beschritten haben.

In der abgelaufenen Saison wurde Broja nach neun Partien in der U18, in denen ihm neun Tore und eine Vorlage gelangen, in die U21 befördert. Auch dort war er vor dem Saisonabbruch aufgrund der Corona-Pandemie Stammspieler, weshalb Lampard ihn am 29. Spieltag der Premier League mit dem Kurzeinsatz gegen die Toffees und zuletzt gegen die Bayern sogar mit der ersten Kadernominierung für ein Champions-League-Spiel belohnte. Mit den Einsätzen in der Youth League und im FA Youth Cup kommt Broja 2019/20 auf 32 Einsätze, 19 Treffer und fünf Vorlagen stehen für ihn zu Buche.

"Für mich persönlich war es eine großartige Saison. Das Debüt bei den Profis ist ein wahrgewordener Traum. Ich möchte allen Beteiligten und meiner Familie dafür danken, dass sie an mich geglaubt und mich immer unterstützt haben", schrieb der Rechtsfuß zuletzt auf Instagram.

Doch das soll erst der Anfang einer erfolgreichen Karriere sein. Mit einer Körpergröße von 1,91 Metern ähnelt Broja vom Spielertyp her eher Olivier Giroud und Abraham als Werner. Für die Position des Mittelstürmers bringt er ausreichend Geschwindigkeit mit, auch sein "schwacher Fuß" ist mehr als ordentlich. An seiner Körperlichkeit muss er allerdings noch arbeiten, um seinem Idol näherkommen zu können.

"Der brasilianische Ronaldo ist mein Vorbild, weil er ein unglaublicher Spieler war. Mein Vater hat immer von ihm gesprochen, deshalb habe ich mir viele Videos von ihm angeschaut. Er ist stark, schnell, beidfüßig, er hatte einfach alles. Ich bewundere ihn und wäre gerne so wie er", so Borja im Jahr 2019 auf Chelseas offizieller Webseite.

Die Wahl seines Blues-Idols fiel auf Didier Droga, der "eine Maschine" gewesen sei. "Er hat hier so viel erreicht und war in den großen Spielen immer da, wenn er gebraucht wurde", erklärte Broja.

Die nächsten Wochen dürften für Broja spannend werden. Neben Werner, Giroud und Abraham steht bei Chelsea aktuell noch Michy Batshuayi als klassischer Mittelstürmer im Kader. Um den Belgier gibt es Abschiedsgerüchte, zumindest mit einem Auge dürfte Broja noch auf diesen Kaderplatz schielen. Es gäbe wohl schlechtere Szenarien, als von den genannten Spielern tagtäglich lernen zu können – und schon wäre Werner auch für ihn persönlich eine "gute Verpflichtung".