HINTERGRUND
Es ist der Traum eines jeden Fußballers: Einmal Protagonist eines Finales bei einer Weltmeisterschaft zu sein. Dieses Endspiel ist aufgrund seiner Austragung im Vierjahresrhythmus sogar noch eine Stufe über dem Champions-League-Finale - denn mehr als maximal drei bis fünf Möglichkeiten wird man als Profi im Laufe seiner Karriere nicht bekommen, sein Heimatland auf den Fußballolymp zu führen.
Hat man es doch einmal auf die größte aller Bühnen geschafft, dürfte die Anspannung im Vorfeld des Endspiels immens sein - zumindest bei einem Großteil der Spieler. Nicht zu diesem Großteil gehört der Italiener Andrea Pirlo, dessen Vorbereitung auf das WM-Finale 2006 wohl seinesgleichen sucht.
Es war die Weltmeisterschaft in Deutschland. Mit sieben Punkten qualifizierte sich Italien als Gruppenerster für das Achtelfinale. Dort wartete Australien und die Squadra Azzurra setzte sich knapp mit 1:0 durch. Im Viertelfinale hatte man mit der Ukraine wenig Probleme (3:0), ehe im Halbfinale der Gastgeber wartete. Der Ausgang ist hinlänglich bekannt - Tore von Fabio Grosso und Alessandro Del Piero beendeten den deutschen Traum vom Heimtitel kurz vor dem Elfmeterschießen.
Pirlo über Tag des WM-Finales: "Habe den Nachmittag mit Schlafen und Playstation-Zocken verbracht"
Pirlo wurde nach dem Halbfinale als Spieler des Spiels ausgezeichnet - und ging dadurch mit mächtig Selbstvertrauen ins Endspiel gegen Frankreich. Das spiegelte sich auf in seiner Vorbereitung wider.
"Ich kann Druck nicht spüren, mir ist das völlig schnuppe", verriet der ehemalige Mittelfeldregisseur in seiner Autobiographie 'I think therefore I play'. "Ich habe den Nachmittag des 9. Juli 2006 [Tag des WM-Finals; d. Red] mit Schlafen und Playstation-Zocken verbracht. Am Abend ging ich raus und wurde Weltmeister."
1:1 stand es nach 120 Minuten im Berliner Olympiastadion. Eine Entscheidung musste also im Elfmeterschießen fallen. Pirlo trat als erster Schütze an. "Als erster am Punkt zu stehen und diese Tortur im größten, unglaublichsten Spiel, das man sich als Fußballer vorstellen kann, erleben zu müssen, waren nicht wirklich gute Nachrichten. Ich richtete meine Augen gen Himmel und bat um Hilfe, denn: Wenn Gott existiert, dann ist er auf keinen Fall Franzose", redete er sich ein.
Getty Bild: Getty Images Pirlo nahm tief Luft, nahm Anlauf und versenkte den Ball hoch in der Mitte des Tores. In diesem Moment fiel sogar von Mister Cool eine Last von den Schultern. "Man ist meistens der erste Schütze, weil deine Kollegen denken, dass du der Beste bist, aber wenn du dann nicht trifft, bist du der erste Name auf der Liste von Volltrotteln."
Aus italienischer Sicht landete kein Spieler auf dieser Liste, denn alle fünf Schützen versenkten ihre Versuche. Auf Frankreichs Seite versagten David Trezeguet die Nerven und Pirlo durfte den lang ersehnten WM-Pokal in den Nachthimmel recken. Er wurde erneut als Spieler des Spiels ausgezeichnet - seine Spielvorbereitung trug demzufolge Früchte.


