Alexandre Lacazette France 061017

Alexandre Lacazette - das fehlende Puzzleteil in Arsenals Offensive


HINTERGRUND

Als am 27. Mai gegen 17.30 Uhr die Aufstellungen des FA-Cup-Finales zwischen Arsenal und dem FC Chelsea ins Haus flatterten, fehlte beim Team von Arsene Wenger wieder einmal der Name Olivier Giroud unter den ersten Elf. Es war eine Entscheidung, die sinnbildlich für das Standing des Franzosen bei den Gunners anzusehen ist. Ein weiteres Mal war der Angreifer in einem der großen Spiele außen vor. Dabei war er mit zwölf Treffern in der Premier League der zweitgefährlichste Offensivspieler im Aufgebot von Wenger.

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Deshalb war es in den letzten Jahren in regelmäßigen Abständen so, dass absolute Star-Angreifer wie Luis Suarez, Gonzalo Higuain oder Karim Benzema mit einem Wechsel nach London in Verbindung gebracht wurden. Doch keiner von ihnen kam letztlich wirklich ins Emirates Stadium.

Dennis Bergkamp, Thierry Henry und Robin van Persie – Arsenal hatte in diesem Jahrtausend über viele Jahre hinweg immer mindestens einen Superstar im Sturmzentrum. Doch seit knapp fünf Jahren gibt es auf dieser Position keine wirklich Konstante mehr. In der letzten Spielzeit durfte mal Giroud ran, an anderen Tagen wurde Alexis Sanchez an vorderster Front aufgeboten und auch Danny Welbeck und Theo Walcott versuchten sich bereits als Mittelstürmer. Aber dieses Wechselspiel wird mit der Verpflichtung von Alexandre Lacazette ein Ende haben. Der Angreifer wechselt für rund 53 Millionen Euro auf die Insel.

Der Franzose ist mit seinen Fähigkeiten wie geschaffen für die Spielweise der Gunners und stellt dabei das fehlende Puzzleteil in der Offensive dar. Bei Wenger stehen Ballbesitzfußball, Kurzpassspiel und flache Kombinationen im Vordergrund. Auch das dürfte ein Grund sein, warum Giroud nie die nötige Anerkennung fand. Dessen Stärke liegt definitiv im Abschluss innerhalb der Box, vor allem bei Flanken und Standardsituation ist der 30-Jährige brandgefährlich. Doch genau das ist leider nicht das Spiel dieser Mannschaft.

Lacazette hingegen ist ein Spieler, der perfekt in dieses System passen wird. Mit 1,75 Meter Körperlänge ist es logisch, dass sein größtes Plus nicht das Verwerten von Flanken oder hohen Bällen ist. Dennoch bewies er in seiner Zeit bei Lyon, dass er auch bei hohen Pässen als Anspielstation vorne drin durchaus Gold wert sein kann, da er trotz seiner Größe sehr geschickt darin ist, die Bälle zu behaupten und an den freien Mann weiterzuspielen.

Alexandre Lacazette France 061017

Bereits 2015 wurde der mittlerweile 26-Jährige mit einem Wechsel zu Arsenal in Verbindung gebracht. Damals sagte die Klub-Legende Robert Pires gegenüber Goal: "Seine Eigenschaften und sein Spielstil würden sehr gut zu Arsenal passen. Er ist zwar nicht sehr groß, aber er ist schnell, kann dribbeln und hat großartige technische Fähigkeiten", so Pires. "Und er schießt viele Tore. Vielleicht wird es der beste Arsenal-Transfer der Zukunft werden."

Lacazette profitiert von Özil

Damals wurde er mit 27 Toren in 33 Spielen gerade frisch zum Spieler des Jahres in der Ligue 1 gewählt. Es folgten zwei weitere Spielzeiten mit jeweils mehr als 20 Saisontreffern. Nun also der von den Fans lang ersehnte Wechsel zu den Gunners. Mit seinem Spielstil als kleiner, wendiger Spieler, der gerne am Kombinationsspiel teilnimmt und vollkommen in den Angriff miteingebunden ist, dürfte Lacazette vor allem von den Zuspielen von Mesut Özil profitieren. Der deutsche Spielmacher wird auf der Insel für seine genialen Momente, mit denen er jede Abwehr im Nu aushebeln kann, gefeiert.

Vor zwei Jahren war der Weltmeister mit 19 Assists in der Premier League der überragende Vorlagengeber. In der abgelaufenen Saison sank seine Bilanz auf "lediglich" zehn Vorlagen. Doch dank des Torriechers und der Kaltschnäuzigkeit von Lacazette ist es gut möglich, dass dieser Wert in der neuen Spielzeit wieder gewaltig ansteigen wird.

GFX Lacazette Lyon Stats 16/17

Auch im Falle eines Abgangs von Alexis Sanchez dürfte die Wenger-Truppe zum Saisonauftakt am 12. August gegen Leicester mit einer stark besetzten Offensive an den Start gehen. Sollte der Chilene bleiben, ist eine Rückkehr vom 3-4-2-1 zum 4-2-3-1 denkbar. Zur Startelf dürfte Lacazette als einzige Sturmspitze wohl in beiden Systemen gehören.

Damit könnte Sanchez zurück auf seine Lieblingsposition Linksaußen gehen. Özil ist als Spielmacher beim Trainer sowieso gesetzt und über die rechte Seite würden beispielsweise Theo Walcott oder Alex Iwobi wirbeln, sofern man nicht noch einmal auf dem Transfermarkt tätig wird. Gerade für die Außenpositionen sind weitere Neuverpflichtungen im Gespräch. So sollen zusätzlich Monaco-Shootingstar Thomas Lemar oder Riyad Mahrez von Leicester City im Fokus stehen.

Für Lacazette ist der Wechsel nach London derweil definitiv der richtige Schritt. Er selbst sagte erst vor kurzer Zeit auf einer Länderspiel-Pressekonferenz vielsagend: "Meine Karriere ist gerade an einem Wendepunkt. Alles ist möglich. Ich fühle mich wohl in Lyon – könnte mir aber auch einen Wechsel vorstellen."

Arsenal der ideale Klub

Nun zieht es den sich im besten Fußballeralter befindenden Nationalspieler für viele Millionen nach England. Es gibt wohl wenige Klubs, die besser für ihn wären als die Gunners. Lacazette ist zwar einer der besten Stürmer in der Ligue 1, doch für die Giganten in Europa wie Real Madrid, Bayern München oder Barcelona wäre er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bereit.

In London kann er in Ruhe den nächsten Schritt machen, auch wenn er als neuer Rekordtransfer der Londoner wohl großen Erwartungen ausgesetzt sein wird. "Falls er Arsenals Spielstil schnell verinnerlichen kann, stehen ihm alle Türen offen", sieht es mit Mikael Silvestre ein Ex-Gunner bei talkSPORT ähnlich. "Er ist sehr intelligent, technisch sehr beschlagen und hat bewiesen, dass er ein Torjäger ist. Ich denke, dass er eine großartige Verstärkung für Arsenal ist."

Großartige Verstärkung für Arsenal. Genau das dürfte Lacazette werden. Der Traditionsklub ist mittlerweile nicht mehr das primäre Ziel der absoluten Superstars, deshalb tuen sich die Verantwortlichen auf dem Transfermarkt auch häufig richtig schwer. Durch die verpasste Champions-League-Qualifikation erst recht. Auch Monaco-Wunderkind Kylian Mbappe, an dem Trainer Wenger öffentlich Interesse bekundete, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zum FA-Cup-Sieger verschlagen.

Daher muss man dem Klub zum Lacazette-Transfer gratulieren. Denn von den Spielern, die sich auf dem Markt befinden, dürften nur wenige passender sein als der torgefährliche Franzose. Und vielleicht hat Arsenal nach Bergkamp, Henry und van Persie über die nächsten Jahre hinweg nun endlich wieder eine klare Nummer neun.

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