Nach nur einer Minute musste das EM-Qualifikationsspiel zwischen Montenegro und Russland in Podgorica unterbrochen werden. Grund: Gästekeeper Igor Akinfeev wurde von einer aus einem Fanblock geworfenen Leuchtfackel getroffen. In der zweiten Halbzeit brach Schiedsrichter Deniz Aytekin engültig ab.
Der Vorfall mit Akinfeev ereignete sich nur wenige Sekunden nach dem Anpfiff. Der Torhüter, der an seinem Fünf-Meter-Raum stand, wurde im Nackenbereich, ging zu Boden und verlor augenscheinlich das Bewusstsein. Sofort war ein Helfer bei ihm, Akinfeev wurde vom Rasen getragen.
Alle Spieler verließen anschließend den Rasen und der deutsche Referee ordnete eine Unterbrechung von zunächst zehn Minuten an. Der Fan, der die Leuchtrakete geworfen hatte, wurde zügig identifiziert.
Spiel wurde nach 20 Minuten fortgesetzt - vorerst
Das Spiel wurde nach etwa 20 Minuten fortgesetzt. Allerdings ohne Akinfeev. Er musste ausgewechselt werden und wurde zwecks genauerer Untersuchungen in ein Krankenhaus gebracht. Für ihn kam Juri Lodigin in die Partie.
Getty ImagesIgor Akinfeev wurde auf einer Trage aus dem Innenraum gebracht.
Ruhe kehrte auf den Rängen dennoch nicht ein und Mitte des zweiten Durchgangs sah sich Aytekin gezwungen, die Begegnung beim Stand von 0:0 komplett abzubrechen. Auslöser dafür war ein verschossener Strafstoß des Russen Roman Shirokov. Die Gästespieler beschwerten sich, wieder Ziel von Wurfgeschossen geworden zu sein. Dmitri Kombarov gab an, etwas abbekommen zu haben. Erneut flogen Fackeln und Gegenstände in Richtung Spieler. Die Partie wurde vorzeitig beendet.
Damit aber nicht genug: Auch die Akteure gingen nun aufeinander los. Die Montenegriner warfen den Russen vor, nicht mehr spielen zu wollen und den Abbruch mit ihren Beschwerden provoziert zu haben.
Trainer sprechen von "richtiger Entscheidung"
Der russische Nationaltrainer Fabio Capello sagte in einer ersten Stellungnahme: "Nach der ersten Unterbrechung sagten uns die Offiziellen, dass wir weiterspielen müssten. Die Entscheidung, die Partie nach der zweiten Unterbrechung ganz abzubrechen, war richtig."
Klare Worte fand auch Montenegros Coach Branko Brnovic: "Ich möchte mich bei den russischen Spielern und ihrem Trainerstab für alles, was hier passiert ist, entschuldigen. Es ist normal, dass ein Spiel dann abgebrochen wird, denn es war der zweite Vorfall in dieser Begegnung."
"Meine Spieler sind demoralisiert. Niemand weiß, was er sagen soll. Das geht mir auch so. Wir haben damit alle Chancen auf die Qualifikation verloren, werden unsere nächsten Heimspiele vor leeren Rängen bestreiten müssen. Wir können von Glück sagen, dass unser Verbandspräsident Dejan Savicevic bei der UEFA respektiert wird. Uns bleibt nichts zu tun, als gute Resultate zu holen. Es ist wichtig, dass wir Stabilität finden", so Brnovic weiter.
Die Stimmung in Podgorica war bereits vor dem Anstoß aufgeheizt. In der Innenstadt kam es zwei Stunden zuvor zu Ausschreitungen zwischen Fangruppen. Diese wurden im Stadion fortgesetzt und eskalierten nach dem Spielabbruch erneut.

