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Wird Dayot Upamecano Opfer eines "Fluchs"? Warum beim FC Bayern auch etwas Skepsis geboten ist

2020 gewann der FC Bayern das Sextuple. Die Münchner waren damals die beste Mannschaft Europas und eine zukunftsträchtige noch dazu. Etliche Schlüsselspieler befanden sich im besten Fußballeralter. Entsprechend begehrt waren sie international und entsprechend gut waren ihre Verhandlungspositionen, als sich ihre Verträge dem Ende entgegen neigten.

  • Salihamidzic und Kahn verlängern mit vier Bayern-Stars nach dem Sextuple

    Die Klubführung um den Vorstandsvorsitzenden Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic wollte die Erfolgsmannschaft unbedingt zusammenhalten - und streckte sich dafür finanziell. 

    Nacheinander verlängerten Joshua Kimmich (bis 2025), Leon Goretzka, Serge Gnabry (beide 2026) und Kingsley Coman (2027). Alle vier machten dabei gewaltige Gehaltssprünge und verdienten fortan zwischen 17 und 20 Millionen Euro. Gemeinsam mit Neuzugang Leroy Sane, den Routiniers Manuel Neuer und Thomas Müller (die aber nur noch verhältnismäßig risikoarme Kurzzeit-Verträge bekamen) sowie den Torjägern (erst Robert Lewandowski, dann Harry Kane) zählten sie nun zu den absoluten Spitzenverdienern. 

    In der damaligen Konstellation erschienen die Verlängerungen durchaus sinnvoll, öffentliche Kritik gab es entsprechend kaum. Dass sie sich zum Ballast entwickeln würden, war nicht wirklich absehbar. Als Salihamidzic in einem Interview mit der Sport Bild später auf die retrospektive Kritik angesprochen wurde, erwiderte er zurecht: "Man muss das fairerweise immer im Zusammenhang mit dem Zeitpunkt sehen, in dem die einzelnen Verträge geschlossen wurden."

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  • goretzkaGetty Images

    FC Bayern und der Verlängerungs-"Fluch": Am krassesten war es bei Choupo-Moting

    Während sich Kimmich als Leistungsträger etablierte, knüpften Goretzka, Coman und Gnabry nicht mehr an ihre einstigen Leistungen an. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Coman und Gnabry hatten mit wiederkehrenden Verletzungsproblemen zu kämpfen, Goretzkas Spielweise passte immer weniger zur allgemeinen Entwicklung des (Münchner) Fußballs. Vielleicht machte sich auch ein Hauch Gemütlichkeit breit.

    Zwar auf einem insgesamt niedrigeren Niveau, aber verhältnismäßig womöglich noch krasser war der Einbruch bei Eric Maxim Choupo-Moting. Im Alter von 33 Jahren bekam der Stürmer Anfang 2023 einen neuen Vertrag samt Gehaltsverdoppelung auf kolportierte etwa zehn Millionen Euro. In den darauffolgenden eineinhalb Jahren erzielte Choupo-Moting nur noch fünf Tore, dann verließ er München ablösefrei.

    Durch die gestiegenen Gehälter stieg gleichzeitig die Erwartungshaltung an die Spieler und damit der Druck. Spielten sie schlecht, wurde umgehend auf ihr Einkommen verwiesen. Leistung passt nicht zum Gehalt! Das ist er nicht wert! Erstaunlich kurz nach ihren Verlängerungen galten Goretzka, Coman und Gnabry als Verkaufskandidaten.

    Es entstand eine Problemkette: Weil die Spieler (zurecht) auf ihre Verträge verwiesen, wurde der FC Bayern sie nicht los. Weil sie aber nicht mehr ihre einstigen Leistungen brachten, brauchte der Kader Verstärkungen. Weil sie hohe Gehälter banden, waren (bei halbwegs sinnvollem Wirtschaften) die Mittel dafür beschränkt. Der FC Bayern befand sich in einer Zwickmühle, die auch die Entlassungen von Kahn und Salihamidzic überdauerte.

  • Eberl FreundIMAGO / Ulmer/Teamfoto

    Auch Eberl und Freund beim FC Bayern in der Zwickmühle: Eine unausweichliche Kettenreaktion

    Und damit zur Gegenwart. Ihre Nachfolger, Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund, bekamen den Auftrag, einen Ausweg aus dieser Zwickmühle zu finden. Es ging schleppend voran, immerhin die Zeit aber spielte für sie. Coman wurde vergangenen Sommer (unter Marktwert) verkauft, Goretzkas auslaufender Vertrag wird nicht verlängert, Gnabry darf wohl mit finanziellen Einbußen bleiben.

    Gleichzeitig treiben Eberl und Freund die Gehaltskosten aber auch wieder in die Höhe. Schnell befanden sie sich nämlich in einer ähnlichen Situation wie Kahn und Salihamidzic vor etwa fünf Jahren. Nur ohne vorheriges Sextuple. Die Münchner verfügen über international höchst umworbene Spieler im besten Fußballeralter, die sie verständlicherweise nicht ablösefrei verlieren wollen - worüber die Spieler respektive ihre Berater natürlich genauestens Bescheid wissen. 

    So wie sich Kahn und Salihamidzic einst bei Kimmich, Goretzka, Coman und Gnabry streckten, so streckten sich Eberl und Freund vor genau einem Jahr bei den Verlängerungen mit abermals Kimmich (bis 2029), Alphonso Davies (2030) und Jamal Musiala (2030) und so war es nun auch bei Dayot Upamecano. Es ist eine unausweichliche Kettenreaktion: Was er kriegt, will ich auch! 

    Upamecano hat sich nach einem fast einjährigen Poker nun dem Vernehmen nach für eine Verlängerung entschieden. Die angeblichen Rahmenbedingungen: Laufzeit bis 2030, 20 Millionen Euro Gehalt, 20 Millionen Euro Handgeld und eine Ausstiegsklausel über 65 Millionen Euro, womöglich sogar schon ab 2027. Der Deal soll in Kürze offiziell verkündet werden.

  • KimmichGetty Images

    FC Bayern und die Vertragsverlängerungen: Sportlich sinnvoll - und kritisch beäugt

    Für den FC Bayern erscheinen auch die jüngsten Verlängerungen sportlich allesamt sinnvoll. Ihr Zustandekommen wurden in der Öffentlichkeit aber deutlich kritischer verfolgt. Die Gier der Spieler respektive ihrer Berater und das ewige Hinauszögern der Verhandlungen sorgt für Unverständnis bei vielen Fans und Experten. Als der FC Bayern im vergangenen Frühling sein Angebot an Leroy Sane nicht mehr verbesserte und er sich letztlich ablösefrei verabschiedete, gab es überwiegend Lob für die Standhaftigkeit der Bosse. Ähnlich wäre es wohl auch bei Upamecano gelaufen, wären die Verhandlungen letztlich gescheitert. 

    Mittlerweile schwingen bei hochdotierten, langfristigen Vertragsverlängerungen des FC Bayern - wie nun eben bei Upamecano - zudem stets Erinnerungen an die jüngere Vergangenheit mit. Erinnerungen, wie sich die einzelnen Spieler anschließend entwickelten (beziehungsweise eben nicht). Gewissermaßen scheint nämlich ein Fluch auf ihnen zu lasten.

    Goretzka, Coman und Gnabry bauten nach ihren Verlängerungen massiv ab. Musiala und Davies verletzten sich kurz danach jeweils schwer, fielen monatelang aus und feierten erst kürzlich ihre Comebacks. Völlig immun gegen diesen Fluch scheint in jüngerer Vergangenheit einzig Kimmich, trotz zweier spektakulären Verlängerungen ist er verlässlich fit und überzeugt konstant.

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