Endrick Lyon 2025-26Getty

Vom Real-Flop zum Hoffnungsträger: Endrick legt Rekordstart bei Olympique Lyon hin

Nach seinem furiosen Aufschwung in Lyon wirkt der Blick zurück fast surreal: Als im Dezember 2025 bei Real Madrid die Diskussionen um Trainer Xabi Alonso immer lauter wurden, rückte besonders Endrick unfreiwillig in den Fokus. Der 19-Jährige galt intern wie extern als einer der größten Verlierer der neuen sportlichen Ausrichtung. Kaum Einsatzzeiten, kaum Chancen, sein Können zu zeigen – und das, obwohl die Königlichen sportlich schwächelten. In schwierigen Phasen vertraute Alonso lieber auf gestandene Stars. Für Endrick blieben unter dem Basken gerade einmal 99 Minuten Einsatzzeit.

  • Die Unzufriedenheit über diese Entwicklung brach sich kurz vor Weihnachten erstmals offen Bahn. Endricks Vater Douglas Sousa meldete sich öffentlich zu Wort und richtete deutliche Zeilen an seinen Sohn – und indirekt auch an den Trainerstab. "Sie wollen dir den Glanz rauben", schrieb er bei Instagram und ließ keinen Zweifel daran, wie sehr ihn die fast aussichtslose Situation seines Sohnes zu schaffen machte. Es folgte eine emotionale Bestätigung des Talents seines Sohnes: "Ich weiß, mein Sohn, wie hart du arbeitest und wie viel du in jeder Minute deines Tages investierst." Und schließlich ein Satz, der im Rückblick beinahe prophetisch wirkt: "Dein Stern wird weiter leuchten, auch wenn manche versuchen, ihn zu verdunkeln."

    Dabei hatte Endrick in Madrid durchaus Argumente auf seiner Seite. In seiner ersten Saison bei Real kam er auf 37 Pflichtspieleinsätze und erzielte sieben Treffer – ein ordentlicher Wert für einen Teenager in einem Starensemble. Der endgültige Durchbruch schien zum Greifen nahe, ehe ihn Verletzungen zurückwarfen. Eine Oberschenkelverletzung kostete ihn nicht nur wichtige Spielpraxis, sondern auch große Teile der Sommervorbereitung. Unter Alonso fand er anschließend nie richtig Anschluss, verpasste die Klub-WM und spielte selbst nach seiner Rückkehr keine Rolle mehr.

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    Endrick bleibt professionell: Keine Abrechnung mit Xabi Alonso

    Trotz der sportlichen Enttäuschung blieb Endrick auffällig ruhig. Öffentliche Kritik an Alonso vermied er konsequent. Stattdessen sagte er später im Interview mit Marca: "Ich habe in Madrid viel von Xabi gelernt. Er war ein Weltklassespieler und kennt sich im Fußball sehr gut aus." Und weiter: "Obwohl ich lange Zeit verletzt war und nicht mit allen trainieren konnte, habe ich sehr von dem profitiert, was ich gehört habe." Aussagen, die seine Professionalität unterstreichen.

    Parallel dazu wuchs aber nun mal der Druck. Endrick will im Sommer unbedingt mit Brasilien zur Weltmeisterschaft reisen, wusste aber, dass ihm ohne regelmäßige Einsatzzeiten die Argumente fehlen würden. Ex-Real-Stürmer Mariano Diaz riet ihm deshalb öffentlich zu einem Tapetenwechsel und erklärte, ein Wechsel sei "das Beste, was ihm passieren kann, wenn er Stammspieler in der neuen Mannschaft wird". Mehrere Klubs zeigten Interesse, darunter angeblich auch Manchester United. Endrick jedoch hatte eine klare Priorität: Spielpraxis – selbst wenn sie ihn ins Ausland führen würde.

    Der Winterwechsel auf Leihbasis zu Olympique Lyon wurde schließlich zum Wendepunkt - und zumindest aktuell tatsächlich "das Beste", was ihm passieren konnte. Schon vor seinem ersten Einsatz war der Hype enorm: Sein Vorstellungsvideo entwickelte sich zum meistgesehenen Clip auf den Social-Media-Kanälen des Traditionsklubs. Doch während die Erwartungshaltung in ungeahnte Höhen schnellte, wirkte Endrick von Beginn an befreit. Bereits beim Debüt im Pokal gegen Lille erzielte er den entscheidenden Treffer zum Weiterkommen. In seinem ersten Ligaspiel beim 2:1-Erfolg gegen Brest folgte eine Vorlage, ehe er beim 5:2-Auswärtssieg in Metz endgültig explodierte.

  • CF Talavera v Real Madrid - Copa del ReyGetty Images Sport

    Endrick glückt nach Abschied von Real Madrid ein historischer Traumstart

    Drei Tore, drei unterschiedliche Abschlussarten – Endricks erster Hattrick im europäischen Profifußball war ein Statement - auch und besonders an Xabi Alonso. Entsprechend emotional fiel sein Fazit aus: "Ich bin sehr glücklich. Es ist mein erster Hattrick und ich werde mich mein Leben lang daran erinnern." Innerhalb weniger Tage wandelte sich das Bild des "Real-Flops" zum gefeierten Hoffnungsträger in Frankreich.

    Doch es blieb nicht bei diesem einen Spiel. Endrick bestätigte seine Form auch in den folgenden Wochen. Beim Pokal-Achtelfinale gegen Laval erlöste er Lyon mit einem spektakulären Distanzschuss in der Schlussphase und brachte den Favoriten spät auf die Siegerstraße. In seinen ersten fünf Einsätzen kommt der Brasilianer mittlerweile auf fünf Tore und eine Vorlage – eine Bilanz, die es in der Vereinsgeschichte von Lyon für einen Debütanten noch nie gegeben hat. Der Klub kletterte bis auf Rang vier und ist wieder voll im Rennen um die Champions-League-Plätze.

    Trainer Paulo Fonseca spielt dabei eine entscheidende Rolle. Der Portugiese setzt Endrick nicht nur als klassischen Mittelstürmer ein, sondern lässt ihn häufig über den rechten Flügel kommen – ausgerechnet eine Position, die ihm in Madrid kaum zugetraut wurde. Fonseca zeigt sich begeistert vom Einfluss seines Leihspielers und stellte nach dem Hattrick in Metz klar: "Endrick ist ein besonderer Spieler, und wir haben ihn gebraucht." Intern soll der Coach sogar angeregt haben, die Ausleihe über den Sommer hinaus zu verlängern – auch wenn Lyon weiß, dass dies sportlich wie finanziell eine enorme Herausforderung wäre.

  • Nach Alonso-Aus: Endricks unklare Zukunft bei Real Madrid und Vergleiche mit Benzema

    Der rasante Aufschwung hat längst auch emotionale Komponenten. Fans vergleichen das Brasilien-Juwel bereits mit Karim Benzema, der einst ebenfalls in Lyon den Grundstein für seine Weltkarriere legte. Endrick reagierte darauf respektvoll und sichtlich bewegt: "Es ist großartig für mich, denn er ist ein unglaublicher Spieler, welcher der Beste der Welt war." Gleichzeitig blieb er realistisch und ordnete die Vergleiche ein: "Karim ist mir voraus, er ist ein großartiger Spieler."

    Während Lyon sportlich von Endricks Explosivität profitiert, schaut man auch in Madrid genau hin. Nach der Entlassung von Xabi Alonso und der Tatsache, dass sein Nachfolger Alvaro Arbeloa bereits in der Kritik steht, ist offen, wie es für den Brasilianer langfristig weitergeht. Real sieht ihn weiterhin als Projekt für die Zukunft, sein Vertrag läuft bis 2030. Doch die Leistungen in Frankreich werfen zwangsläufig Fragen auf: Warum spielte dieser Endrick in Madrid keine Rolle?

    Was bleibt, ist das Bild eines Spielers, der als aussortiert galt – und sich innerhalb weniger Wochen neu erfand. Oder, wie es sein Vater bereits im Dezember formulierte: "Du bist ein Gewinner." In Lyon hat Endrick genau das zumindest für den Moment eindrucksvoll bewiesen und besonders Xabi Alonso eines Besseren belehrt.

  • Endricks bisherige Zahlen bei Olympique Lyon

    Einsätze5
    Tore5
    Assists1
0