Jeremy Doku Manchester City GFXGetty/GOAL

"Sexy Fußball, einfach fantastisch": Wie Jeremy Doku mit Manchester City den FC Liverpool zerlegte - und nun "einer der besten Spieler der Welt" ist

Doku dominierte mit seinen fulminanten Dribblings bei Citys Sieg am Sonntag gegen die Reds. Seinem Gegenspieler Conor Bradley ließ der 23-Jährige keine Chance, spielte ihn in einer Aktion nach der anderen schwindelig. Eine derartige Einzelleistung sieht man im modernen Fußball immer seltener. 

Dokus Auftritt kann man deshalb durchaus mit legendären Einzelleistungen vergleichen: Thierry Henrys Hattrick für den FC Arsenal gegen Liverpool in der Saison 2003/04, David Silvas virtuose Leistung beim 6:1-Kantersieg von City gegen Manchester United in der Saison 2011/12, oder Mark Vidukas Dreierpack für Leeds United gegen Liverpool im Jahr 2001. Amadou Onana, Dokus Teamkollege in der belgischen Nationalmannschaft, erklärte ihn jüngst zu "einem der besten Spieler der Welt" - und er hat Recht.

  • Manchester City v Liverpool - Premier LeagueGetty Images Sport

    Doku genießt die Aufmerksamkeit

    Statistisch gesehen hatte seit Eden Hazard, Dokus Landsmann und kurzzeitiger Teamkollege im belgischen Nationaltrikot, niemand mehr einen ähnlichen Eindruck in einem Premier-League-Spiel hinterlassen wie der 23-jährige Flügelstürmer. Hazard war der letzte Spieler, der 2019 in einem einzigen Spiel der englischen Spitzenklasse mindestens sieben Zweikämpfe gewann, sieben Dribblings absolvierte, drei Torchancen herausspielte und drei Torschüsse abgab - das damals allerdings gegen den Tabellenmittelfeldklub West Ham United und nicht gegen den amtierenden englischen Meister, der wenige Tage zuvor Real Madrid in der Champions League besiegt hatte.

    Doku schien die Aufmerksamkeit zu genießen und sprach danach mit Sky Sports: "In großen Spielen gibt es immer mehr Aufmerksamkeit und mehr Schönheit." Der ehemalige Anderlecht-Spieler hatte schon länger angedeutet, was in ihm steckt. Beim 3:0-Sieg gegen Manchester United im September spielte er überragend, zerlegte Burnley wenige Wochen später und hatte sich mit einer starken Leistung gegen Borussia Dortmund in der Champions League (4:1) auf das Topspiel der Premier League am Sonntag warmgespielt.

    Doku scheint die 60 Millionen Euro, die City 2023 an Stade Rennes für seine Verpflichtung überwies, mittlerweile wert zu sein. In den letzten beiden Spielzeiten gab es jedoch einige Fragen hinsichtlich seiner Eignung für eine Mannschaft wie City, die oft sehr gleichmäßig und vor allem mannschaftsorientiert spielt. Seine Individualität ist nun jedoch ein großes Plus für die Mannschaft von Pep Guardiola.

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  • Manchester City v West Ham United - Premier LeagueGetty Images Sport

    Doku überzeugte anfangs nur ansatzweise

    Doku brauchte nicht lange, um die City-Fans nach seinem Wechsel im Sommer 2023 zum Staunen zu bringen. Bei seinem Heimdebüt gegen Fulham zeigte er direkt, was ihn so einzigartig macht. Beim nächsten Spiel gegen West Ham erzielte er dann auch sein erstes Tor in der Premier League. Nur zwei Monate nach seinem Wechsel zu City schrieb er zudem beim 6:1-Kantersieg gegen Bournemouth Premier-League-Geschichte und wurde zum jüngsten Spieler, der in einem Spiel an fünf Toren beteiligt war (vier Vorlagen und ein Tor), sowie zum ersten City-Spieler, der vier Vorlagen in einer Partie lieferte.

    Auf diese unglaubliche Leistung gegen die Cherries folgte jedoch eine Durststrecke, die durch eine sechswöchige Pause aufgrund einer Muskelverletzung verlängert wurde. Doku blieb in zehn Spielen ohne Torbeteiligung und wurde in der Champions League kaum eingesetzt. Der Belgier wurde zum Super-Joker - und bereitete unter anderem einen Treffer für seinen Landsmann Kevin De Bruyne gegen Real Madrid in der Champions League 2023/24 vor, sowie für Bernardo Silva im FA-Cup-Halbfinale gegen Chelsea. In seinen ersten beiden Spielzeiten bei City kam Doku im Schnitt auf drei Tore und sieben Vorlagen in der Liga – nicht gerade die Zahlen, die man von einem 60 Millionen Euro teuren Spieler erwartet.

  • Manchester City v Tottenham Hotspur - Premier LeagueGetty Images Sport

    Doku und Guardiola - eine komplexe Beziehung

    Andererseits konnte man Doku nie nur über Statistiken definieren. In seiner besten Saison in Rennes erzielte er nur sechs Tore und zwei Vorlagen in der Ligue 1. "Ich glaube, er wird nie ein Top-Torjäger sein, um ehrlich zu sein", sagte Guardiola am Sonntag. "Aber er fordert sich selbst, besser zu werden, er hört zu und hat besondere Dribbling-Fähigkeiten. Er war aggressiv mit und ohne Ball. Wir haben versucht, ihm zu helfen, und er hat ein hervorragendes Spiel gemacht."

    Doch der Spanier sah Dokus Perspektive nicht immer so positiv. Nach dem 4:0-Kantersieg gegen Brighton in der Schlussphase der Meisterschaft 2024 kritisierte er den Flügelspieler öffentlich, weil er nach seiner Einwechslung einige Male den Ball verlor. In der vergangenen Saison bemängelte Guardiola Dokus Leistung gegen United im Old Trafford. Nach einem guten Einsatz beim Sieg gegen Everton ruderte Pep dann jedoch zurück und erklärte, es sei "unfair" gewesen, den Flügelspieler nicht öfters aufs Feld zu schicken.

    Tatsächlich war Doku damals im Begriff, zum Dauer-Bankdrücker degradiert zu werden. Guardiola überflutete lieber das zentrale Mittelfeld und wollte sich auf den Flügeln auf die Außenverteidiger Nico O'Reilly und Matheus Nunes verlassen. Doch in der Saison 2025/26 ist Doku nun zum Stamm- und Schlüsselspieler geworden, kam in 16 von 17 Partien zum Einsatz, elfmal von Beginn an - darunter viermal in der Königsklasse.

  • Manchester City v Borussia Dortmund - UEFA Champions League 2025/26 League Phase MD4Getty Images Sport

    Ex-Trainer Henry: "Er hat keine Grenzen"

    Doch Doku war nicht der erste Spieler, der unter Guardiola eine Eingewöhnungsphase benötigte. Jack Grealish, Josko Gvardiol und Nico Gonzalez glänzten allesamt erst in ihrer zweiten Saison unter dem Toptrainer. Doch Doku ließ sich gleich zwei Spielzeiten Zeit - dafür scheint sein Potenzial deutlich größer als das von Grealish. "Ich weiß, dass ich gut bin, aber überschätzt mich nicht", zeigte sich Guardiola zuletzt demütig. "Die Spieler machen das selbst. Wir müssen ihnen ein gutes Umfeld bieten und gute Beziehungen aufbauen. Ich bringe Doku nicht bei, wie man dribbelt, das ist sein natürliches Talent."

    Schon in YouTube-Videos aus Kindheitstagen erkennt man Doku an seinem besonderen Dribbel-Stil. Er erlernte seine Ballbehandlung auf Betonplätzen in Antwerpen, wo er unzählige Stunden mit seinem Bruder Jefferson und seinen Freunden trainierte. Im Alter von zehn Jahren wurde er dann in die Akademie des belgischen Spitzenklubs Anderlecht aufgenommen und wechselte 2020 für 26 Millionen Euro nach Rennes in die Bretagne.

    Später lernte Doku in der belgischen Nationalmannschaft auch von Co-Trainer Thierry Henry. Allerdings erklärte der heutige TV-Experte von CBS jüngst über seinen ehemaligen Schützling, dass der 23-Jährige sich noch verbessern müsse: "Er hat keine Grenzen, aber er braucht Anleitung. Wenn man jemandem etwas erklärt, ohne dass dahinter ein Denkprozess steht, wird er nicht verstehen, was zu tun ist. Wir alle wissen, dass er schießen kann, aber manchmal muss man langsamer werden und dann wieder beschleunigen."

  • Manchester City v Liverpool - Premier LeagueGetty Images Sport

    Doku überzeugt selbst die mürrischsten Experten

    Dokus Leistung gegen Liverpool, insbesondere sein Tor, war so gut, dass er sogar dem sonst eher mürrischen Roy Keane ein Lächeln entlockte. "Ich könnte mir das den ganzen Tag ansehen", sagte der Ire bei Sky Sports. "Sexy Fußball, einfach fantastisch. Ich liebe es, solche Tore zu sehen, großartige Technik."

    Der ehemalige City-Verteidiger Micah Richards fügte hinzu: "Er hat sein Spiel auf das nächste Level gebracht. Wie oft haben wir gesehen, wie er in Sackgassen gelaufen ist oder den falschen Pass gespielt hat? Jetzt hat er diese Überzeugung."

    Auch Daniel Sturridge, ehemaliger Stürmer von Liverpool und City, ist von Dokus einzigartigem Dribbling begeistert. Bei seinem Trick, der als "Zauberstab" bekannt ist, deutet er mit einem Fuß einen Richtungswechsel an - geht dann aber in die andere Richtung. "Diese Technik funktioniert bei ihm immer. Er ist einer der wenigen, die das können. Diese kleine Kraft, die er hat, kann man als Verteidiger nicht ausgleichen, weil er weiß, was er will. Es geht darum, dass er die Entscheidung trifft und den Zug macht. Wenn er das tut, ist er nicht zu stoppen", fand Sturridge.

  • FBL-ENG-PR-MAN CITY-LIVERPOOLAFP

    Doku und der Glaube an Gott

    Sturridge erklärte auch, was sich seiner Meinung nach geändert habe: "Im Moment hat er einen Plan im Kopf. Er spielt nicht einfach drauf los. Sein Spielstil ist er einer der schwierigsten Spieler für Verteidiger. Er ist so direkt. Jeder, gegen den er spielt, egal wer es ist, wird Probleme mit ihm bekommen."

    Doku, der sich im September taufen ließ, hat zwei einfache Erklärungen für seine verbesserten Leistungen. "Was sich für mich in dieser Saison geändert hat, ist, dass ich Gott in meinem Leben habe. Ich spüre seine Gegenwart. Ich möchte ohne Angst und Zweifel spielen."

    Auf die Frage, wie sich sein Fußballniveau verbessert hat, fügte er hinzu: "Ich habe großartige Spieler um mich herum, die mich jeden Tag antreiben, weil sie an mich glauben, und das gibt mir das Gefühl, dass ich in jedem Spiel mehr leisten muss und mich jeden Tag verbessern will. Mit solchen Teamkollegen ist das einfacher."

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