Kovac KompanyIMAGO / Philippe Ruiz

Seine Vorgänger scheiterten daran krachend! Vincent Kompany hat beim FC Bayern aus elementaren Fehlern gelernt

Wer sich an Niko Kovacs' Zeit als Trainer des FC Bayern erinnert, der denkt zunächst wohl eher nicht an das Double 2019. Übrigens ein Erfolg, der Julian Nagelsmann, Thomas Tuchel und bisher auch Vincent Kompany verwehrt geblieben ist. Nein, den meisten dürfte als erstes der berühmte Notnagel-Spruch über Thomas Müller einfallen.

  • Notnagel-Spruch und Bayern-Aus: Kovac legt beim BVB eine beachtliche Entwicklung hin

    Gefragt nach dem Reservistendasein der Münchner Klubikone, sagte Kovac im Oktober 2019: "Er wird seine Minuten bekommen, wenn Not am Mann ist." Ein Skandal! Wie kann er nur so über den Müllerthomas sprechen, unseren Müllerthomas! Da waren sich Fans, Experten und der Müllerthomas höchstselbst ziemlich einig. 

    Einen Monat später musste Kovac gehen. Wegen durchwachsener Ergebnisse, fehlender sportlicher Weiterentwicklung und seinem auf Sicherheit bedachten Spielsystem, das so gar nicht zur klubeigenen Mia-san-mia-Mentalität passte. Kovac scheiterte im chronisch aufgeheizten Münchner Umfeld aber auch an seiner Kommunikation, exemplarisch dafür steht der Notnagel-Spruch. 

    Seitdem und vor allem seit seiner Ankunft bei Borussia Dortmund hat Kovac diesbezüglich eine beachtliche Entwicklung hingelegt. Auch gestützt durch - mal abgesehen vom beschämenden Champions-League-Aus - überwiegend gute Ergebnisse seiner Mannschaft strahlt er mittlerweile gleichermaßen Souveränität und Lockerheit aus. Anders als einst in München stellt sich Kovac beim BVB konsequent hinter seine Spieler. Dem schwächelnden Serhou Guirassy stärkte er so lange den Rücken, bis er wieder traf. Julian Brandt erhob er - etwas sehr drüber - in eine Kategorie mit Jamal Musiala und Florian Wirtz. Am Samstag kommt es beim Bundesliga-Topspiel zum direkten Duell mit seinem Nach-nach-nach-nachfolger.

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    Müller, Uli Hoeneß, interne Querelen: Kompany besteht seine Notnagel-Probe

    Vincent Kompany erlebte vor einem Jahr, also drei Trainer und fünfeinhalb Jahre nach Kovac, seine persönliche (Not)nagelprobe. Unter Flick und Nagelsmann war Müller noch einmal so richtig aufgeblüht. Tuchel setzte ihn daraufhin immer weniger ein, Kompany beschleunigte die Entwicklung. Die Klubführung kassierte derweil ein Versprechen zu einer möglichen Vertragsverlängerung des damals 35-Jährigen. Dann mischte sich auch noch Uli Hoeneß ein und empfahl Müller ein Karriereende. 

    Müller, Hoeneß, interne Unstimmigkeiten: Für einen Trainer des FC Bayern das reinste Pulverfass. Anders als einst Kovac moderierte Kompany die hochbrisante Causa beeindruckend feinfühlig und zurückhaltend. Was Kompany über Hoeneß' Empfehlung an Müller denke, wurde er bei einer Pressekonferenz auf den Tag genau vor einem Jahr beispielsweise gefragt. "Ich gebe keine Antworten auf die Sätze von …", sagte Kompany, hielt kurz inne, nickte, grinste und führte fort: "... von anderen, das mache ich nicht." Auf das Wort "Hoeneß" verzichtete er ganz bewusst

    Offensichtlich hat Kompany die Kommunikationsfehler seiner Vorgänger analysiert und seine Schlüsse daraus gezogen. Die richtigen Schlüsse.

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    Kovac, Flick, Nagelsmann und Tuchel: Kommunikationsfehler beim FC Bayern auf der Tagesordnung

    Kovac tätigte immer wieder unbedachte Äußerungen wie den Notnagel-Spruch, über deren Tragweite er sich vorab keine Gedanken gemacht zu haben schien. Niederlagen oder enttäuschende Leistungen begründete er gerne mit vermeintlich mangelnder Qualität seiner Mannschaft. "Man kann nicht versuchen, 200 km/h auf der Autobahn zu fahren, wenn sie nur 100 km/h schaffen", sagte er kurz vor seiner Entlassung.

    Kovacs Nachfolger Flick steuerte die gleiche Mannschaft mit 300 km/h zum Sextuple. Kommunikativ machte aber auch er Fehler. Flick forderte medial Neuzugänge und befeuerte mit seinen Aussagen einen ziemlich öffentlich ausgetragenen Machtkampf mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der das Arbeitsklima intern vergiftete und letztlich in Flicks Wechsel zum DFB mündete.

    Der gleichermaßen witzige wie rhetorisch begabte Nagelsmann übertrieb es manchmal mit seinen flotten Sprüchen und ausufernden Ausführungen. Bis ins letzte Detail zerpflückte er Fehler seiner Spieler, oft versprühte er dabei auch einen Hauch Selbstverliebtheit. Weil sich die damalige Klubführung um Salihamidzic und Oliver Kahn zurückzog, musste Nagelsmann zudem über Themen sprechen, die nichts mit seiner ursächlichen Arbeit als Trainer zu tun haben. Quarantänen, Impfungen, Katar, häusliche Gewalt.

    Ähnlich wie Nagelsmann hat auch Tuchel den eigenen Anspruch, Zusammenhänge ehrlich und detailliert zu erklären. Mit etwas überspitzten Aussagen machte er sich aber wiederholt angreifbar. Erst war er - nach einer Niederlage gegen Manchester City - "schockverliebt" in seine neue Mannschaft, dann ziemlich oft "ratlos". Hoeneß' Kritik an seiner vermeintlich mangelhaften Nachwuchsförderung nahm Tuchel persönlich und sah sich in seiner "Trainerehre verletzt". Spätestens da war die Trennung nur noch eine Frage der Zeit.

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    Vincent Kompany spricht beim FC Bayern im "Wir"

    Die Nachfolger-Suche ist jetzt schon legendär. Xabi Alonso, Sebastian Hoeneß, Ralf Rangnick und selbst Oliver Glasner waren nicht zu bekommen. Rückholaktionen von Flick und Nagelsmann scheiterten. Tuchel ließ sich nicht zu einem Weitermachen überreden. Also kam 2024 der damals 37-jährige Belgier Vincent Kompany. Ein gewisses Kommunikationstalent liegt ihm im Blut. Kompanys Vater wurde zum ersten schwarzen Bürgermeister Belgiens gewählt und sitzt heute im Brüsseler Regionalparlament, seine 2007 verstorbene Mutter arbeitete als Gewerkschafterin.

    Anders als seine Vorgänger scheint Kompany stets über den Dingen zu stehen. Bei seinen öffentlichen Wortmeldungen verzichtete er konsequent auf Schuldzuweisungen. Dank seiner eigenen Karriere als Weltklasse-Verteidiger weiß er, wie Profis behandelt werden wollen. Wird er zu einem einzelnen Spieler gefragt, lobt er ihn - und dazu proaktiv noch ein paar Kollegen - oder weicht aus. Immer, wirklich immer spricht er im "Wir" und versucht, das Positive zu finden. So bietet Kompany der Öffentlichkeit zwar weniger Erklärungen und Einblicke in seine tatsächliche Gedankenwelt als Fußballtrainer, dafür aber auch weniger Angriffsfläche.

    Erst am vergangenen Wochenende nach dem 3:2-Sieg gegen Eintracht Frankfurt führte Kompany diese Herangehensweise in Perfektion vor. Nach einer vogelwilden Fehlerkette hatten die Münchner das späte Anschlusstor kassiert. Sportvorstand Max Eberl gab Joshua Kimmich die alleinige Schuld am Gegentor und nannte dessen Pass "Harakiri", der schläfrige Empfänger Min-Jae Kim habe nach Ansicht des Sportvorstandes überraschenderweise dagegen "nichts mit dem Tor zu tun".

    Selbstverständlich wurde auch Kompany zu dieser Szene befragt: Wer ist denn nun Schuld? Kimmich? Kim? Oder gar Keeper Jonas Urbig? Nach einer kurzen Denk- und Schmunzelpause erwiderte Kompany: "Hauptsache die Spieler wissen es. Es ist einfach, zwei, drei, vier Namen jetzt anzubringen. Letztendlich war es ein untypischer Fehler von uns. Wir müssen daraus lernen und sehen, dass es das nächste Mal nicht mehr passiert." Keine individuelle Schuldzuweisung, "Wir"-Form, hoffnungsvoller Blick in die Zukunft. Voila.

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    Uli Hoeneß: Kompany hat den FC Bayern "befriedet"

    Vereinspolitische Pulverfässer umschifft Kompany derweil konsequent - und sei es, indem er die Namen der Protagonisten nicht einmal nennt. "Die früheren Trainer bei uns haben Ihnen als Journalisten immer die Vorlage gegeben, um wochenlang zu diskutieren. Das ist bei ihm nicht so", befand Hoeneß. "Was ihn besonders auszeichnet ist seine Ruhe, seine Intelligenz, wie er mit den Medien umgeht, er lässt sich nicht provozieren." Spricht man mit den Bossen des FC Bayern - egal ob Eberl oder Hoeneß - über Kompany, dann fällt immer wieder ein Satz: "Er hat den Klub befriedet."

    Kompany kreierte eine Einheit, wie sie der FC Bayern lange nicht mehr erlebt hat. Die Bosse schätzen ihn genau wie die Spieler. Selbst Reservisten sprechen nur lobend über Kompany. Etwa Leon Goretzka, dem er direkt nach seiner Ankunft mitteilen musste, dass er den Klub verlassen solle. Goretzka aber beharrte auf seinen Vertrag, wie selbstverständlich gliederte ihn Kompany wieder ein. Oder auch Müller, der sich nach einem für ihn persönlich enttäuschenden Jahr im Sommer verabschiedete.

    "Seit Pep Guardiola hatte es in der Kombination zwischen Trainer und Mannschaft nicht mehr richtig Klick gemacht", sagte Müller im Sommer. "Dieses komplett harmonische Bild, das wir diese Saison jetzt wieder gesehen haben, diese Einheit zwischen Trainer, Mannschaft und Verein - das war nie so richtig da."

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    FC Bayern: Vincent Kompany bald der längstdienende Trainer seit Guardiola

    Weil sich Kompany bei seinen öffentlichen Stellungnahmen anders als seine Vorgänger grundsätzlich zurückhält und nicht zu allem und jedem Meinungen äußert, wirkte seine zwölfminütige Rede gegen Rassismus noch größer als sie ohnehin schon war. 

    Er äußerte sich nicht, um sich zu äußern - wie es vielleicht andere getan hätten. Sondern weil ihm das Thema wirklich am Herzen liegt, weil er Rassismus aus eigener Erfahrung kennt, die Gefühle der Betroffenen nachempfinden kann, weil er dazu schon viel nachgedacht und eine klar strukturierte Meinung hat. Kompany sprach ohne zu pauschalisieren oder anzuklagen. Stattdessen ordnete er verschiedene Blickwinkel sachlich ein. 

    Kompany ist in vielerlei Hinsicht das perfekte Sprachrohr des FC Bayern. Deswegen und natürlich auch wegen der beeindruckenden sportlichen Entwicklung der Mannschaft unter seiner Ägide wird er Ende März Nagelsmann überholen und zum längstdienenden Münchner Trainer seit Pep Guardiola aufsteigen.

Häufig gestellte Fragen

Vincent Jean Mpoy Kompany wurde am 10. April 1986 in Ukkel - einer an Brüssel angrenzenden belgischen Gemeinde geboren. Aus einer Hochhaussiedlung im berüchtigten Quartier Nord in Brüssel ging es für ihn raus in die große, weite Welt des europäischen Fußballs.

Und wie er das hat. Vincent Kompany galt einige Zeit lang, als einer der besten Innenverteidiger Europas. Er war nicht nur physisch stark, sondern auch intelligent und technisch versiert. Auch seine Führungsstärke wurde immer wieder hervorgehoben, sowohl im Verein als auch der belgischen Nationalmannschaft.

Der ehemalige Star-Innenverteidiger startete seine Karriere in der Jugend des RSC Anderlecht, wo er mit 17 Jahren sein Debüt bei den Profis gab. Über den Hamburger SV und die Bundesliga schaffte er den Sprung zu Manchester City. Hier blieb Kompany elf Jahre lang und gewann mit den Skyblues so ziemlich jeden Titel den es gibt. Zur Saison 2019/20 wechselte er zurück zu seinem Heimatverein Anderlecht, wo er als Spielertrainer fungierte.

Seine Trophäensammlung als Trainer ist noch nicht mit der als Spieler vergleichbar - der Belgier hat aber noch reichlich Zeit in seiner noch jungen Trainerkarriere. Mit Anderlecht schaffte er es zwar ins Pokalfinale, musste sich dort aber Genk geschlagen geben. Bei seiner zweiten Station, dem FC Burnley, lief es besser und Kompany konnte mit dem Club den 1. Platz in der EFL Championship und Aufstieg in die Premier League feiern. Zur Saison 2024/25 übernahm er das Zepter beim FC Bayern München und wurde Deutscher Meister. Im Sommer folgte noch der Gewinn des Supercups.

Der Verteidiger konnte in seiner Karriere noch nie die Champions League gewinnen - weder als Spieler noch als Trainer. Man City war erst einige Jahre nach seinem Weggang erfolgreich, mit dem FC Bayern möchte er diese Saison aber endlich den Henkelpott in den Händen halten.

Bei Anderlecht coachte Kompany seinen ehemaligen Mitspieler und französischen Nationalspielr Samir Nasri, so wie den jetzigen City-Profi Jeremy Doku. Ebenfalls nun in Manchester beheimatet ist sein ehemaliger Burnley-Keeper James Trafford. Die ganz großen Starts hat Kompany aber erst jetzt bei den Bayern unter seiner Fittiche. Harry Kane, Jamal Musiala, Manuel Neuer, Joshua Kimmich - die Liste könnte man noch weiter fortsetzen.

Genug Geld um sich keine Sorgen mehr machen zu müssen. In seiner langen Karriere gehörte er bei Manchester City als Kapitän zu den bestbezahltesten Spielern der Premier League. Und auch bei seinen Trainerstationen Burnley und jetzt in München verdient Kompany gutes Geld - sein Basisgehalt bei den Münchnern wird auf 7 Millionen pro Jahr geschätzt. Sein Vermögen wird von diversen Medien zwischen 45 und 55 Millionen Euro geschätzt.

Mit seiner Frau hat der Trainer des FCB drei Kinder. Das älteste davon ist seine Tochter Sienna, welche im Juni 2010 auf die Welt kam. Im Oktober 2013 und Oktober 2015 folgten seine beiden Söhne Kai und Caleb. Seine Kinder wachsen aber - so gut wie möglich - in einem von der Öffentlichkeit relativ geschützten Umfeld auf.

Der ehemalige Innenverteidiger ist seit Juni 2011 mit der Engländerin Carla Higgs verheiratet. Kompany lernte seine Frau kurz nach seinem Wechsel zu City in Manchester kennen. Carla ist ausgebildete Anwältin, jedoch nicht mehr als solche tätig. Generell gibt es wenig Infos zu seiner Frau, welche auch in den Sozialen Medien nicht wirklich aktiv ist.

Noch nie. Aber der Belgier hat gerade erst seine erste Trainer-Saison auf Weltklasseniveau hinter sich. Für die Spielzeit 2024/25 wird er ihn nicht bekommen, Kompany befindet sich nicht unter den fünf nominierten Trainern.

Ja, das hat er. Vor allem in seiner Zeit bei Manchester City sprachen seine Mannschaftskollegen immer wieder über "Vinnie", wenn Kompany gemeint wurde. Ein weiter Spitzname des Belgiers lautet "Obama" und spielt auf die Ähnlichkeit als Führungsfigur mit dem ehemaligen US-Präsidenten an.

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