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Rätsel um Ronaldos Zusammenbruch vor WM-Finale: Ehemaliger Frankreich-Star heizt Gerüchte an

Es ist wohl eins der bestgehüteten Geheimnisse der Fußball-Geschichte: Was genau war am Tag des Endspiels der Weltmeisterschaft 1998 mit Brasiliens Superstar Ronaldo los. Und daran knüpfen gleich mehrere Fragen an: Warum musste der Stürmer ins Krankenhaus? Wie sehr geschwächt ging er ins Finale gegen Gastgeber Frankreich? Und wer entschied, dass Ronaldo überhaupt spielen solle? Ein Beteiligter von damals hat jetzt interessante Einblicke gegeben.

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    WAS WURDE GESAGT?

    "Vor dem WM-Finale 1998 wussten wir, was mit Ronaldo los war, denn einige unserer Spieler waren seine Mannschaftskameraden in Italien, also bekamen wir Gerüchte mit", erzählte Frankreichs ehemaliger Mittelfeldstar Emmanuel Petit dem Wettanbieter Sambaslots. "Wir hörten, dass sich Ronaldo mit einer Krankheit herumplagte, aber das stärkste Gerücht war, dass er so lange Videospiele gespielt hatte, dass er zusammengebrochen war."

    Petit war damals Leistungsträger im französischen Team. Der heute 54-Jährige erzielte an jenem 12. Juli 1998 den 3:0-Endstand. Zuvor hatte Zinedine Zidane mit einem Doppelpack die Grundlage für den ersten WM-Titel Frankreichs gelegt. Ronaldo, der zuvor mit vier Toren ein starkes Turnier gespielt hatte und als bester Spieler der Endrunde ausgezeichnet wurde, blieb im Endspiel völlig blass.

    "Wir wussten am Ende nicht genau, ob es stimmte oder nicht, aber einige unserer Spieler waren sich sicher", sagte Petit zu dem Wirbel um Ronaldo. "Vor großen Spielen wie diesem versuchen die Leute, dich zu stören, und manchmal ist es schwer, aber man muss sich konzentrieren und die Presse und alle Gerüchte ignorieren."

    Woher genau die Gerüchte kamen, verriet Petit nicht. Ronaldo spielte damals aber gemeinsam mit Frankreich-Star Youri Djorkaeff bei Inter Mailand.

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    WAS IST DER HINTERGRUND?

    Am Tag des Endspiels musste der damals 21-jährige Ronaldo aus bis heute ungeklärten Umständen in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Bis kurz vor dem Spiel war unklar, ob der Angreifer spielen würde oder nicht. Letztlich erhielt er grünes Licht von den Ärzten, stand in der Startformation von Trainer Mario Zagallo und spielte 90 Minuten durch.

    "Acht oder neun Stunden vor dem Finale hatte er im Hotel einen Schüttelkrampf. Eine schreckliche Szene, wir dachten, er würde sterben", erinnerte sich Teamkollege Cesar Sampaio später. Auch Roberto Carlos, Legende von Real Madrid und damals Ronaldos Zimmerkollege, fürchtete um das Leben des Freundes.

    Ronaldo stand zunächst nicht auf dem Spielberichtsbogen und traf weniger als eine Stunde vor Spielbeginn überhaupt erst in der Kabine der Seleção ein. Im Krankenhaus hatte sich der Verdacht eines epileptischen Anfalls nicht verifizieren lassen, auch sonst war nichts Beunruhigendes gefunden worden.

    Bis heute halten sich Gerüchte, Sponsor Nike oder gar die Politik habe sich eingemischt und Druck auf Nationaltrainer Zagallo ausgeübt, Ronaldo spielen zu lassen.

    Sampaio sagte später jedenfalls, die Mannschaft habe sich darauf eingestellt, mit Edmundo zu spielen und fürchtete, "Ronaldo riskiert sein Leben", wenn er auflaufen würde. "Ich würde nicht sagen, dass es Ronaldos Schuld ist, dass wir das Finale verloren haben", sagte Sampaio. "Aber aus emotionaler Sicht wären wir zu diesem Zeitpunkt stabiler gewesen, wenn Edmundo gespielt hätte. Wir waren nicht einmal bei 50 Prozent."

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    EIN BLICK AUF DIE ZAHLEN:

    Ronaldo, der 1996 und 1997 (zudem Ballon d’Or) als FIFA-Weltfußballer ausgezeichnet worden war, holte den verpassten WM-Titel vier Jahre später nach. Im Finale von Yokohama erzielte er beide Tore beim 2:0 der Brasilianer gegen die deutsche Nationalmannschaft.

    Ronaldo wurde zudem Torschützenkönig der Endrunde mit acht Treffern und im gleichen Jahr erneut mit dem Ballon d’Or geehrt.

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