Racing Club de Strasbourg Alsace v Crystal Palace FC - UEFA Conference League 2025/26 League Phase MD4Getty Images Sport

Racing Straßburg muss machen, was der große Bruder will! Chelseas Bossen könnte der Schwesternklub bei der Trainersuche angeblich "egaler nicht sein"

Das Jahr 2026 begann für die Fans des FC Chelsea mit einem Schock. Während sich ein Großteil der Blues-Anhänger noch den Silvester-Schlaf aus den Augen rieb, verkündeten die Londoner am Neujahrstag gegen Mittag die Entlassung von Cheftrainer Enzo Maresca.

Zwar hatten sich in den vorangegangenen Tagen die Gerüchte um ein bevorstehendes Aus des Italieners zunehmend gehäuft, aber dass der 45-Jährige wirklich würde gehen müssen, schien angesichts seiner Erfolge doch ein wenig surreal. Vor einem halben Jahr hatte er den Klub immerhin zum Triumph bei der aufgeblähten Klub-WM in den USA gecoacht. Noch Ende November hatte Marescas Team Tabellenführer Arsenal in Unterzahl ein Unentschieden (1:1) abgetrotzt und so einen Monat beendet, der Maresca den Titel als Premier-League-Trainer des Monats einbrachte.

  • Es folgte allerdings ein schwacher Dezember mit nur zwei Siegen aus acht Partien, zu wenig für Maresca, der sich obendrein immer wieder hinter den Kulissen mit der Vereinsführung angelegt haben soll. Unter dem Strich bleibt aber auch die Tatsache, dass sich der Job als Hauptübungsleiter bei Chelsea in der vergangenen Dekade zu einem echten Schleudersitz entwickelt hat. 

    Jose Mourinho war der bis dato letzte Trainer, der sich länger als zwei Spielzeiten in der englischen Hauptstadt halten konnte. Seit Ex-Eigentümer Roman Abramovich den Klub im Mai 2022 wegen Sanktionen im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine verkaufen musste, hat sich das Problem aber noch einmal verschärft.

    Unter der nun dreieinhalb Jahre andauernden Ägide der BlueCo Group von US-Milliardär Todd Boehly standen sechs verschiedene Coaches an der Seitenlinie der Londoner. Zuerst musste Thomas Tuchel gehen, auf den der ebenso unbeliebte wie glücklose Graham Potter folgte. Nach den Intermezzi von Bruno Saltor und Frank Lampard übernahm Mauricio Pochettino, der nach einem Jahr durch Maresca abgelöst wurde.

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  • Liam Rosenior (Mitte)Getty Images

    Liam Rosenior wird wohl neuer Cheftrainer bei Chelsea

    Nun suchen die Verantwortlichen schon wieder nach einem neuen starken Mann für den zweimaligen Champions-League-Sieger. Laut internationalen Medienberichten ist man bereits fündig geworden. Der Engländer Liam Rosenior soll es werden. Der ehemalige Premier-League-Spieler gilt als ehrgeizig, erwarb schon während seiner aktiven Zeit im Alter von 32 Jahren die UEFA-A-Lizenz, über dem nur noch das UEFA-Pro-Diplom steht, und hat ein gutes Händchen bei der Entwicklung junger Talente. Der entscheidende Faktor dürfte aber ein anderer sein.

    Denn Rosenior leitet aktuell (noch) die Geschicke von Racing Straßburg in der Ligue 1. Das ist deswegen wichtig, weil Chelsea-Eigentümer BlueCo seit 2023 gleichzeitig auch hundertprozentiger Gesellschafter der Elsässer ist. Seither gibt es rege und teils kuriose Transfer-Aktivitäten zwischen den beiden Vereinen, die wie besonders im Fall des bevorstehenden Wechsels des niederländischen Stürmers Emmanuel Emegha nach London auf heftige Kritik durch Teile der organisierten Straßburg-Fans stoßen.

    Die Entscheidung über das Wohl und Wehe des Tabellensiebten der Ligue 1 hat Straßburg offiziell zwar selbst in der Hand, aber es ist kaum vorstellbar, dass Präsident Marc Keller und Co. etwas anderes als "wie hoch?" fragen, wenn sie durch BlueCo zum Springen aufgefordert werden. Wenig überraschend sind die Gespräche laut L'Equipe bereits fortgeschritten. Passend dazu sprach Rosenior am Wochenende bereits in der Vergangenheitsform, als er unter anderem erklärte: "Es war ein Privileg, Trainer dieses Vereins zu sein."

  • Liam RoseniorGetty Images

    Chelsea: Rosenior-Wechsel dank Multi-Club-Ownership

    Verlässt Rosenior die Franzosen tatsächlich noch im Winter, würde der Fall zum vielleicht extremsten Beispiel für die Folgen des Multi-Club-Ownership-Phänomens, vor dem Ultra-Szenen in Deutschland spätestens seit dem Auftreten von RB Leipzig regelmäßig lautstark warnen. Ein Klub, der in seiner nationalen Liga voll im Kampf um das internationale Geschäft mitmischt, verliert seinen Trainer, weil der große Bruder das so will.

    Rosenior ist es dabei kaum vorzuwerfen, dass er die Gelegenheit nutzen möchte. Der ehemalige Assistent von Wayne Rooney bei Derby County hat bisher Hull City in der zweitklassigen englischen Championship und eben Straßburg als Cheftrainerstationen in seiner Vita stehen. Die Aussicht, plötzlich einen Champions-League-Verein aus der Premier League zu übernehmen, ist natürlich verlockend.

    Auch die Tatsache, dass Chelsea einen Abwerbungsversuch bei einem Trainerkandidaten startet, dessen Profil passt, ist nicht verwerflich, aber durch die Vernetzung mit Straßburg wird aus dem Wechselgesuch eben schnell der Transferbefehl. Es ist kein allzu großer Sprung, um da bei Wettbewerbsverzerrung zu landen - und sei es nur in der öffentlichen Wahrnehmung.

  • Straßburg könnte Boehly und Co. "egaler nicht sein"

    Aus Straßburger Sicht dürfte mindestens ein fader Beigeschmack zurückbleiben, auch wenn die Verantwortlichen sich der Risiken der Übernahme durch BlueCo bewusst gewesen sein müssen. Selbstverständlich hat der Einstieg der Amerikaner deutliche (vor allem finanzielle) Vorteile für den Verein gebracht. Doch mit Rosenior droht man jetzt, den Mann zu verlieren, der den Klub seit seiner Ankunft im Sommer 2024 aus dem unteren Tabellenmittelfeld in die erweiterte nationale Spitze geführt hat – und das während der Saison! 

    Unter "normalen" Umständen ein undenkbares Szenario, zumal man die Conference-League-Ligaphase ungeschlagen als Erster beendete und somit auf den größten Erfolg der Vereinsgeschichte im Europapokal schielt. Das Interesse der Team-Besitzer um Boehly soll dabei bestenfalls gering sein. Einem Bericht von L'Equipe zu Folge könnte es den BlueCo-Bossen "egaler nicht sein", wie es mit Straßburg weitergeht. Das Abschneiden von Chelsea genießt eben oberste Priorität.

    Eine Einstellung, die nicht einmal ansatzweise zu verantwortungsbewussten Eigentümern passt, die sich um die Entwicklung ihres Klubs sorgen, sondern eher wie das Verhalten eines Vorstandes wirkt, der den Trainer der U21 befördert, weil die erste Mannschaft kriselt. Wasser auf die Mühlen der Kritiker von Multi-Club-Ownership.

  • Liam Rosenior: Das Profil von Chelseas Kandidat

    Stationen als CheftrainerDerby County (interim), Hull City, RC Straßburg
    Punkteschnitt pro Spiel1,59
    Bevorzugte Formation3-4-2-1
    Vertrag bei Straßburg30.06.2028
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