Corentin Tolisso Lyon 2026Getty Images

Plötzlich wackelt sogar der Fabelrekord des FC Bayern aus dieser Saison! Ein ehemaliger Serienmeister meldet sich zurück

Mit 16 Pflichtspielsiegen in Folge hat der FC Bayern München zum Saisonstart eine überragende Serie hingelegt. Es gibt jedoch eine Mannschaft in Europa, die den Münchnern aktuell auf den Fersen ist – und der Name ist durchaus überraschend: Olympique Lyon feierte am vergangenen Wochenende mit einem 2:0-Erfolg gegen OGC Nizza den bereits 13. Sieg in Folge. Seit der 0:1-Niederlage beim FC Lorient am 7. Dezember reiht der einstige französische Serienmeister Erfolg an Erfolg.

Das Team von Trainer Paulo Fonseca hat in der Ligue 1 inzwischen Olympique Marseille und OSC Lille überflügelt und ist bis auf Champions-League-Qualifikationsrang drei geklettert. Teil der Erfolgsserie waren auch drei Siege in der Europa League, mit 21 von 24 möglichen Punkten schloss die Mannschaft die Ligaphase souverän als Tabellenerster ab. Aktuell schreibt OL ausschließlich positive Schlagzeilen - ganz anders als in der jüngeren Vergangenheit.

  • Eine aufsehenerregende Serie hatte Lyon zuletzt zu Beginn der Saison 2023/24 hingelegt – jedoch im negativen Sinn. Damals musste das Team um den zu diesem Zeitpunkt frisch vom FC Bayern zurückgekehrten Corentin Tolisso bis zum elften Spieltag auf den ersten Saisonsieg warten. Der einstige Spitzenklub steckte trotz namhafter Profis wie Tolisso oder Alexandre Lacazette lange im Abstiegskampf, schaffte erst in der zweiten Saisonhälfte unter dem bis dahin als Cheftrainer im Profibereich noch komplett unerfahrenen Pierre Sage – inzwischen bei Überraschungs-Tabellenführer RC Lens tätig – die Wende.

    In der vergangenen Spielzeit sah es dann erneut so aus, als schlitterte der frühere Liga-Dominator der Ligue 2 entgegen – diesmal aber nicht aus sportlichen Gründen. Wegen Verstößen gegen Finanzauflagen ordnete die Finanzaufsichtsbehörde DNCG den Zwangsabstieg an, erst dank eines erfolgreichen Berufungsverfahrens konnte das Horror-Szenario abgewendet werden. Allerdings erhielt der Klub strenge Auflagen, die Gehälter sollten reduziert, die Transferausgaben gesenkt werden. Spielmacher Rayan Cherki (Manchester City/36,5 Millionen Euro), Stürmer Georges Mikautadze (FC Villareal/31 Millionen), Torwart Lucas Perri (Leeds United/16 Millionen) oder der damalige Kapitän und Top-Torschütze Alexandre Lacazette (Neom SC, Saudi-Arabien/ablösefrei) mussten gehen. Präsident John Textor trat zurück, das Kommando übernahmen der lange für den FC Bayern tätige Generaldirektor Michael Gerlinger sowie die neue Präsidentin Michele Kang, die zuvor bereits bei Lyons erfolgreicher Frauenmannschaft eingestiegen war. 

    Die Vorzeichen waren vor Saisonbeginn eigentlich klar: Erst einmal die Finanzen sanieren, sportlich in der Phase des Übergangs einigermaßen ordentlich abschneiden.

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    Olympique Lyons Fans rühren Trainer Paulo Fonseca zu Tränen

    Doch aktuell sieht es danach aus, als würde OL die Erwartungen deutlich übertreffen. Es winkt sogar die erste CL-Teilnahme seit der Corona-Saison 2019/20, als das damalige Überraschungsteam beim Final-Turnier in Lissabon erst im Halbfinale am späteren Sieger FC Bayern scheiterte. Schon seit Saisonbeginn tritt die Mannschaft recht konstant auf, nun hat sie in den vergangenen Wochen noch einmal einen weiteren Schritt nach vorne gemacht.

    Allzu viel träumen möchte man trotz des Fabellaufs aber nicht: "Wir erleben aktuell eine gute Phase, aber wir müssen mit der gleichen Demut und der Fähigkeit, gemeinsam zu arbeiten, weitermachen", sagte Trainer Fonseca nach dem hart umkämpften Arbeitssieg gegen Nizza. Der Portugiese hatte zuvor einen besonderen Moment erlebt: Nachdem die Fans ein Spruchband mit den Worten "Bravo Fonseca" enthüllt und ihren Trainer lautstark gefordert hatten, feierte dieser mit einem Lyon-Schal in der Hand und Tränen in der Augen vor der Kurve. "Das war großartig und sehr bewegend. Ich danke den Fans sehr für diese Anerkennung, die für mich alles bedeutet", sagte er anschließend sichtlich gerührt.

  • Trainer Fonseca war wegen eines Ausrasters über ein halbes Jahr gesperrt

    Dass Fonseca überhaupt noch den Trainerposten innehat, ist keineswegs selbstverständlich. Denn als der ehemalige Milan- und Roma-Trainer vor gut einem Jahr den Trainerposten übernahm, erlebte er einen absoluten Horror-Start. Nur einen Monat nach Amtsantritt ging der 52-Jährige während eines Ligaspiels auf den Schiedsrichter los und durfte anschließend für über ein halbes Jahr nicht mehr an der Seitenlinie stehen. Dennoch hielt der Verein an ihm fest – und hat damit aus sportlicher Sicht offensichtlich alles richtig gemacht. Mit einem Punkteschnitt von 2,10 ist Fonseca der beste OL-Trainer seit dem 2020 verstorbenen Gerard Houllier, der das Team um Freistoßkünstler Juninho vor rund 20 Jahren coachte.

    Verlassen kann Fonseca sich in der Regel auf seinen Kapitän, der sich nach eigener Aussage in der besten Form seiner Karriere befindet. Der ehemalige Münchner Rekordeinkauf Tolisso (kostete den FCB 2017 41,5 Millionen Euro Ablöse) war auch beim 2:0-Sieg gegen Nizza wieder mal einer der Besten seines Teams, erzielte bei seinem Comeback nach kurzer Verletzungspause den wichtigen Führungstreffer und damit sein 50. Tor für seinen Heimatverein. "Ich denke, man hat gesehen, dass wir inzwischen eine gewisse Reife haben, und zwar alle Spieler", sagte der Führungsspieler anschließend.

    Schon im Herbst hatten viele Fans und Experten für eine Rückkehr des Weltmeisters von 2018 in die Nationalmannschaft plädiert, nach seinem Jubiläumstor forderte dies auch sein ehemaliger Teamkollege Lacazette via Instagram.

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    Nicht nur Endrick: Olympique Lyon hat einige Talente im Kader

    An der Seite von Routinier Tolisso befinden sich aber auch einige vielversprechende junge Spieler im Kader, der insgesamt eine interessante Mischung aufweist. Neben dem aktuell verletzten Linksaußen Malick Fofana wäre da etwa der englische Junioren-Nationalspieler Tyler Morton (23), von Jürgen Klopp einst als "ziemlich beeindruckender Fußballer" geadelt. Beim FC Liverpool hatte Morton Schwierigkeiten, sich im zentralen Mittelfeld durchzusetzen. Nachdem ihm in Lyon der Durchbruch gelungen ist (30 Spiele, zwei Tore, drei Assists), macht sich der U21-Europameister von 2025 nun sogar leise Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme.

    Auch der 25 Jahre alte Tscheche Pavel Sulc spielt eine starke Saison, der offensive Mittelfeldspieler hat in 30 Spielen bereits 13 Treffer erzielt und sieben vorbereitet, und der dänische Winter-Neuzugang Noah Nartey (20) machte mit zwei Treffern in seinen ersten drei Ligaspielen auf Anhieb von sich reden. Noch aufsehenerregender war der Start des Brasilianers Endrick, bei Real Madrid zuvor hauptsächlich auf der Ersatzbank gehockt hatte. Der 19-Jährige hatte nach seinem Leihwechsel im Januar keinerlei Anlaufschwierigkeiten, weist nach sechs Einsätzen bereits fünf Tore und eine Torvorlage auf.

  • Mit einem weiteren Sieg würde Olympique Lyon einen Vereinsrekord einstellen

    Den starken Lauf wollen der zuletzt wegen einer Rotsperre ausgefallene Endrick und seine Teamkollegen am Sonntag bei Racing Strasbourg fortsetzen. Schon jetzt ist Kapitän Tolisso begeistert. "Ich glaube, so etwas habe ich bisher nichtmal mit Bayern geschafft", sagt der Kapitän über die Siegesserie.

    Bereits mit einem weiteren Dreier würde das Überraschungsteam Geschichte schreiben. Denn 14-mal in Folge gewann OL bisher erst einmal, zwischen August und Oktober 2006 unter Trainer Houllier. "14 Siege zu schaffen wie das große Olympique Lyon der 2000er Jahre wäre für die ganze Mannschaft wirklich großartig und eine echte Belohnung", sagt Tolisso. Damals war die Mannschaft nicht nur Seriensieger, sondern auch Serienmeister, fuhr zwischen 2002 und 2008 sieben Meistertitel hintereinander ein. Davon ist das aktuelle Team noch ein Stück weit entfernt, und die Meisterschaft erscheint aktuell noch eine Nummer zu groß. Dennoch erscheinen die Vorzeichen aktuell klar: Der abgestürzte Riese ist auf dem Weg zurück nach oben.

  • Die Tabellenspitze der Ligue 1

    PlatzKlubSpieleTorverhältnisPunkte
    1RC Lens2242:1752
    2PSG2249:1951
    3Olympique Lyon2236:2045
    4Olympique Marseille2248:2940
    5OSC Lille2235:3134
    6Stade Rennes2234:3534
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