"Ich glaube, ich hatte in meiner Karriere nicht immer das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Oft war ich in Klubs, die gerade keine stabile Phase hatten", sagte Wouter Burger Anfang November, als er mit den Vereinsmedien der TSG 1899 Hoffenheim sprach.
Getty ImagesNur zwei Stars des FC Bayern haben mehr Assists! Ein Schnäppchen ist einer der formstärksten Bundesligaspieler und darf von der WM träumen
Wenige Wochen zuvor war der defensive Mittelfeldspieler zu den Kraichgauern gewechselt, läppische vier Millionen Euro überwies der Verein an den englischen Zweitligisten Stoke City. Burger wechselte also erneut zu einem Klub, der keine stabile Phase hatte. Schließlich schloss Hoffenheim die Vorsaison nach reichlich Turbulenzen auf Platz 15 ab, mit nur drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz.
Doch heute lässt sich längst festhalten: Der 24-Jährige hat riesigen Anteil daran, dass die TSG ein komplett anderes Team als im Vorjahr ist. Hoffenheim spielt die beste Saison seit 2017/18, als man Dritter wurde - auf demselben Platz steht die Mannschaft von Trainer Christian Ilzer aktuell.
Das liegt nicht nur an Burger. Auch die zahlreichen anderen Transfers wie etwa Vladimir Coufal, Tim Lemperle, Leon Avdullahu, Bernardo oder Leih-Rückkehrer Fisnik Asllani schlugen für kleines Geld voll ein und avancierten im Nu zu Leistungsträgern.
Getty Images SportWouter Burger hat die drittmeisten Vorlagen der Bundesliga
Bester Scorer des Teams ist aber nicht ein Andrej Kramaric oder ein Asllani, die beiden Führenden der internen Torschützenliste (sieben Treffer), sondern Burger. Bei vier Toren und acht Vorlagen liegt der Niederländer derzeit nach 17 Partien. In den beiden Pokalspielen steuerte er einen Treffer sowie einen Assist bei. Übertroffen werden diese Werte in der Bundesliga nur von zwei richtigen - und teuren - Offensiv-Stars: Michael Olise (17 Vorlagen) und Luis Diaz (10) vom FC Bayern.
"Dass es so gut wird, habe ich auch nicht erwartet. Ich bin sehr froh, dass wir eine so gute Mannschaft haben, dass wir jeden Tag so viel Spaß haben", sagte Burger. "Wir haben einfach Spaß daran, als Team Fußball zu spielen. Christian Ilzer motiviert uns hervorragend, er gibt klare Anweisungen, und es macht großen Spaß, unter ihm zu spielen."
Burger kam als Ersatz für den für 20 Millionen Euro zu Leeds United abgewanderten Anton Stach. Ab November drehte er richtig auf, vier Tore und sieben Vorlagen verbuchte er seitdem. Prompt war er einer von sechs Nominierten für den Bundesligaspieler des Monats.
Getty Images SportWouter Burger: "Ich war oft auf den Listen der Klubs, aber nie ganz oben"
Burger begab sich schon früh in seiner Karriere aus der Komfortzone, derzeit befindet er sich auf dem Höhepunkt seiner bisherigen Entwicklung. Ausgebildet wurde er in Rotterdam bei Feyenoord, ganz in der Nähe seines Heimatdorfs Zuid-Beijerland. Doch auch die beiden Leihen zu den anderen Rotterdamer Klubs Sparta und Excelsior verhalfen ihm nicht zum Durchbruch im De Kuip. 16 Partien absolvierte er für Feyenoord nur.
Mit 20 zog es ihn daher zum FC Basel in die Schweiz, der nur 700.000 Euro für Burger zahlen musste. Der Klub war damals Tabellenführer und Burger in seinen zwei Jahren auch Stammspieler. Dann jedoch entstand früh durch die Umstrukturierungsmaßnahmen von Vereinsbesitzer David Degen große Unruhe, Basel wechselte in Burgers Zeit viermal den Trainer.
"Ich hatte nach zwei Jahren das Gefühl, dass ich bereit war für den nächsten Schritt", begründete er seinen Wechsel 2023 in die zweite englische Liga. "Aber das Feedback von Erstligaklubs war oft: 'Er ist gut, aber vielleicht fehlt noch ein kleines Stück.' Ich war oft auf den Listen der Klubs, aber nie ganz oben. Deshalb entschied ich mich für einen Wechsel in die Championship, viele junge Spieler machen dort gute Schritte."
Getty Images SportWouter Burger: Der beste zentrale Mittelfeldspieler der Liga?
Dort holte sich Burger den Schliff als physisch wie defensiv starker Box-to-Box-Spieler, der eine hohe Intensität gehen kann. Auch wenn er in Stoke nur Platz 17 und 18 erreichte: Jeweils 39 Saisonspiele in der knüppelharten Liga machten ihn körperlich bereit für den nächsten Schritt. "Mein Gedanke war: Wenn ich zeigen will, dass ich bereit für die Top-Ligen bin, brauche ich noch diesen Zwischenschritt. Es hat sich ausgezahlt, daher bereue ich diesen Schritt auch nicht", sagte er.
Der Linksfüßer hat in Hoffenheim, anders als beispielsweise der aus der Championship zum BVB gewechselte Jobe Bellingham, das höhere Niveau der Liga sofort bravourös angenommen. "Ich habe mich noch nie so schnell so wohl in einer Mannschaft gefühlt wie hier. Ich habe in kurzer Zeit richtig gute Verbindungen aufgebaut, schon echte Freunde gefunden", sagte er. Im Schnitt rennt Burger 11,5 Kilometer pro Spiel, bei der gesamten Laufdistanz liegt er ligaweit auf Rang 17.
Burger besticht mit einer hervorragenden Arbeitsmoral gegen den Ball. Dank seiner Größe von 1,91 Metern gewinnt er überdurchschnittlich viele Kopfballduelle. In Ballbesitz ist er ein versierter Passgeber und taucht durch seine intensiven Läufe immer wieder im torgefährlichen Bereich auf. Momentan ist Burger der womöglich beste zentrale Mittelfeldspieler der Bundesliga - daran ändert auch seine reichlich unglückliche Rote Karte (zwei Spiele Sperre) zuletzt gegen Bremen nichts.
Getty Images SportHoffenheim spielt das intensivste Pressing in Europa
Sicher dagegen ist, dass Hoffenheim auch dank ihm das intensivste Pressing in Europa spielt. Gemessen an Pressingaktionen pro Minute ohne Ballbesitz liegt Ilzers Team in den fünf europäischen Top-Ligen von den Klubs, die in der oberen Tabellenhälfte platziert sind, ganz vorne. Ilzer lässt hoch und aggressiv Mann gegen Mann pressen, auch das Verteidigen in tieferen Zonen gelingt der TSG gut.
Ob diese Spielweise die Hoffenheimer in dieser Saison in die Champions League führen wird, ist aktuell ebenso unklar wie Burgers Perspektive in der niederländischen Nationalelf. Von der U15 bis zur U21 durchlief er alle Nachwuchsteams der Elftal, 2018 holte er mit der U17 den EM-Titel.
Für eine Nominierung für die A-Mannschaft reichte es dagegen noch nicht. Doch macht der "Burger-King", wie ihn die Bild nach dem zweiten Doppelpack seiner Karriere beim Spiel in Wolfsburg taufte, so weiter, dürfte ein Anruf von Bondscoach Ronald Koeman nur noch eine Frage der Zeit sein.
Wouter Burger: Seine Karriere im Überblick
- 2018-2021: Feyenoord Rotterdam
- 2020: Excelsior Rotterdam (Leihe)
- 2020-2021: Sparta Rotterdam (Leihe)
- 2021-2023: FC Basel
- 2023-2025: Stoke City
- seit 2025: TSG 1899 Hoffenheim

