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Nur sieben Einsätze und harte Vorwürfe: Ein großes Missverständnis könnte für den FC Bayern doch noch versöhnlich enden

Vier Klubs in knapp zwei Jahren. Drei Leihen. Sieben Pflichtspiele für den FC Bayern. Und ein Vertrag, der offiziell noch bis 2029 läuft, sportlich aber längst keine Rolle mehr spielt. Die Karriere von Bryan Zaragoza ist seit seinem Wechsel nach München eine Abfolge aus Neustarts geworden – eine Odyssee, die exemplarisch zeigt, wie selbst großes Talent im falschen Moment am falschen Ort ins Leere laufen kann.

Seit einigen Tagen steht der Spanier bei der AS Rom unter Vertrag. Es ist seine vierte Station seit dem Bayern-Wechsel – und möglicherweise die erste, bei der er wirklich ankommen darf. 

  • Der Weg dorthin war von falschen Erwartungen und fehlender Integration geprägt. Zaragoza stammt nicht aus einer klassischen Talentschmiede: kein Leistungszentrum, keine spanischen Junioren-Nationalteams, kein geradliniger Weg an die Spitze. Stattdessen kämpfte der mittlerweile 24-Jährige sich über unterklassige Ligen nach oben, bis er beim FC Granada explodierte. Er führte den Klub zum Aufstieg in LaLiga, überzeugte dort mit Tempo, Mut und Unberechenbarkeit – sechs Tore, zwei Vorlagen, konstante Gefahr im Eins-gegen-Eins.

    Das weckte Begehrlichkeiten. Neben dem FC Bayern soll auch der FC Barcelona Interesse gezeigt haben. Die Münchner schlugen zu, investierten 15 bis 17 Millionen Euro und planten eine schrittweise Integration im Sommer 2024.

    Dieser Plan wurde jedoch schon nach wenigen Wochen verworfen.

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  • FC Bayern München v VfL Wolfsburg - BundesligaGetty Images Sport

    Warum Bayern den Zaragoza-Transfer vorzog

    Der Winter 2024 brachte Verletzungssorgen. Kingsley Coman und Serge Gnabry fielen aus, der Druck wuchs. Der FC Bayern zog den Zaragoza-Transfer vor - ein Schritt, der sportlich logisch wirkte, strukturell aber kaum vorbereitet war. Der Neuzugang kam mitten in der Saison, ohne Sprachkenntnisse, ohne Eingewöhnung, ohne Zeit.

    Der damalige Trainer Thomas Tuchel formulierte das Problem offen: "Bryan fehlt in erster Linie einfach die Sprache. Es ist schwer auf Englisch und Deutsch, das ist ein elementarer Bestandteil."

    Was folgte, war ein klassisches Missverhältnis zwischen Erwartung und Realität. Zaragoza kam auf sieben Pflichtspiele, stand nur einmal in der Startelf, blieb ohne Torbeteiligung. Statt Vertrauen gab es Zurückhaltung. Statt Aufbau sofortige Leistungsanforderung. Sportlich war Zaragoza Randfigur – menschlich fühlte er sich isoliert. Besonders brisant: Berichte über fehlenden Kontakt zwischen Trainer und Spieler. Der Flügelspieler bestätigte später selbst: "Mit mir hat er jedenfalls kein Wort gesprochen, nicht mal 'Hallo' gesagt."

    Tuchel wies die Vorwürfe zurück und verwies auf seinen Assistenten als zentralen Ansprechpartner. Unabhängig von der Lesart offenbarte der Fall jedoch ein strukturelles Defizit: Ein junger Spieler ohne Sprachkenntnisse, ohne soziales Umfeld und ohne direkten Draht zum Cheftrainer sollte in einem Hochleistungsbetrieb sofort funktionieren. Das ist kein individuelles Scheitern, sondern ein Systemfehler.

  • Trotz Trainerwechsels: Keine zweite Chance für Zaragoza in München

    Nach dem Saisonende 2023/24 war Zaragozas Bayern-Kapitel faktisch beendet. Obwohl Tuchel den Klub verließ, änderte sich für den Spanier nichts. Er gehörte nicht mehr zum Kader, bekam keine neue Chance, sondern wurde verliehen – zurück nach Spanien zu CA Osasuna.

    Dort stabilisierte er sich zunächst. Spielpraxis, Selbstvertrauen, Nationalmannschaft. In der Nations League wurde er im Oktober 2024 gegen die Schweiz zum Matchwinner – und konterte die frühere Sprachdebatte öffentlich: "Fußball wird mit den Füßen gespielt, nicht mit der Sprache. Mehr muss ich dazu nicht sagen."

    Doch auch diese Phase war nicht frei von Rückschlägen. Ein Mittelfußbruch und eine Muskelverletzung raubten ihm den Rhythmus. Die Chance auf nachhaltige Entwicklung verpuffte erneut. Im Sommer 2025 kehrte Zaragoza nach München zurück – zumindest formal. Sportlich spielte er auch unter Vincent Kompany keine Rolle. Stattdessen folgte die nächste Leihe, diesmal zu Celta Vigo. Dort kam er zwar auf 26 Pflichtspiele, erzielte zwei Tore und bereitete vier weitere vor, pendelte aber zwischen Startelf und Jokerrolle.

    Celta hatte unter bestimmten Bedingungen sogar eine Kaufverpflichtung, doch Zaragoza suchte im Winter eine neue Option. Als sich die AS Rom meldete, fiel die Entscheidung sofort: "Es ging alles ganz schnell: Von einem Tag auf den anderen hieß es, ein Wechsel zur Roma sei möglich, und ich habe keine Sekunde gezögert."

  • Bryan ZaragozaGetty Images

    Ein Neuanfang in Italien: Zaragoza und die Serie A

    Der Wechsel nach Rom entwickelte sich hinter den Kulissen zu einem der kompliziertesten Deadline-Day-Deals. Drei Klubs waren involviert, Bayern bestand auf finanzieller Beteiligung, Rom übernahm Gehalt, Leihgebühren und akzeptierte laut Bild-Informationen eine Kaufoption über 13,5 Millionen Euro, die sich bei sportlichem Erfolg in eine Pflicht verwandeln kann.

    Wirtschaftlich ist das für den FC Bayern sauber. Sportlich zeigt es jedoch: Der Klub hatte Zaragoza längst abgeschrieben. Bryan Zaragoza war kein klassischer Fehlkauf. Er war ein Transfer zur falschen Zeit, unter falschen Voraussetzungen. Der vorgezogene Wechsel, fehlende Integration, mangelnde Kommunikation und permanenter Leistungsdruck trafen auf einen jungen Spieler, der Zeit für seine Entwicklung gebraucht hätte.

    Der Flügelspieler selbst brachte es später auf den Punkt: "Es ist nicht so, dass ich eine so schlechte Zeit hatte, sondern dass sie mir viele Dinge versprochen haben, die nicht eingehalten wurden."

    Der FC Bayern handelte rational, aber distanziert. Anstatt den Spanier zu integrieren, wurde er verliehen. In Rom will Zaragoza nun mehr als nur funktionieren. Er will ankommen - sportlich und menschlich. Die Serie A reizt ihn, die Stadt, die Fans. "Ich komme mit dem großen Wunsch, alles kennenzulernen und lange hierzubleiben."

    Ob diese Station das Ende seiner Odyssee markiert, bleibt offen. Sicher ist nur: Der Fall Bryan Zaragoza wird beim FC Bayern als Mahnung bleiben – dafür, dass Talent allein nicht reicht, wenn Timing, Kommunikation und Struktur fehlen.

  • Bryan Zaragoza: Seine bisherigen Vereine in der Übersicht

    VereinZeitraumEinsätze
    FC Granada2022 bis 202458 (11 Tore)
    FC Bayern Münchenseit Februar 2024 unter Vertrag7 (0 Tore)
    CA OsasunaLeihe 2024/2528 (1 Tor)
    Celta VigoLeihe Juli 2025 bis Februar 202626 (2 Tore)
    AS RomLeihe seit Februar 2026-
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