James Trafford Burnely 2025Getty Images

Nur 9 Gegentore in 34 Spielen! Wenn es bei Vincent Kompanys ehemaligem Klub so weiter geht, muss eine Legende ihr Comeback geben

9 Gegentore in 34 Spielen: Das ist die irre Quote vom FC Burnley in der EFL Championship. Das Team von Scott Parker hat seit Dezember kein Tor mehr in der Liga kassiert und mischt dadurch im Rennen um den Aufstieg in die Premier League mit. In der Vergangenheit sah das noch ganz anders aus.

Sogar ein ehemaliger NFL-Star hat mittlerweile die Sorge, wieder spielen zu müssen. Wie kam es dazu?

  • Kompany-BurnleyGetty

    Unter Kompany vom Überroll-Kommando zur Schießbude der Premier League

    In der Saison 21/22 stieg der FC Burnley nach langjähriger Premier-League-Zugehörigkeit ab. Die Verantwortlichen wollten so schnell wie möglich zurück in die höchste Spielklasse - und gingen bei der Trainer-Wahl den mutigen Weg. Vincent Kompany, der vor allem durch seine Zeit als Spieler bei Manchester City auf der Insel bekannt wurde, sollte die Mission Wiederaufstieg angehen, galt aber nach nur einer Trainer-Station als sehr unerfahren.

    Doch nach einem eher durchwachsenen Saisonstart ging die Rechnung auf. Burnley spielte unter Kompany einen ansehnlichen Offensiv-Fußball und ließ den meisten Mannschaften damit keine Chance, auch nur irgendetwas zu holen. Schon damals hatten die Clarets einige Zu-Null-Spiele, was aber eher daran lag, dass viele Gegner mit dem Offensiv-Konzept Kompanys völlig überfordert waren. Am Ende der Saison stand der Klub bei unglaublichen 87 Toren, so vielen wie seit den erfolgreichen 1960ern nicht mehr. Mit 101 Punkten gehörte man zudem zu den besten Aufstiegsmannschaften, die es je gab. Gute Voraussetzungen also für die Premier League, oder?

    Nicht wirklich, denn der Offensiv-Fußball von Kompany führte gegen die qualitativ deutlich hochwertigeren Kader in der Premier League zu dem genauen Gegenteil. Man kassierte satte 78 Gegentreffer und stieg mit 24 Punkten sang- und klanglos ab. Oft wurde Kompany vor allem dafür kritisiert, dass er nur einen Plan A habe. Nach dem Abstieg folgte der spektakuläre Kompany-Wechsel zu den Bayern - und Burnley musste sich überlegen, wer die Mission Wiederaufstieg angehen sollte.

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  • Burnley FC v Swansea City AFC - Sky Bet ChampionshipGetty Images Sport

    Scott Parker formt Burnley zum Bollwerk

    Die Wahl fiel auf den ehemaligen Premier-League-Profi Scott Parker, der einen völlig anderen Ansatz als sein Vorgänger wählte. Ein klares 4-2-3-1 mit einem extrem defensiven Ansatz sollte den FC Burnley wieder in die Erfolgsspur bringen. Parker setzte dabei vor allem auf junge und athletische Verteidiger. Auch Keeper James Trafford, der 2023 von der U21 von Manchester City kam, ist erst 22 Jahre alt. Und das Konzept des Trainers ging vollends auf. Mit sage und schreibe neun Gegentoren in 34 Spielen stellt man die mit Abstand beste Defensive. Das sucht europaweit in den großen Nationen seinesgleichen! Nur 78 Torschüsse ließen die Clarets zu, Spitzenreiter Leeds ist mit 68 Torschüssen knapp besser.

    Burnley hätte statistisch betrachtet zehn Gegentore mehr bekommen müssen. Das zeigt, wie effizient das Team von Parker im Defensiv- und Torwartspiel ist. Klingt eigentlich nach Stats, die zum Aufstieg reichen müssten. Einen kleinen Haken gibt es allerdings. Denn Burnley liegt mit nur 43 geschossenen Toren im Durchschnitt der Liga und spielte schon 14 Mal Unentschieden. Zu wenig, um vor Leeds und Sheffield zu stehen. Trotzdem befindet sich der Klub mit nur vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Leeds in einer sehr guten Ausgangsposition für den Saison-Endspurt.

    Auf Zweitliga-Rekordkurs ist die Defensive schon jetzt. Mit 25 weißen Westen liegt man nur noch eine hinter Rekordhalter Sunderland aus der Saison 95/96. Der gesamtenglische Rekord liegt übrigens bei 30 Saisonspielen ohne Tor - aufgestellt von Port Vale in der Saison 53/54.

  • JJ Watt Burnley 2023-24GOAL/Getty

    Bereut Investor J.J. Watt seine Wette mit James Trafford?

    Seit 2023 ist bei Burnley übrigens jemand mit an Bord, den man eher aus einer anderen Sportart kennt, der aber die Defensive genauso liebt wie Scott Parker: NFL-Legende J.J. Watt. Der ehemalige Pro Bowler und Defensive End der Houston Texans investiert gemeinsam mit seiner Frau Kelia Watt, die damals Profi-Fußballerin in Houston war, seit 2023 in den Klub.

    Nach dem Boxing Day kontaktierte Burnley-Keeper Trafford Watt und legte ihm eine Rückkehr in die NFL nahe, allerdings zu seinem Lieblingsteam, den Cincinnati Bengals. Watt antwortete, dass er in die NFL zurückkehren würde, wenn Trafford kein Gegentor mehr kassieren würde. Das war der Beginn einer unglaublichen Serie. Mittlerweile hat Burnley seit zwölf Spielen kein Gegentor mehr kassiert und Watt macht sich so langsam Gedanken, ob der doch nochmal auf die Jagd nach Quarterbacks gehen muss.

    Am Ende wird Trafford die Wette aber nicht ganz so wichtig sein, sollte Burnley wirklich den Aufstieg schaffen. Denn während der Zu-Null-Serie hieß das Endergebnis sechsmal 0:0 - zu wenig, wenn man direkt aufsteigen will. Es ist beeindruckend, was Parker aus der löchrigen Defensive gemacht hat und trotzdem kann diese historische Saison erst bewertet werden, wenn sie beendet ist. Denn sollte der Aufstieg verpasst werden, dann gilt der Ansatz "Defense wins Championships" nicht für den FC Burnley.

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