Samuel Mbangula Werder 2026IMAGO / Noah Wedel

Nicht nur Victor Boniface: Auch bei Werders teuerstem Deal lag Clemens Fritz bislang falsch

Dass sie immer im Zusammenhang mit ihrer Ablösesumme genannt werden, wenn es mal nicht wie erwartet oder erhofft läuft, ist das sportliche Schicksal von Top-Fußballern. Bei Werder Bremen ist das auch der Fall. Zehn Millionen Euro hat er gekostet und ist damit der zweitteuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte. Und außerdem kam er im Sommer noch von Juventus Turin, einem der Top-Klubs Europas. Doch Samuel Mbangula hat Probleme in Bremen und kann meist nicht überzeugen – genau wie das komplette Team in dieser Saison. 

  • Sein Start bei Werder verlief dabei noch stark: Am dritten Spieltag erzielte er per Traumtor den ersten Treffer beim 4:0 in Gladbach. Gegen St. Pauli und Wolfsburg folgten von ihm jeweils die Siegtore – aber dann setzte der mittlerweile geschasste Trainer Horst Steffen nicht mehr auf den 22 Jahre alten Belgier. Der Auftritt beim 1:1 im Rückspiel gegen die Fohlen war am Wochenende erst der zweite Startelf-Einsatz in den letzten knapp drei Monaten für Mbangula. 

    Warum der Coach auf einen der großen Hoffnungsträger trotz der anhaltenden sportlichen Krise verzichtete, machte er während seiner Pressekonferenzen deutlich: "Intensität ist immer wieder ein Thema", erklärte Steffen, als er auf die Reservistenrolle Mbangulas angesprochen wurde. "In der Defensive darf er auch mitarbeiten", ergänzte er. 

    Steffen setzte lange Zeit bei gegnerischem Ballbesitz auf eine Fünferkette, die der Schienenspieler auffüllen musste, um die Abwehr zu stabilisieren – doch die Defensivaufgaben auf seiner Seite waren nicht das, was Mbangula als gelernter Linksaußen gerne übernahm. 

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  • VICTOR BONIFACE WERDER BREMENGetty Images

    Auch die Boniface-Leihe wird zum Reinfall

    Dribbelstark, mit viel Tempo und einem ordentlichen Abschluss ausgestattet: So hatte Mbangula die Werder-Verantwortlichen davon überzeugt, viel Geld aus Bremer Sicht für ihn auf den Verhandlungstisch zu legen. Dass Juventus ihn loswerden wollte, fiel bei an der Weser eher unter diesen Verhandlungstisch. Nun ist Mbangula da – aber Steffen eben seit dieser Woche nicht mehr. Ob der neue Werder-Trainer Daniel Thioune mehr Erfolg hat, dürfte auch davon abhängen, ob er ein System findet, in dem Mbangula seine Stärken einbringen kann und in dem seine Schwächen nicht so stark zum Vorschein kommen. 

    Denn der Neuzugang ist ein klarer Flügelspieler – aber Werder fehlt überdeutlich ein Mittelstürmer. Und das schon seit dem Sommer, als Marvin Ducksch nach England weiterziehen durfte. Der Abschied des Leistungsträgers (17 Scorerpunkte in der letzten Bundesliga-Saison) war vom Verein gewollt und zeichnete sich über Monate ab – und doch reagierten die Werder-Verantwortlichen auf dem Transfermarkt spät: Sie holten Victor Boniface per Leihe aus Leverkusen und hofften darauf, den Meisterstürmer der Werkself an Land gezogen zu haben und nicht den Angreifer, der bei Milan aufgrund von Knieproblemen durch den Medizincheck gefallen war. Die Hoffnungen zerplatzten spätestens im November, als Werder mitteilen musste, dass Boniface am Knie operiert und deshalb in dieser Saison nicht mehr für das Team auflaufen wird. 

  • Clemens FritzGetty Images

    Sportchef Clemens Fritz für Werder-Fans der Schuldige

    Der bislang enttäuschende und teure Mbangula-Transfer, der Boniface-Reinfall und dazu noch eine Leih-Regelung, die ihm nicht bekannt war und auf die ihn erst ein Internet-Portal aufmerksam machen musste: Vor allem Bremens Sportchef Clemens Fritz wird von den Fans für die sportliche Misere, den Absturz auf Tabellenplatz 15, verantwortlich gemacht. "Fritz verleihen", schrieben die Werder-Anhänger im Heimspiel gegen Frankfurt – vielleicht noch mit einem kleinen Augenzwinkern – auf einem Transparent. Doch inzwischen haben auch sie die Geduld mit dem Ex-Spieler verloren und eine Petition für seinen Rauswurf gestartet

    Die Trennung von Steffen kam kurz vor dem Ende der Transferperiode zur denkbar schlechtesten Zeit, denn mögliche Nachverpflichtungen konnten nicht abgestimmt werden – denn es gibt noch keinen Nachfolger auf der Trainerbank. "Es passiert nichts mehr!", tickerte das Werder-Fanportal Deichstube am Montag – und das las sich trotz des Ausrufezeichens eher traurig. Kein Mittelstürmer wechselte an die Weser, kein Innenverteidiger, der die allesamt verletzten Amos Pieper, Niklas Stark und Maximilian Wöber kurzfristig vertreten kann. 

  • Werder, das mittlerweile seit zehn Spielen in der Liga sieglos ist, muss den Abwärtstrend mit dem Kader aus der Hinrunde stoppen. Mit einem neuen Trainer – und mit Samuel Mbangula, der dann nicht nur mit seiner Ablösesumme Schlagzeilen macht. 

    "Um ehrlich zu sein, mag ich es nicht, im Rampenlicht zu stehen", hatte er bei seiner Vorstellung den Journalisten gesagt. Doch die werden ihn so lange "den zweitteuersten Neuzugang der Klub-Geschichte" nennen, wie es sportlich bei ihm und bei Werder nicht läuft.

  • SAMUEL MBANGULA WERDER BREMENGetty Images

    Die Zahlen von Samuel Mbangula in der laufenden Saison:

    Spiele18
    Spielminuten855
    Tore3
    Assists4
0