Haaland's bid to take Norway to first World Cup in 28 yearsGetty/GOAL

Kommt es zur 27 Jahre verspätetet Rache an Italien? Erling Haaland kann Norwegen zur ersten Teilnahme an einer Weltmeisterschaft seit seiner Geburt führen

Haaland wurde am 21. Juli 2000 geboren - und hat noch nie erlebt, dass sich sein Heimatland Norwegen für eine WM-Endrunde qualifizierte. 1998 in Frankreich nahmen die Skandinavier zuletzt an dem Turnier teil - sein Vater Alf Inge, einst ebenfalls Profi von Manchester City, gehörte nur 1994 in den USA zum Kader.

Sein Sohn Erling könnte es ihm 32 Jahre später in den USA, Mexiko und Kanada gleichtun: Nach sechs Spieltagen steht er mit Norwegen an der Tabellenspitze der Gruppe I, drei Zähler vor Italien. Am Donnerstag empfängt Norwegen ab 18:00 Uhr Estland - und schon mit einem 1:0-Sieg hätte man das WM-Ticket praktisch sicher. Denn es zählt nicht etwa zuerst der direkte Vergleich, sondern die Tordifferenz. Und bei dieser hat Norwegen vor dem 9. Spieltag einen Vorsprung von 16 Treffern. Haaland selbst steuerte zur exzellenten Ausgangslage bisher zwölf von 29 Toren in sechs Spielen bei. 

Haaland steht kurz vor dem Erreichen des "größten Ziels seiner Karriere".

  • Alfie Erling 2Getty

    Erling will seinen Vater auch bei einer WM übertrumpfen

    Haaland hat eine sehr enge Beziehung zu seinem Vater Alfie - aber auch eine gesunde Rivalität zu ihm. "Er hat mich nie zu irgendetwas gedrängt, aber er wusste schon früh, dass ich gut im Fußball werden wollte", sagte Erling dem Time Magazine. "Ich habe vor langer Zeit gesagt: 'Hoffentlich werde ich besser als du.' Das war für mich seit meiner Kindheit eine Motivation, vom Fußball zu leben und besser als er zu werden."

    Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Erling bereits eine weitaus beeindruckendere Karriere hinter sich hat als Alfie, der in seiner 20-jährigen Profikarriere keinen einzigen großen Titel gewann. Erling hingegen hat bereits neun Titel gewonnen, darunter die Champions League, die Premier League und den DFB-Pokal - sowie den goldenen Schuh Europas 2022/23.

    Aber Alfie kann sich einer Sache rühmen, die sein Sohn (noch) nicht erreicht hat: Er hat an einer Weltmeisterschaft teilgenommen. Vater Alf-Inge war Teil der norwegischen Mannschaft, die sich für die Weltmeisterschaft 1994 in den USA qualifizierte und dort in der Vorrunde ausschied. Sohn Erling will seinem Vater nun unbedingt nachahmen und 2026 an dem Turnier in den USA, Mexiko und Kanada teilnehmen - damit sein Vater auch in dieser Hinsicht nicht mehr über ihm steht.

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  • Norway ItalyGetty

    Haaland: "Es wäre die größte Party aller Zeiten"

    1994 war für Norwegen und Alf-Inge trotz vier Punkten nach der Gruppenphase Schluss, ein einziges Tor hatte zur nächsten Etappe gefehlt. Vier Jahre später, 1998 in Frankreich, schaffte es Alf-Inge dann nicht mehr in den Kader - die Skandinavier schlugen damals den amtierenden Weltmeister Brasilien am 3. Gruppenspieltag und kamen ins Achtelfinale. Die Selecao hatte sich da bereits als Sieger der Gruppe A für die K.-o.-Runde qualifiziert, dennoch trat man mit einer All-Star-Mannschaft um Cafu, Roberto Carlos, Rivaldo und den damals besten Spieler der Welt, Ronaldo, an. Norwegen geriet in der 79. Minute in Rückstand, schaffte aber innerhalb von fünf Minuten die unglaubliche Wende und holte sich dank der Treffer von Tore Andre Flo und einem Elfmeter von Kjetil Rekdal in der 89. Minute einen 2:1-Sieg.

    Norwegen unterlag anschließend Italien im Achtelfinale mit 0:1 - 27 Jahre später könnte man sich nun an den Azzurri dafür rächen. "Wenn wir uns für die Weltmeisterschaft qualifizieren würden, wäre das so, als würde eine andere große Nation den Titel holen", blickte Haaland positiv voraus. "Es wäre die größte Party aller Zeiten. Die Szenen in Oslo wären unglaublich."

  • Haaland SolbakkenGetty

    Ex-Köln-Trainer Solbakken sorgte für Sieg gegen Italien

    Norwegen erlebte im Juni 2025 mit dem 3:0-Sieg gegen Italien bereits eine der größten Partys aller Zeiten. Während des gesamten Spiels regnete es in Strömen, doch die Fans blieben noch lange nach dem Abpfiff im Ullevaal-Stadion und feierten die Spieler in ihren Ponchos. "Die Leute wollten nicht nach Hause gehen", sagte Trainer Stale Solbakken, der 2011/12 den 1. FC Köln trainierte. "Sie waren schon lange vor dem Spiel da und blieben auch lange nach dem Spiel." Der 57-Jährige stand 1998 selbst auf dem Feld und stellt für die aktuellen Spieler, von denen die meisten damals noch nicht geboren waren, eine Verbindung zur Vergangenheit dar: "Wir sind es leid, darüber zu reden, also müssen wir uns auf ein neues Turnier konzentrieren. Es ist 25 Jahre her, seit wir das letzte Mal bei einem großen Turnier dabei waren (bei der EM 2000), also wird es langsam Zeit."

    An das Jahr 2000 blickt Sobakken jedoch nicht gerne zurück. Während eines Trainings mit dem FC Kopenhagen im Jahr 2000 brach er zusammen und erlitt einen Herzinfarkt, sein Herz hörte fast sieben Minuten lang auf zu schlagen, er fiel für 30 Stunden ins Koma. "Er war klinisch tot", sagte der Vereinsarzt, der ihn wiederbelebte. "Es ist ein Wunder, dass er noch lebt."

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  • TOPSHOT-FBL-WC-2026-QUALIFIERS-NOR-ITAAFP

    "Er denkt zuerst an die Mannschaft und dann an sich selbst"

    Solbakken beendete deshalb im Alter von 30 Jahren seine Karriere und begann 2002 mit 34 Jahren als Trainer zu arbeiten. Er gewann mit Kopenhagen in zwei Amtszeiten insgesamt acht Meistertitel, bevor er 2020 norwegischer Nationaltrainer wurde. Dort kann er auf eine unglaubliche Generation von Spielern zurückgreifen, angeführt von Weltstar Haaland und Mittelfeld-Ass Martin Ödegaard, der derzeit verletzt ist. Außerdem im Kader stehen Haalands City-Teamkollege Oscar Bobb, Atletico Madrids Stürmer Alexander Sörloth, RB Leipzigs Flügelspieler Antonio Nusa, Fulhams Mittelfeldspieler Sander Berge und Borussia Dortmunds Außenverteidiger Julian Ryerson.

    "Offensiv haben wir jetzt Spieler mit dem gewissen Etwas. Wir haben das Gefühl, dass wir immer ein Tor schießen können", erklärte Solbakken. "Als Team sind wir auch defensiv viel solider geworden. Wir haben eine bessere Mischung. Die Stimmung war schon immer gut, aber jetzt, wo wir so gut abgeschnitten haben, ist sie noch besser." Solbakken betonte zudem, dass der Weltstar "leicht zu trainieren" sei. "Er ist sehr bodenständig, was seine Bereitschaft angeht, auch defensiv mitzuarbeiten", fügte er hinzu. "Er denkt zuerst an die Mannschaft und dann an sich selbst. Man sieht, dass er sich über die Tore anderer Spieler genauso freut wie über seine eigenen. Er ist sich bewusst, dass er ein Führungsspieler ist, und kümmert sich sehr gut um seine Teamkollegen. Die anderen Spieler wissen, dass Erling unser größter Matchwinner ist und dass wir dafür sorgen müssen, dass er an den richtigen Stellen steht, damit er Tore schießen und gefährlich sein kann."

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    Warum Italien nur noch Mini-Chancen auf die direkte Qualifikation hat

    Haaland unterstrich im September beim 11:1-Kantersieg gegen Moldawien, dass er bereit ist, alles für das große Ziel zu geben: Der 25-Jährige erzielte in der Partie fünf Treffer und schnappte sich nach seinen Toren den Ball schnellstmöglich aus dem Netz, um ein weiteres nachzulegen. Anstatt sich im nächsten Spiel auf den Lorbeeren auszuruhen, zeigte Norwegen gegen Israel die gleiche Unerbittlichkeit. Nach einem verschossenem Elfmeter ließ der Starstürmer beim 5:0-Sieg einen Hattrick folgen. 

    Italien hingegen zeigte sich gegen Israel (5:4 und 3:0) nicht ganz so dominant, gegen Moldawien gewann man nur mit 2:0. Am Donnerstag treffen die Azzurri ab 20:45 Uhr erneut auf die Moldawier. Doch schon vor Anpfiff könnte feststehen, dass man nur über die Play-offs eine Chance auf das WM-Ticket erhält - schlicht und einfach aufgrund einer deutlich schlechteren Tordifferenz.

  • FBL-WC-2026-EUR-QUALIFIER-NOR-ISRAFP

    Haaland: "Das ist das Hauptziel meiner Karriere"

    Nach acht von zehn Spieltagen thront Norwegen also vor Italien an der Tabellenspitze - mit einem Abstand von drei Punkten und 16 Toren (zur Tabelle). Das norwegische Statistikamt hat sich sogar eingeschaltet und errechnet, dass man bei einem Sieg gegen Estland am Donnerstag ab 18:00 Uhr eine 99,9-prozentige Wahrscheinlichkeit hat, sich direkt für die WM-Endrunde zu qualifizieren. Am Sonntag steht dann noch das direkte Duell im San Siro an - das Italien aktuell mit acht Toren Unterschied für sich entscheiden müsste, um das WM-Ticket direkt zu buchen.

    Haaland ist sich der Bedeutung der nächsten beiden Spiele für Norwegen voll bewusst und weiß, wie er sein Land als Haupttorschütze zu seiner vierten Weltmeisterschaft führen kann: "Die letzte Weltmeisterschaft war 1998, zwei Jahre bevor ich geboren wurde, daher sage ich schon seit langem: Mein Ziel ist es, Norwegen zur Weltmeisterschaft und zur Europameisterschaft zu führen. Das ist das Hauptziel meiner Karriere, und jetzt habe ich eine gute Chance, es zu erreichen. Es geht also darum, die Chancen zu nutzen."

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