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Ist eine lange Suche endlich vorbei? Lamine Yamal steht vor einer schicksalhaften Aufgabe

Im kollektiven Gedächtnis des Fußballs gibt es Daten, die niemals verblassen. Für spanische Fußballfans ist der 11. Juli 2010 in Johannesburg so ein Datum. Es ist die Nacht, in der sich für das ganze Land ein lange gehegter Traum erfüllte. La Roja, so oft frustriert und frustrierend, so oft angezweifelt, krönte sich nach dem Final-Sieg über die Niederlande zum Weltmeister. Endlich.

Es war ein Triumph des Talents, aber auch der Überzeugung. Es war die Bestätigung der schon lange zuvor gehegten Annahme, dass diese Generation von Spielern dazu bestimmt war, Geschichte zu schreiben.

Der Treffer von Andres Iniesta in der Verlängerung gegen die Elftal war dabei viel mehr als nur ein Tor. Er war ein Symbol. In diesem Moment war der Mann aus La Mancha nicht mehr nur ein hervorragender Fußballer, sondern er wurde zum Gesicht einer goldenen Generation. Iker Casillas mit seinen Händen, Carles Puyol mit seiner Führungsstärke, Xavi mit seiner Intelligenz und David Villa mit seinen Toren bildeten eine perfekte Fußballmaschine. Aber es war Iniesta, der diese Mannschaft unsterblich machte.

Die Klasse von 2010 stand für den Höhepunkt eines langen Prozesses. Unter Luis Aragones hatte Spanien schon die EM 2008 im Finale gegen das von Michael Ballack angeführte Deutschland mit einer klaren Idee erobert: Mit dem Ball verteidigen. Den Gegner durch Ballbesitz zermürben und geduldig auf den richtigen Moment zum Zuschlagen warten. Spaniens Tiki-Taka eroberte die Welt. Vicente del Bosque gelang es dann bei der WM in Südafrika, diesen Stil fortzuführen. Das Ergebnis war eine glorreicher Ära mit drei aufeinanderfolgenden Turniersiegen. Auf den WM-Titel folgte noch der dominante Triumph bei der EM 2012 gegen Italien.

Über die Trophäen hinaus blieb vor allem die Identität dieses Teams in Erinnerung. Spanien bewies, dass man gewinnen und dominieren kann, ohne die Schönheit des Spiels aufzugeben. Dass man die Welt mit einer ästhetischen und effektiven Philosophie begeistern kann.

  • Iniesta WMGetty Images

    Xavi und Iniesta prägen das Tiki-Taka und erobern mit Spanien die Fußballwelt

    Die spanische Nationalmannschaft, die in Südafrika gewann, war unverwechselbar. Und dabei ging es nicht um Namen, sondern um eine Identität: Tiki-Taka. Eine mächtige Waffe und das Aushängeschild dieser Generation.

    Im Mittelpunkt stand Xavi Hernandez. Der Katalane war der Dirigent des Orchesters. Seine Pässe, sein Spielverständnis und seine Fähigkeit, den Ball zu bewegen, waren der Motor der Mannschaft. Iniesta an seiner Seite sorgte gleichzeitig für Unberechenbarkeit, Ruhe und Magie. Zusammen entwickelten sie einen Fußballstil, der die Welt dominierte.

    Aber die Mannschaft bestand nicht nur aus ihrem Mittelfeld. Im Tor stand Casillas, der in entscheidenden Momenten wie der Glanztat gegen den frei auf ihn zustürmenden Arjen Robben im Finale zur Stelle war. Außerdem war da noch Puyol, der mit seinem Charakter beeindruckte und in jedem Spiel Führungsqualitäten ausstrahlte. Im Halbfinale gegen die begeisternden Deutschen war er es, der per Kopf die Tür zum Endspiel öffnete. Im Angriff sorgte David Villa für die Tore, die hartnäckige Abwehrreihen knackten.

    Jeder hatte eine bestimmte Rolle und alle Spieler ergänzten sich mit ihren Stärken. Es war keine Gruppe von verstreuten Stars, sondern ein fein abgestimmter Mechanismus. Tatsächlich war einer der bemerkenswertesten Aspekte der Mannschaft, wie Spieler, die in ihren Vereinen absolute Leistungsträger waren, Nebenrollen akzeptierten, um das Kollektiv zu stärken. Cesc Fabregas etwa, wurde von der Zeit als "edelster Edeljoker" betitetel, der viermal eingewechselt wurde. Diese Selbstlosigkeit war einer der Schlüssel zum Erfolg.

    Iniestas Einfluss auf diese Mannschaft ging derweil weit über sein Tor im Finale hinaus. Er verkörperte die perfekte Synthese des spanischen Stils: technische Finesse, taktische Intelligenz und die Fähigkeit, in entscheidenden Momenten zu glänzen. Er war nicht der medienwirksamste oder auffälligste Spieler, aber er war der einflussreichste. Wenn Spanien Klarheit brauchte, war Iniesta zur Stelle. Wenn eine dichte Abwehr durchbrochen werden musste, fand Iniesta einen Weg. Und als die Weltmeisterschaft in der Verlängerung entschieden werden musste, war es Iniesta, der den entscheidenden Treffer erzielte.

    Wenn heute von Lamine Yamal als Nachfolger in dieser Rolle als "symbolische Figur" die Rede ist, sind Vergleiche mit Iniesta daher unvermeidlich. Denn abgesehen von ihrem unterschiedlichen Stil - der eine war ein analytischer Mittelfeldspieler, der andere ein elektrisierender Flügelspieler - verbindet sie die Fähigkeit, zum Gesicht einer Generation zu werden. 2010 war Spanien Iniesta, 2026 soll es Yamal sein.

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  • Lamine Yamal Barcelona Super Cup 2026Getty

    Lamine Yamal: Ein Phänomen, das schon in Jugendjahren glänzt

    Die spanische Mannschaft, die sich auf die Weltmeisterschaft 2026 vorbereitet, ist nicht mehr dieselbe wie damals in Südafrika. Die Zeiten, die Gegner und sogar die Erwartungen haben sich geändert. Dennoch hat diese Mannschaft etwas Vertrautes an sich: eine junge, talentierte Gruppe, die hungrig nach Erfolg ist. Eine Mannschaft, die sich auf den Ball als ihr wichtigstes Werkzeug verlässt, um zu dominieren. Und eine Persönlichkeit, die dazu bestimmt ist, ihr Leitstern zu sein.

    Lamine Yamal ist der große Name dieses Teams. Mit nur 18 Jahren hat er sich als einer der vielversprechendsten Spieler des FC Barcelonas und Europas etabliert. Sein Spiel vereint Schnelligkeit, Dribbling, Kreativität und eine überraschende Reife. Nur wenige Fußballer in seinem Alter haben eine solche Fähigkeit gezeigt, in großen Spielen zu glänzen. Yamal ist anders - und er weiß das.

    Am auffälligsten ist jedoch, wie er spielt. Nämlich so, als spüre er die Last der Erwartungen nicht. Er hat Spaß, geht Risiken ein, wagt das Unerwartete.

    Was Iniesta 2010 als Symbol für einen Stil verkörperte, repräsentiert Yamal nun aus einer anderen Perspektive, nämlich der jugendlichen Frische, die mit Konventionen bricht. Spanien spielt nicht mehr mit der gleichen Geduld wie früher, sondern sucht nun mehr Vertikalität, mehr Überraschung, und genau hier macht Yamal den Unterschied. Er kann nahe der Linie den Ball annehmen, Verteidiger ausspielen und aus dem Nichts eine Chance kreieren. Er kann mit einem Dribbling oder einem unerwarteten Pass ein Tor quasi erfinden.

    Auch das Team um ihn herum ist voller Talente. Pedri und Gavi im Mittelfeld sind direkte Erben von Xavi und Iniesta, wenn auch mit ihren eigenen Charakteristiken. Rodri, einer der besten defensiven Mittelfeldspieler der Welt, sorgt für Ausgewogenheit. In der Verteidigung steht etwa Pau Cubarsí für Verlässlichkeit und Solidität. Und im Angriff sorgen Spieler wie Nico Williams oder eben Yamal für Breite und Geschwindigkeit. Spanien hat wieder eine Generation für die Gegenwart und die Zukunft. Aber innerhalb dieses Reichtums ist Yamal der Funke. Der Spieler, der bei einer Weltmeisterschaft den Unterschied ausmachen kann.

    Spanien kommt dennoch nicht als unangefochtener Favorit zur WM, sondern lediglich als ernstzunehmender Anwärter. Und das mit derselben Prämisse wie 2010: Vertrauen in die Identität, Setzen auf kollektives Talent und Warten auf die Magie seines symbolträchtigen Spielers, wenn es darauf ankommt.

  • Yamal Nico WilliamsGetty Images

    Spanien bei der WM 2026: Vermächtnis und Zukunft

    Die Geschichte des Fußballs ist voller Zyklen. Generationen entstehen, erobern und weichen anderen. Die spanische Mannschaft von 2010 markierte einen Wendepunkt. Sie veränderte die Sichtweise auf das Spiel und inspirierte Trainer und Spieler auf der ganzen Welt. 

    Yamal verkörpert die Kontinuität dieses Erbes, aber auch den Beginn eines neuen Kapitels. Es geht nicht darum, 2010 zu kopieren, sondern es neu zu interpretieren. Damals stand die spanische Mannschaft für den Höhepunkt einer Idee - den Ball in das Zentrum des Spiels zu nehmen. Heute steht die Mannschaft für den Beginn einer neuen Idee. Es ist ein Konzept, in dem Technik nach wie vor unerlässlich ist, aber Vertikalität, Geschwindigkeit und Improvisation eine zentrale Rolle spielen.

    Sollte Spanien bei der Weltmeisterschaft 2026 weit kommen, dann deshalb, weil es gelungen ist, diese beiden Seelen zu vereinen: das Erbe des Positionsspiels von Xavi und Iniesta mit der Energie von Yamal und Co. 

    Doch auch die Zukunft steht auf dem Spiel. Wenn Yamal 2026 bestätigt, was er heute bereits verspricht, könnte er zum Anführer einer neuen Ära werden. Wie Iniesta zu seiner Zeit könnte er ein Vermächtnis hinterlassen, das diejenigen inspiriert, die nach ihm kommen. Spanien hat die Chance, ein Modell zu festigen, das der Nationalmannschaft eigen ist, die stets kollektives Talent mit einer Persönlichkeit verbindet, die eine ganze Generation symbolisiert.

    Im Jahr 2010 war es Iniesta. Im Jahr 2026 könnte es Yamal sein. Und wenn das geschieht, wird der Fußball eine weitere Geschichte zu erzählen haben.

    Die kommende WM bietet die Chance, Yamal als Galionsfigur zu etablieren, die Spanien in den kommenden Jahren anführen soll. Mit 18 Jahren hat er noch Zeit, zu wachsen, zu lernen und zu führen. Seine Anpassungsfähigkeit, sein natürliches Talent und sein Temperament machen ihn zum idealen Spieler, um die Verantwortung zu übernehmen und eine Generation zu verkörpern.

    Iniesta war das Gesicht seiner Generation; Yamal kann das Gesicht seiner sein. Und wenn er Erfolg hat, wird er nicht nur die Geschichte des Turniers prägen, sondern auch die Kontinuität eines Stils und eines Erbes festigen, das noch Jahre Bestand haben könnte.

    Die Geschichte scheint sich zu wiederholen, aber mit neuen Mitteln. La Roja hat die Chance zu zeigen, dass Spanien weiterhin eine Hauptrolle im Weltfußball spielt, dass Qualität und Talent nie verblassen und dass jede Generation Helden hervorbringen kann, die Millionen inspirieren.

    Yamal ist nicht nur ein Spieler, er ist ein Symbol der Hoffnung, der Funke, der eine neue Ära prägen kann.

  • Spanien bei der WM 2026: Spielplan und Termine

    1. Spieltag: 15. Juni 2026, 18 Uhr gegen Kap Verde
    2. Spieltag: 21. Juni 2026, 18 Uhr gegen Saudi-Arabien
    3. Spieltag: 27. Juni 2026, 2 Uhr gegen Uruguay
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