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Interessante Aussagen von Christoph Freund! Beim FC Bayern München bahnt sich ein Transfer-Umdenken an

Zwölf Millionen Euro überwies der FC Bayern im Januar 2008 für einen gewissen Breno Vinicius Rodrigues Borges an den FC Sao Paulo. Der damals 18-jährige Brasilianer galt als eines der größten Innenverteidiger-Talente der Welt. Europaweit wurde er umworben, der Wechsel nach München als großer Coup gefeiert.

Auch aufgrund anhaltender Verletzungsprobleme setzte sich Breno beim FC Bayern aber nie durch und geriet gleichzeitig in einen psychischen Abwärtsstrudel. Unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss zündete er schließlich sein Haus im Münchner Nobelvorort Grünwald an.

Breno musste ins Gefängnis und Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, verkündete: "Wir werden keinen jungen Spieler aus Südamerika mehr holen, das hat keinen Sinn." Unmittelbar vor Breno waren der Argentinier José Ernesto Sosa (22 beim Wechsel) und der Paraguayer Julio dos Santos (22) in München gescheitert.

  • FC Bayern: Kooperation mit Racing de Montevideo

    17 Jahre später deutet sich beim FC Bayern ein Umdenken an, wie Sportdirektor Christoph Freund bestätigt. Ob künftig wieder südamerikanische Talente verpflichtet werden? "Das würde ich nicht ausschließen", erwidert Freund im Interview mit SPOX. "Aber solche Transfers müssen gut vorbereitet werden. Da braucht es einen genauen Plan, wie man den Spieler an die deutsche Kultur und Sprache heranführt."

    Teil des Plans ist die im Dezember 2023 abgeschlossene Kooperation mit Racing de Montevideo. Der uruguayische Erstligist (aktuell Tabellendritter) gehört genau wie die Gambinos Stars Africa aus Gambia zum Joint Venture "Red&Gold Football", das der FC Bayern gemeinsam mit dem US-amerikanischen MLS-Klub Los Angeles FC betreibt.

    "Eine Kooperation und ein vertrauensvolles Verhältnis zu Leuten vor Ort ermöglichen vorab einen besseren Zugang zu Informationen", erklärt Freund. "Wenn man eine Woche nach Südamerika fliegt, ein Spiel sieht und den Spieler einmal trifft, bekommt man nicht so viele Hintergründe." Racing dient also einerseits als südamerikanische Informationsquelle. Andererseits könnten vielversprechende Talente aus der Region den Klub als Zwischenschritt auf dem Weg nach München nutzen.

    Bayern-Sportdirektor Freund kennt ein derartiges Konzept von seinem ehemaligen Arbeitgeber Red Bull Salzburg. Über die RB-Niederlassung in Brasilien kamen beispielsweise Bernardo und André Ramalho nach Salzburg, ehe sie später nach Leipzig und Leverkusen weiterzogen und in großen Ligen Karriere machten.

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  • Hoeneß, Santa CruzImago

    FC Bayern: Gute Erfahrungen mit Santa Cruz und Demichelis

    Vor dos Santos, Sosa und Breno machte übrigens auch der FC Bayern schon gute Erfahrungen mit Neuzugängen direkt aus Südamerika. Ohne Kulturschock ging es aber selten - und zwar in beide Richtungen.

    Uli Hoeneß enthüllte neulich die wilden Verhandlungen in Paraguay 1999 wegen des Transfers von Roque Santa Cruz. Inklusive Koks und Pumpguns. Hoeneß kehrte heil nach München zurück und nahm sich dann der Integration des jungen Stürmers höchstpersönlich an. "Er war wie ein Vater für mich", berichtete Santa Cruz später bei Sport1, zeitweise residierte er sogar in Hoeneß' Wohnung.

    Trotz Verletzungsproblemen entwickelte sich Santa Cruz zu einem langjährigen Fixposten beim FC Bayern. Genau wie später auch Verteidiger Martin Demichelis. Zunächst war der Argentinier von Deutschland aber ähnlich überfordert wie Hoeneß von Paraguay. "Als ich zum ersten Mal in München gelandet bin, war es sechs Uhr früh - und ich habe am Flughafen eine ungefähr 70-jährige Dame gesehen, die eine Weißwurst gegessen und ein Bier getrunken hat", erzählte Demichelis im Interview mit SPOX. "Ich konnte das nicht nachvollziehen."

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