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Icons 1994: Eine tödliche Tragödie und der größte Skandal der WM-Geschichte - Die Weltmeisterschaft in den USA markiert einen Wendepunkt

Die WM 1994 markierte einen Moment, in dem sich im Fußball - oder Soccer - alles veränderte: Hier trafen globale Leidenschaft und US-amerikanisches Showbusiness aufeinander, und zwei Sportkulturen begannen zu verschmelzen.

Es sollte die Geburtsstunde des Fußballs in Amerika werden. Vor 1994 war die Weltmeisterschaft immer in Fußballnationen ausgetragen worden. An Orten, wo sie dieses Spiel wirklich kannten, es annahmen, lebten und liebten. Fußball war bis dahin noch ein Sport, der nie über seine vertrauten Grenzen hinausging und selten in Bereiche vordrang, die traditionell nicht zu ihm gehörten. Das Turnier in den USA änderte das.

Der Rest der Welt mag das in Frage gestellt haben. Ein Teil Fußball-Europas lehnte das Turnier aus Prinzip ab. Es gab so viele Dinge, die sich an einer Weltmeisterschaft in Amerika "falsch" anfühlten. Aber wenn man auf die letzten Jahrzehnte zurückblickt und kurz vor der nächsten Weltmeisterschaft in Amerika steht, wird klar, dass so vieles richtig war am Turnier von 1994.

Denn mit 30 Jahren Abstand betrachtet, war es die erste wirklich moderne Weltmeisterschaft, an die wir uns heute voller Nostalgie erinnern. 1994 war ein Wendepunkt, an dem der "Football" den "Soccer” umarmte und zwei getrennte Kulturen vollständig verschmolzen. Bis heute ist es die meistbesuchte Weltmeisterschaft in der Geschichte des Wettbewerbs. Zu dieser Zeit war es auch die finanziell erfolgreichste. 

Sie brachte eine Profiliga in den Vereinigten Staaten hervor und förderte eine Generation von Fußballfans. Millionen von ihnen lieben seitdem diesen Sport. Ohne das Turnier von 1994 gäbe es keine Major League Soccer, keine National Women's Soccer League und keine der anderen nationalen Ligen in den USA.

Ohne sie wäre die Fußballkultur in Nordamerika sicherlich weniger etabliert. Ohne sie gäbe es keine Nordamerikanische Weltmeisterschaft 2026, die gemeinsam von Kanada, Mexiko und den USA ausgerichtet wird und deren Spiele überwiegend in elf amerikanischen Städten stattfinden.

Bei dem Turnier von 1994 ging es sowohl um Wirkung als auch um Unterhaltung – wie bei allen Weltmeisterschaften. Aber dieses Turnier fühlte sich noch einmal positiver an. Und natürlich gewann Brasilien. 

Diese Folge ist Teil von "Icons" – einem Podcast von GOAL zur WM. Folg uns auf einem Streamingportal deiner Wahl, um keine Folge zu verpassen. 

  • WM 1994 in den USA mit acht Jahren Verspätung: Radikale Ideen von Vierteln und größeren Toren

    Die Aussicht auf eine Weltmeisterschaft in Amerika war nicht unbedingt etwas Neues. Die USA hatten sich ursprünglich um die Ausrichtung der WM 1986 beworben und dabei ein ausgeklügeltes Konzept vorgelegt, um sich den Zuschlag zu sichern. Unter Nutzung des Einflusses der NASL – der ersten professionellen Fußballliga in den USA, die von 1968 bis 1984 in verschiedenen Bundesstaaten existierte – stellte der Verband ein Gremium aus Legenden zusammen, um das größte Turnier der Welt nach Amerika zu holen.

    Pele und Franz Beckenbauer standen 1982 auf der Bühne und warben für eine WM in den USA. Doch das Gremium agierte womöglich zu radikal mit ihren doch recht befremdlichen Ideen. So wurde beispielsweise vorgeschlagen , dass mit größeren Toren gespielt werden sollte oder das Spiel sogar in Viertel aufgeteilt werden sollte, um mehr Werbezeit verkaufen zu können. Das ging jedoch den Wahlberechtigten zu weit und wurde letztendlich abgelehnt, sodass Mexiko das Turnier 1986 ausrichtete.

    Sechs Jahre später meldete sich die USA jedoch zurück und präsentierte sich weitaus besser gerüstet. Die Entscheidung fiel passenderweise am Nationalfeiertag, dem 4. Juli 1988, und erforderte nur eine Abstimmungsrunde im FIFA-Exekutivkomitee. Allerdings gab es einige Auflagen. Die USA, so wurde beschlossen, mussten sich zur Förderung des Sports verpflichten.

    Das bedeutete unter anderem, dass die USA endlich wieder eine professionelle Fußballliga gründen sollten, die NASL existierte da schon nicht mehr. Fußball sollte in den Vereinigten Staaten GROß werden. Nicht nur vor und während, sondern auch nach dem Ende des Turniers. Und tatsächlich: Zwei Jahre nach Abschluss des Turniers nahm die MLS ihren Spielbetrieb auf.

    Hilfreich war auch, dass die USA als führende Industrie- und Sportnation über eine ausreichend zuverlässige Infrastruktur verfügten. Brasilien und Marokko reichten ebenfalls interessante Bewerbungen ein. Sie hatten jedoch einige klare Nachteile, vor allem in Bezug auf die Spielstätten. Brasilien hätte laut FIFA einige seiner Stadien renovieren, Marokko sollte sogar neun neue Stadien bauen. 

    Die USA, mit ihren riesigen NFL-Stadien im ganzen Land, benötigten "nur" 500 Millionen Dollar, um alles für die WM auf Vordermann zu bringen.

    Hinzu kam, dass sich die USA bereits zehn Jahre zuvor mit den Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles als Gastgeber eines Weltereignisses hervorgetan hatten. Und so bekamen die USA den Zuschlag und wie bei fast jeder Weltmeisterschaft brachte auch das Turnier in den USA einige Änderungen mit sich.

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  • WM 1994 in den USA: Neue Regeln, neue Traditionen

    Während 2018 in Russland beispielsweise zum ersten Mal der Videobeweis (VAR) eingesetzt wurde, waren die USA der Schauplatz der ersten WM, bei der die nicht gänzlich neue Rückpassregel umgesetzt wurde. Es war die erste Weltmeisterschaft, bei der Torhüter ihre Hände nicht mehr benutzen durften, wenn ihnen der Ball zurückgespielt wurde. Die Idee dahinter war natürlich, dass das Spiel flüssiger werden und die Mannschaften gezwungen sein würden, anzugreifen. Infolgedessen stieg die Anzahl der Tore pro Spiel.

    Die FIFA nahm weitere Änderungen vor. So wurden erstmals drei Punkte für einen Sieg vergeben, zuvor waren es zwei. Die Mannschaften sollten motiviert werden, auf einen Sieg zu drängen. Das Ergebnis war jedoch nicht ganz so durchschlagend. Brasilien erzielte auf dem Weg zum Titel in sieben Spielen nur elf Tore, aber die neue Regel machte die Gruppenphase spannender, insbesondere da sich auch die vier besten Drittplatzierten der sechs Vorrundengruppen für die K.o.-Phase qualifizierten.

    Zur Freude der Fernsehsender wurden zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft zudem die Namen der Spieler auf den Rücken ihrer Trikots gedruckt. 

  • Maradona auswärtsGetty Images

    WM 1994: Eine Frage des Stils

    Fußballnostalgie ist eine gefährliche Sache. In der Welt des modernen Sports neigen wir dazu, alte Dinge zu glorifizieren: Trikots, Shorts, Frisuren, sogar Schuhe. Heutzutage fühlt sich alles wie ein Rückgriff auf die Vergangenheit an, ein Bezugspunkt für etwas anderes. Natürlich muss es für alles eine ursprüngliche Version geben. Und die Weltmeisterschaft 1994 erschuf zum Beispiel ikonische Trikots. 

    Es war ein Turnier der Gestaltungsfreiheit und der damit verbundenen Ausdruckskraft auf dem Spielfeld. Das hat zu einer Reihe von klassischen Looks geführt. Es begann mit den Trikots der Torhüter – mit allen möglichen verrückten Farben und seltsamen Kombinationen, die über die Jahre gut gealtert sind. Und auch andere Vorlagen haben überlebt.

    Das berühmte "Denim-Trikot" des US-Teams, das oft mit dem rothaarigen Alexi Lalas in Verbindung gebracht wird, gilt als Kultklassiker.

    "Alles, was ich mir wünsche und alles, was ich von einem Trikot erwarte, ist das Heimtrikot von 1994", sagte Lalas in seinem Podcast State of the Union. "Ich glaube nicht, dass es jemals ein inspirierenderes amerikanisches Trikot gegeben hat, egal um welche Sportart es sich handelt. Es war mit Sternen und Streifen, rot, weiß und blau, und man wusste genau, wer auf dem Feld stand. Es hat sich zu etwas Größerem entwickelt, als es damals war."

    Das tiefe Blau Italiens wurde immer wieder neu interpretiert - auch wenn italienische Nationaltrikots natürlich schon vor 1994 in diesem "azzurro" waren. Auch Brasilien hat sich gut geschlagen und eine der besseren Versionen seiner ikonischen Samba-Farbgebung in der Teamgeschichte herausgebracht. Nigeria gewann die Gruppe D und sah dabei sehr stilvoll aus.

    Das Auswärtstrikot Argentiniens mit den drei Streifen auf der rechten Schulter hat sich behauptet (nicht zuletzt wegen seiner Verbindung zu einem ikonischen Bild von Diego Maradona).

  • Diego Maradona bei der WM 1994 im Fokus: Auf Wiedersehen, Legende!

    Aber gerade Argentinien befand sich vor der WM 1994 in einer seltsamen Lage. Einerseits musste man das Team mit Blick auf die vergangenen Turniere einfach als Titelkandidat auf dem Zettel haben. Diego Maradona hatte die Albiceleste 1986 zum Titel geführt, vier Jahre später scheiterte man erst im Finale gegen Deutschland denkbar knapp. 

    Und dennoch war es eine seltsame Zeit für den ewigen WM-Mitfavoriten. Maradona spielte seit fast drei Jahren nicht mehr in der Nationalmannschaft. Und dafür gab es tatsächlich gute Gründe. Denn eigentlich hätte seine Karriere 1992 vorbei sein müssen. Maradona wurde 1991 nach einem positiven Drogentest für 15 Monate gesperrt. Zu diesem Zeitpunkt war er 32 Jahre alt, übergewichtig, nicht fit. Eigentlich war es zu Ende.

    Doch ein Engagement bei den Newell's Old Boys in Argentinien reichte aus, um zu zeigen, dass er noch immer Fußball spielen konnte, und die Öffentlichkeit forderte lautstark seine Rückkehr in die Nationalmannschaft. Bis 1993 wurde der Druck so groß, dass der Fußballverband ihn nicht mehr ignorieren konnte. Argentinien musste sich in einer Playoff-Runde qualifizieren, und Maradona war maßgeblich am Sieg in beiden Spielen gegen Australien beteiligt.

    Also stand er 1994 im Kader - und sorgte für einen der größten Skandale der WM-Geschichte. Maradona wurde nach dem zweiten Spiel der Gruppenphase für einen Dopingtest ausgewählt -  und fiel durch! Die FIFA schloss ihn vom Turnier aus, Maradona spielte nie wieder auf hohem Niveau Fußball. Berühmt ist sein Ausspruch, dass der Weltfußballverband ihm "die Beine abgesägt" habe.

    Die WM 1994 war das traurige Ende einer legendären und großen Karriere. Doch Maradonas tiefer Fall war bei weitem nicht die traurigste Geschichte, die dieses Turnier schrieb.

  • Andres EscobarGetty Images

    Mord wegen Eigentor: Die Tragödie um Andres Escobar

    Die Teilnahme Kolumbiens an der Weltmeisterschaft 1994 war gelinde gesagt umstritten. Ihre Ankunft in den Vereinigten Staaten war mit Gerüchten verbunden, dass Drogenkartelle hinter den Kulissen die Fäden zogen, Wetten auf Spiele platzierten und sogar die Mannschaftsaufstellung diktierten. 

    Und als ein Spieler kurzfristig aus dem Kader gestrichen wurde, kamen die Verschwörungstheoretiker voll auf ihre Kosten. Dabei war die Mannschaft so talentiert, wie es zuvor nie eine kolumbianische Mannschaft gewesen war. Das Team um Carlos Valderrama galt als Geheimfavorit. 

    Doch die Mannschaft brachte ihre Qualität nicht auf den Rasen. Im Auftaktspiel gegen Rumänien im Rose Bowl Stadium musste sie eine schockierende 1:3-Niederlage hinnehmen. Um in die K.o.-Runde zu kommen, musste Kolumbien gegen die Vereinigten Staaten mindestens ein Unentschieden erzielen, idealerweise einen Sieg.

    Doch dies misslang. Die Gastgeber gewannen das Spiel mit 2:1, wobei Andres Escobar ein verhängnisvolles Eigentor unterlief, das den Amerikanern den Sieg bescherte. Kolumbien gewann zwar das dritte Spiel, flog aber dennoch raus. 

    "Wir müssen nach Siegen tapfer sein, aber nach Niederlagen noch viel mehr ... Aber bitte, lasst den Respekt bestehen", sagte Escobar in einem Interview nach der Niederlage.

    Doch das Ganze endete in der größten anzunehmenden Tragödie. Es folgte eines der größten Verbrechen im Fußball. Escobar wurde gewarnt, dass er wegen der Wut des von Pablo Escobar geführten Medellin-Kartells nicht nach Kolumbien zurückkehren sollte. Er ignorierte diesen Rat und wurde fünf Tage nach seiner Ankunft vor einem Nachtclub in Medellin ermordet.

  • Team USA 1994Getty Images

    WM 1994: Team USA rehabilitiert sich für Debakel

    Es mag die Pflicht jedes Gastgeberlandes sein, bei der Weltmeisterschaft eine gute Leistung zu zeigen und 1994 hat die amerikanische Nationalmannschaft ihre Pflicht durchaus erfüllt. Die USA waren 1990 in der Gruppenphase deklassiert worden. Vor heimischem Publikum und mit einer deutlich besseren Mannschaft zeigte sie sich jedoch deutlich verbessert. 

    Die USA starteten mit einem hart umkämpften 1:1 gegen die Schweiz in das Turnier, wobei Eric Wynalda den Ausgleichstreffer erzielte. Es folgten der bereits angesprochene und am Ende tragische 2:1-Sieg gegen Kolumbien und eine 0:1-Pleite gegen Gruppensieger Rumänien. Das reichte, um als einer der vier besten Gruppendritten weiterzukommen.

    "Wir wussten, dass wir Außenseiter sein würden, egal gegen wen wir spielen würden", sagte Alexi Lalas in der Retrospektive und sollte recht behalten. Der große Außenseiter traf im Achtelfinale letzlich auf den großen Titelfavoriten. 

    Es ging gegen Brasilien, den späteren Weltmeister. Am Unabhängigkeitstag. Ein Spiel, das bis heute auf seine Art glorifiziert wird. Denn am Ende unterlagen die US-Boys "nur" 0:1. 

    In Wirklichkeit aber fuhr die Selecao einen nie gefährdeten souveränen Sieg gegen die USA ein. Ganz ohne Drama ging es jedoch nicht. Leonardo wurde wegen eines Ellbogenchecks gegen Ramos vom Platz gestellt, was den USA theoretisch die Chance gab, das Spiel zu drehen. Aber die Brasilianer waren einfach cleverer und begnügten sich damit, pragmatisch zu spielen. Auch Lalas gab später zu, dass es kein besonders spannendes Spiel war.

    "Selbst mit zehn Mann waren sie einfach besser als wir", erinnerte er sich. "Sie hatten die Erfahrung, professionell und auf hohem Niveau zu spielen. Sie waren clever und athletisch und dennoch sehr talentiert."

    Trotz des Ausscheidens hinterließ die US-Mannschaft von 1994 ein großes Vermächtnis. Sie waren technisch nicht die versiertesten Spieler und es fehlte ihnen an Erfahrung auf hohem Niveau. Dennoch waren sie zäh und in gewisser Weise das Vorbild für Kampfgeist und Aggressivität, das einigen der großen nachfolgenden US-Mannschaften im Laufe der Jahre als Blaupause diente. Erfolgreiche Gastgeber? Nicht unbedingt. Aber sie waren wunderbar robust.

  • Rumänien 1994Getty Images

    WM 1994 liefert eine packende K.o.-Runde: Rumänien feiert "größtes Ereignis" seit der Revolution

    Andere K.o.-Spiele waren weitaus unterhaltsamer als das, was Brasilien und die USA boten. Sowohl das Achtelfinale als auch das Viertelfinale brachten Klassiker hervor. Es begann mit Argentinien gegen Rumänien in der Runde der letzten 16. Unter normalen Umständen wäre Argentinien mit Abstand Favorit gewesen. Doch dies war eine Albiceleste, die nach dem Maradona-Schoch spontan herausfinden musste, wie sie ohne ihren geliebten Diego spielen sollte. 

    Argentinien hatte sein letztes Gruppenspiel ohne Maradona verloren, Rumänien hingegen präsentierte sich mit seiner "goldenen Generation" hervorragend. Zwar hatten die Tricolorii zuvor noch nie ein K.o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft gewonnen, aber 1994 war Rumänien so gut wie danach nie mehr. 

    Angeführt vom wunderbaren Gheorghe Hagi gewannen sie 3:2. "Das ist das größte Ereignis, das unser Volk seit der Revolution gefeiert hat. Es ist auch der größte Moment in unserer Fußballgeschichte", sagte Cheftrainer Anghel Iordanescu anschließend.

    Es gab auch andere große Spiele. Der spätere Finalist Italien wäre beinahe ausgeschieden - nach 87 Minuten lag die Squadra Azzurra mit 0:1 gegen Nigeria zurück. Doch dann erzielte Roberto Baggio, der Mega-Star und später tragische Held des Turniers, in der 88. Minute den Ausgleich. In der Verlängerung schnürte er den Doppelpack und verhinderte damit eine gigantische Überraschung.

    Brasilien benötigte im Viertelfinale einen Siegtreffer in der 81. Minute, um die Niederlande zu schlagen, nachdem die Elftal einen 0:2-Rückstand egalisiert hatte. Die "goldene Generation" Bulgariens, angeführt von Hristo Stoichkov, warf Titelverteidiger Deutschland im Viertelfinale sensationell raus. 

    Im Finale trafen dann mit Italien und Brasilien die Teams aufeinander, die sich als resilienteste des Turniers entpuppt hatten. 

    Alles schien bereit für ein unvergessliches Finale.

  • Brazil 1994Getty Images

    Brasilien vs. Italien 1994: Das vielleicht enttäuschendste Finale der WM-Geschichte

    Brasilien mag seinen Ruf auf dem Samba-Stil aufgebaut haben. Die Dribbelkünstler vom Zuckerhut waren aber 1994 viel mehr darauf bedacht, clever zu spielen. Sie war voller technisch begabter Spieler, hatte aber keine Probleme damit, sich reinzuhängen und Ergebnisse zu erarbeiten. Das galt für Italien sowieso. Und so wurde das Finale zu einer maximal zähen Angelegenheit. 

    "Wir hatten reife, erfahrene Spieler, die unter großem Druck standen", sagte Alberto Parreira später. "Es waren drei Jahre mit großem Druck gewesen. Gemeinsam haben wir gelernt, wie man auf und neben dem Platz gewinnt. Es war wichtig zu wissen, wie man mit der Presse umgeht, mit den Erwartungen der Fans umgeht und sich davon distanzieren kann."

    Italien setzte wie gewohnt auf seine Verteidigung. Beide Mannschaften waren im zentralen Mittelfeld hervorragend, was sich bei 38 Grad Hitze im Rose Bowl Stadium zeigte. Keine der beiden Mannschaften wollte zu viel preisgeben, und Italiens hervorragendes Verteidigerduo Paolo Maldini und Franco Baresi sorgte für Ordnung in der Abwehr.

    90 Minuten reichten nicht aus, um einen Sieger zu ermitteln, in der Verlängerung öffnete sich das Spiel ein wenig. Brasilien hatte nun seine Chancen. Die Selecao hätte in den letzten Minuten gewinnen müssen, nachdem Cafu auf Romario zurückgelegt hatte, aber dieser schoss aus sechs Metern Entfernung am Tor vorbei.

    Schließlich kam es zum Elfmeterschießen. Italien verschoss den ersten Elfmeter. Die Last der Welt lastete am Ende auf den Schultern des charismatischen Baggio, der zwei Fehlschüsse der Azzurri ausgleichen musste, um seine Mannschaft im Spiel zu halten. Stattdessen schoss er, der bis dato beste Spieler des Turniers, den Ball über das Tor und bescherte Brasilien damit den vierten Weltmeistertitel.

  • WM 1994 als Geburtsstunde der MLS: Liga-Start mit zwei Jahren Verspätung

    Die USA waren dafür kritisiert worden, dass sie die WM erhalten hatten, ohne dass es in dem Land eine Profiliga gab. Ein berechtigter Einwand. Wie konnte eine Nation ohne anerkannte Fußballstruktur eine Weltmeisterschaft ausrichten? Die NASL war zerfallen, und es gab im Land kaum Bestrebungen, einen Nachfolger zu etablieren.

    Die FIFA zwang die USA schließlich zur Gründung einer Profiliga, machte es zur Bedingung des Zuschlags für die Ausrichtung. 1993 wurden die Pläne umgesetzt, als der Verband die "Major League Professional Soccer" als Liga der ersten Division genehmigte (später wurde sie in Major League Soccer umbenannt).

    Tab Ramos war der erste Spieler, der unter Vertrag genommen wurde, er wurde den MetroStars "zugewiesen". Auch andere Stars entschieden sich im Sog der WM, in den USA zu bleiben. Lalas, Tony Meola, Eric Wynalda, Jorge Campos und Carlos Valderrama blieben alle in den Vereinigten Staaten oder wechselten in die Liga.

    Allerdings: Es dauerte zwei Jahre, bis sie spielen konnten. Die MLS verschob ihren Start aufgrund verschiedener Probleme, darunter unzureichendes Investorenkapital, vom ursprünglich geplanten Termin 1995 auf 1996. Das erste Spiel wurde am 6. April 1996 ausgetragen.

    "Wir wussten schon vor Beginn der Weltmeisterschaft, dass die Major League Soccer starten würde. Das war der Plan. Wir wollten die Weltmeisterschaft 1994 als Startrampe nutzen", erzählte Meola GOAL. "Wir scherzen immer darüber, dass wir zwei Jobs hatten. Wir mussten spielen. Man musste sich auf das Spiel vorbereiten und sich darauf vorbereiten, sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Aber dann musste man auch noch für den Sport werben. Denn der Sport war eindeutig noch nicht auf dem Niveau, auf dem er heute ist."

    Ob die MLS sofort ein Erfolg war, ist umstritten. Die Zuschauerzahlen waren in der ersten Saison hoch, und alle zehn Mannschaften waren konkurrenzfähig. Die Aufnahme von zwei neuen Franchises innerhalb der ersten fünf Jahre trug ebenfalls zum Erfolg bei. Aber es gab auch einige Schwierigkeiten, als die Liga noch in den Kinderschuhen steckte, Mannschaften aufgaben und Top-Talente sich anderweitig umsahen.

    David Beckhams Ankunft in die MLS 2007 änderte dann alles. Seitdem hat die Liga nie mehr zurückgeschaut. Mittlerweile umfasst die MLS 30 Teams und lockt immer mehr Stars wie Lionel Messi und Thomas Müller an. 

  • Rose BowlGetty Images

    WM 1994: Die Geburt der amerikanischen Fußballkultur

    Und so wurde Fußball in den Vereinigten Staaten legitimiert. Die Zahlen der Weltmeisterschaft 1994 sind bis heute bemerkenswert. Die Gesamtzuschauerzahl von 3.587.538 wurde nie übertroffen, obwohl das Turnier vier Jahre später von 24 auf 32 Mannschaften erweitert wurde. Auch die durchschnittliche Zuschauerzahl von fast 69.000 ist ein Rekord - aber gleichzeitig den monströsen Football-Stadien mit bis zu 100.000 potenziellen Zuschauern zuzuschreiben

    Dank lukrativer Sponsorenverträge war auch der kommerzielle Erfolg immens. Aber vielleicht bleibt dieser Sommer vor allem als der Sommer in Erinnerung, in dem sich ein großer Teil der Vereinigten Staaten entgegen aller Wahrscheinlichkeiten in den Fußball verliebte.

    Natürlich gibt es Leute, die behaupten, dass es in Amerika bereits eine Fußballkultur gab, als die Weltmeisterschaft stattfand. Aber 1994 drängte sich der Sport zum ersten Mal in den Mainstream der Vereinigten Staaten und wird voraussichtlich ein weiteres Level erreichen, wenn die Weltmeisterschaft 2026 beginnt. 

    Der Slogan der WM 1994 lautete: "Making Soccer History". Und 30 Jahre später kann man mit Sicherheit sagen, dass die Vereinigten Staaten dieses Versprechen mehr als erfüllt haben.

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