Max EberlGetty

"Ich weiß, man will viel spielerisch lösen, aber das ist dann ein Stück weit zu viel": Was Max Eberl am Spiel des FC Bayern manchmal nicht gefällt

Der FC Bayern München hat sich beim 3:2-Sieg gegen Eintracht Frankfurt unnötig in Bedrängnis gebracht. Nach einer souveränen Führung durch Aleksandar Pavlovic und einen Doppelpack von Harry Kane sorgte eine "Harakiri-Aktion" in der Schlussphase für ordentlich Zündstoff. Sportvorstand Max Eberl und Führungsspieler Joshua Kimmich lieferten sich im Anschluss eine kleine verbale Grundsatzdebatte über das Münchner Risiko-Management.
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    FC Bayern: Joshua Kimmich warnt vor Identitätsverlust

    "Das hätten wir uns sparen können", resümierte Sportvorstand Max Eberl - und wünschte sich statt Joshua Kimmich in dieser Situation Max Eberl auf dem Platz. Einen technisch womöglich etwas beschränkten Spieler, der das hehre Münchner Selbstverständnis über den Haufen geworfen und den Ball blind nach vorne geschlagen hätte. "Ich weiß, das war eher mein Spiel", sagte der ehemalige Verteidiger also. "Aber dann heißt es irgendwann, wenn die Gefahr zu groß wird, auch mal löschen. Dann musst du dich gar nicht in die Not bringen. Ich weiß, man will viel spielerisch lösen, aber das ist dann ein Stück weit zu viel." 

    Joshua Kimmich selbst hatte eine etwas differenziertere Meinung zu der Thematik. Ob es denn wie von Eberl gefordert Sinn ergeben würde, in so einer Situation lieber blindlings zu löschen? "Generell ja", sagte Kimmich zwar. Nur um sofort zu einem ausführlichen Aber auszuholen und auf die Risiken und Nebenwirkungen hinzuweisen. 

    "Auf der anderen Seite ist es unsere Spielweise, dass wir spielen wollen, dass wir auch, wenn wir Druck haben, versuchen, die spielerische Lösung zu finden." Würde zu oft blindlings gelöscht werden, hätte das grundsätzliche Konsequenzen, wie dem FC Bayern begegnet wird. "Dann werden die Gegner mehr und mehr pressen", erklärte Kimmich. "Wenn sie merken, wir finden die Lösungen nicht und wir spielen nur die Bälle lang, dann ist es einfacher, gegen uns zu spielen. Dementsprechend sollten wir schon diese DNA beibehalten."

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  • FC Bayern München v Eintracht Frankfurt - BundesligaGetty Images Sport

    Kehrt Manuel Neuer bereits zum Topspiel zurpck?

    Den schläfrigen Min-Jae Kim nahm Eberl bei dem Gegentor unterdessen etwas überraschend gänzlich aus der Verantwortung. Hätte er Kimmichs Pass nicht etwas entgegengehen können, wurde Eberl von einem Reporter gefragt. "Das ist ihr Eindruck, nicht mein Eindruck", erwiederte er. "Ich fand Min-Jae ehrlicherweise nicht so schlecht. Mit dem Tor hat Min-Jae nichts zu tun." Der Spielzug an sich sei einfach "Harakiri" gewesen. Laut Eberl lag die Schuld demzufolge also allein bei Kimmich.

    Hätte Kimmich als Kompromiss vielleicht zu Keeper Jonas Urbig spielen sollen? "Ne, nach vorne", konterte Eberl entschieden. These: Hätte Kimmich vielleicht auf Manuel Neuer gespielt, wenn der spielerisch höchst versierte, aktuell aber verletzte Stammkeeper im Tor gestanden hätte - und nicht dessen Ersatzmann Urbig? "Lassen wir jetzt diese Diskussion", erwiderte Eberl mittlerweile etwas schmallippig. 

    Kimmich attestierte Urbig derweil tadellose Fähigkeiten als Fußballer. Dass er den Keeper nicht anspielte, habe demzufolge nichts mit fehlendem Vertrauen in dessen Ballfertigkeit zu tun gehabt. "Ich finde, dass es Jonas sehr gut macht", befand Kimmich. "Er hilft uns sehr, sehr viel. Vor allem auch im Spiel mit Ball hat er immer wieder sehr gute Ideen." Beispielsweise eine "gute lange Lösung", also gezielte weite Schläge. "Gegen PSV hat er das zweite Tor eingeleitet mit einem langen Ball", erinnerte Kimmich. "Da hat er schon eine gute Waffe."

    Schon beim Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Dortmund kommenden Samstag könnte aber Neuer ins Tor zurückkehren. Eberl wollte ein unerwartet schnelles Comeback des 39-jährigen Stammkeepers nach dessen Muskelfaserriss in der Wade zumindest nicht ausschließen. "Er ist sehr positiv", sagte der Sportvorstand.

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