Cassano RealGetty Images

"Habe alles dafür getan, es zu ruinieren": Ein Supertalent stürzte bei Real Madrid gnadenlos ab

Dieser Artikel erschien 2022 und wurde aktualisiert.

"Ich bin das größte Talent der vergangenen Jahre, das alles weg geschmissen hat." Diese gleichermaßen harten wie ehrlichen Worte stammten einst von Antonio Cassano, seinerzeit italienischer Nationalspieler, auf dem grünen Rasen des Öfteren ein Genie.

Der mittlerweile 40-Jährige weiß jedoch genau, wovon er spricht, ließ der frühere Stürmer doch im Laufe seiner Karriere mit seinem schwierigen Charakter oftmals die nötige Disziplin vermissen und sorgte abseits seines Arbeitsplatzes für zahlreiche Eskapaden, die einer womöglich weitaus erfolgreicheren Karriere im Weg standen. So auch in seinen anderthalb Jahren bei einem der größten Vereine der Welt, Real Madrid.

  • Dabei fing alles so vielversprechend an: 5,5 Millionen Euro Ablöse überwiesen die Königlichen im Januar 2006 an die AS Roma, wo Cassano mit 52 Treffern in 161 Pflichtspielen auf sich aufmerksam gemacht hatte. Für den damals 23-Jährigen sei laut Aussagen seines Beraters Giuseppe Bozzo "ein Traum wahr geworden. Jeder Spieler würde gerne für Real Madrid spielen." Auch für den spanischen Rekordmeister ging ein Traum in Erfüllung, war der Rechtsfuß für Trainer Juan Ramon Lopez Caro doch der Wunschtransfer schlechthin. Als "talentierten Spieler" und "Torjäger" pries der Spanier den Neuzugang an.

    Doch sowohl Cassano als auch die Madrilenen erwachten relativ schnell aus ihren Träumen.

    "Bei Real habe ich sehr wenig gespielt und das war auch offensichtlich meine Schuld", zeigte sich Cassano vor einigen Jahren in einem Interview mit der AS einsichtig. 29 Spiele sowie vier Tore standen am Ende einer sportlich verkorksten Zeit zu Buche.

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  • Antonio Cassano Real Madrid

    Antonio Cassano: "Fußball, Sex und danach essen, das war perfekt"

    2007 wurde der 39-fache italienische Nationalspieler immerhin spanischer Meister. Das kaschierte jedoch nicht die tatsächlichen "Errungenschaften" des Angreifers in der Millionenmetropole, nämlich Übergewicht und diverse Frauengeschichten. In seiner Autobiographie behauptet Cassano, bis zu seinem 25. Lebensjahr mit "600-700" Frauen geschlafen zu haben. 

    Dazu gesellten sich Probleme mit Chefcoach und Landsmann Fabio Capello, der im Sommer 2007 als Nachfolger von Lopez Caro installiert worden war. Letzteres mündete darin, dass Cassano Capello nach einer Auswechslung dermaßen beleidigte, dass er sich damit selbst weiter ins Abseits manövrierte.

    Der Klang des Vereinsnamens, das Rampenlicht und anders orientierte Prioritäten stiegen Cassano damals schnell zu Kopf. "Ich war jung. Fußball, Sex und danach essen, das war perfekt. Wenn man Anfang 20 ist, Mädchen mag und die Chance hat, es jeden Tag zu tun, ist das großartig. Ich hatte die Chance", verriet er rückblickend, denn: "Ich war Cassano, der Spieler von Real. Wenn ich einen anderen Job gehabt hätte, hätte mich niemand auch nur angeschaut, mit Ausnahme meiner Mutter vielleicht. Ich kann zwar gut spielen, aber hübsch bin ich nicht."

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    14 Kilo zugenommen! Cassanos irre Nutella-Beichte

    Dabei befand sich Cassano zu Beginn seiner Zeit zunächst in prächtiger körperlicher Verfassung. "Als ich bei Real Madrid angekommen bin, habe ich sofort 12 Kilo abgenommen", erklärte der Ex-Profi in einem Twitch-Stream mit seinen ehemaligen Mannschaftskollegen Christian Vieri und Fabio Cannavaro.

    Doch in vergleichbarem Tempo nahm er das Gewicht wieder zu. Schuld daran war ein Nuss-Nougat-Brotaufstrich. "Nutella war einer der Sponsoren und jeden Monat haben sie uns fünf Kilogramm des Produktes gegeben. Ich habe es direkt aus dem Glas gegessen und nichts hat mir etwas bedeutet. Ich war widerlich", betont der frühere Torjäger, der aufgrund seiner Gewichtsprobleme in Spanien auch den Spitznamen "El Gordito" (zu deutsch: "das Dickerchen") trug.

    Die Leidenschaft für den beliebten Brotaufstrich riss auch Cassano in seinen Bann und resultierte in zusätzlichen 14 Kilo auf der Waage.

    Knapp 20 Jahre sind seither vergangen und Cassano ist offenbar gereift. "Mein größter Fehler waren die eineinhalb Jahre in Madrid", resümierte er, die Schuld sieht er jedoch ausschließlich bei sich selbst: "Ich habe alles dafür getan, es zu ruinieren."

    Gleichermaßen harte wie ehrliche Worte.

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