PEP GUARDIOLA RAYAN CHERKI MANCHESTER CITY Getty Images

"Genau die Art Spieler, die Pep haben will": Guardiola hat bei Manchester City einen neuen Lieblingsschüler

Warme Umarmungen der ehemaligen Mitspieler pflasterten seinen Weg, als Riyad Mahrez im vergangenen Sommer dem Training seines Ex-Klubs Manchester City einen Besuch abstattete. Als Rodri Mahrez herzte, kam kurz auch Rayan Cherki hinzu, klatschte ab und zog wieder von dannen. "Er ist wie du", scherzte Rodri mit Mahrez und zeigte auf Cherki.

Und der spanische Weltklassemittelfeldspieler ist fürwahr nicht der Einzige, der Parallelen zwischen Mahrez und Cherki sieht. Ihre Spielstile ähneln sich, beide sind technisch herausragend, furchterregend im Eins-gegen-Eins. Beide haben algerische Wurzeln und schliffen ihr enormes fußballerisches Potenzial in den Käfigen und auf den Bolzplätzen französischer Metropolen. Und bei beiden sorgte ihre ganz große Stärke, die Kreativität, dafür, dass ihre Transfers zu Manchester City mitunter von Unkenrufen begleitet waren.

  • Die gab es bei Mahrez, als er 2018 von Leicester City nach Manchester wechselte. Und die gab es bei Cherki, als die Skyblues den beidfüßigen Edeltechniker im vergangenen Sommer für 36,5 Millionen Euro Ablöse von Olympique Lyon nach England holten. Würden sie im vorgabenreichen Spiel Guardiolas ihren Freigeist entfalten können? Würde es ihnen gelingen, den hohen Maßstäben, die bei City hinsichtlich der Defensivarbeit gelten, gerecht zu werden? Oder vernachlässigen sie die Aufgaben im Spiel nach hinten zu sehr und fallen bei Guardiola deshalb schnell in Ungnade?

    Mahrez gelang es, das zu verhindern. Mit etwas Anlaufzeit zwar, aber es gelang ihm. Im Starensemble Citys stand der Algerier zwar nicht immer von Beginn an auf dem Platz, war aber Stammspieler und vor allem in großen Partien baute Guardiola auf ihn. "Ich habe es genossen, sein Trainer zu sein. Ich hatte eine ganz besondere Beziehung zu ihm", sagte der Spanier, als Mahrez City nach fünf Jahren im Anschluss an den Champions-League-Triumph 2023 in Richtung Saudi-Arabien zu Al-Ahli verließ. "Diese Art von Spieler zu ersetzen, ist nicht einfach", betonte Guardiola dann noch.

    Mit Cherki könnte er den perfekten Ersatz mit etwas Verspätung gefunden haben. Und das sogar auf einem noch etwas höheren Level, vor allem was das Potenzial des erst 22-jährigen Cherki angeht. Den hätte unter anderem auch Borussia Dortmund sehr gerne gehabt, zudem sollen zahlreiche weitere Topklubs interessiert gewesen sein. Doch City erhielt den Zuschlag - vor allem, weil Guardiola den französischen Nationalspieler unbedingt haben wollte.

    Weil er genau weiß, dass es in puncto Ballfertigkeit auf engstem Raum und Kreativität in Tornähe derzeit kaum bessere Spieler auf der Welt gibt. Und möglicherweise auch ein bisschen, weil er es als eine Art persönliches Projekt betrachtet, Cherkis überbordende Stärke im Kreativbereich für seine Mannschaft zu nutzen und ihn zeitgleich dazu zu bringen, im mannschaftsdienlichen Spiel für das Kollektiv immer besser zu werden.

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  • Manchester United v Manchester City - Premier LeagueGetty Images Sport

    Pep Guardiola bei Rayan Cherki hin- und hergerissen

    "Wenn es Pep schafft, Cherki ohne Ball auf ein neues Level zu heben, wird er ein herausragender Spieler für City", sagte der ehemalige französische Nationalspieler Gael Clichy im November zu GOAL. Der 40-Jährige spielte von 2011 bis 2017 selbst für die Skyblues und kennt Cherki bestens, arbeitete als Co-Trainer von Frankreichs U21-Nationalmannschaft mit ihm zusammen. "Er ist genau die Art Spieler, die Pep haben will. In der Premier League geht es heutzutage nicht mehr nur darum, den Ball zu haben, sondern auch sehr viel um Umschaltspiel. Darin liegt die große Aufgabe für Pep", so Clichy weiter.

    Ob Guardiola in dieser Aufgabe bei Cherki Erfolg hat, kann nach gut einem halben Jahr freilich noch nicht abschließend bewertet werden. Doch die Tendenz ist vielversprechend, wenngleich Guardiola zuweilen auch an dem Neuzugang verzweifelt. "Bei Rayan war es von Tag eins an so: Manchmal will ich ihn anschreien, manchmal will ich ihn küssen", sagte der City-Trainer Ende Dezember, nachdem Cherki zuvor mit Tor und wunderschönem Assist für den 2:1-Sieg bei Nottingham Forest gesorgt hatte.

    Guardiola fasste damit "dieses zwiespältige Gefühl" anschaulich zusammen, dass er bei dem Mittelfeldzauberer hat: Die Mischung aus genialen Aktionen in der Offensive und immer wieder auftretender mangelnder Disziplin in der Arbeit nach hinten. Oder im Erfüllen anderweitiger Vorgaben, die Guardiola Cherki mit auf den Weg gibt. "Aber ich muss ihm den Raum geben, sein unglaubliches Talent zu entfalten", weiß der 55-Jährige.

  • Rayan Cherki liefert einige Highlights bei Man City

    Die Ambivalenz in Guardiolas Wahrnehmung Cherkis war auch Mitte Dezember beim 2:0-Sieg im Carabao-Cup-Viertelfinale gegen Brentford offenkundig geworden. Mit einer genialen Einzelaktion inklusive Traumtor hatte der Franzose entscheidend zum Erfolg beigetragen, aber eben nicht ganz so gut nach hinten gearbeitet, wie sich der Coach das gewünscht hätte: "In der zweiten Halbzeit hat Rayan Cherki den Job in der Defensive nicht gemacht", kritisierte Guardiola öffentlich.

    Cherkis Einsatzzeiten weisen aber darauf hin, dass Guardiola mit der bisherigen Entwicklung des Hochbegabten in Manchester zufrieden ist. Nachdem er seine Oberschenkelprobleme zu Beginn der Saison überwunden hatte, arbeitete sich Cherki nach und nach ins Team, darf häufig von Beginn an ran. Beispielsweise stand er in sechs der letzten acht Premier-League-Spiele in Citys Startelf, Guardiola bringt ihn dabei entweder auf dem rechten Flügel oder in zentralerer Rolle auf der Zehn.

    Einer der Momente, für die Cherki vielleicht nicht explizit geholt wurde, die ihn aber bei den Fans umso beliebter machen, ereignete sich Anfang Dezember beim 3:0-Sieg über Sunderland. Nach starkem Dribbling legte Cherki Phil Fodens Kopfballtreffer zum Endstand einfach mal per Rabona-Flanke vor, die Schlagzeilen waren ihm nach dem Spiel entsprechend sicher. Ähnlich war es nach dem 2:0 bei Newcastle United im Halbfinalhinspiel des Carabao Cups vergangene Woche: Eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt, gelang Cherki nach herausragendem Zusammenspiel mit Namensvetter Rayan Ait-Nouri der zweite City-Treffer. Per Hacke hatte er Ait-Nouri genau in dessen Lauf bedient und bekam den Ball wenig später perfekt serviert von dem algerischen Nationalspieler zurück, verwandelte aus wenigen Metern eiskalt.

    Es war der nächste Beleg dafür, dass Cherki Eleganz, Schönheit und Effektivität auf höchstem Niveau miteinander verbinden kann. Und nach der Partie lieferte Guardiola den nächsten Beleg dafür, wie sehr ihm die Arbeit mit Cherki am Herzen liegt: Noch auf dem Rasen redete er mit seinen typischerweise weit aufgerissenen Augen auf seinen Spieler ein, schien ihn zu ermahnen, lachte dabei aber auch. Und Cherki? Der wehrte sich offenbar ein wenig gegen die Einwände seines Trainers, lächelte aber auch wohlwollend und respektvoll.

    "Pep stand schon immer für meine Vision von Fußball", betonte Cherki Anfang Januar im Interview mit Citys Vereinswebsite. "Als ich dann hierher kam, wurde nach und nach alles klarer und einfacher für mich. Ich glaube, es ist die perfekte Kombination." Die Anzeichen dafür verdichten sich jedenfalls.

  • Nottingham Forest v Manchester City - Premier LeagueGetty Images Sport

    Die Zahlen von Rayan Cherki bei Manchester City

    • Premier League: 17 Spiele, 2 Tore, 7 Assists
    • Champions League: 4 Spiele, 1 Tor, 0 Assists
    • EFL-Cup: 3 Spiele, 3 Tore, 1 Assist
    • FA-Cup: 1 Spiel, 0 Tore, 1 Assist
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