Die Ambivalenz in Guardiolas Wahrnehmung Cherkis war auch Mitte Dezember beim 2:0-Sieg im Carabao-Cup-Viertelfinale gegen Brentford offenkundig geworden. Mit einer genialen Einzelaktion inklusive Traumtor hatte der Franzose entscheidend zum Erfolg beigetragen, aber eben nicht ganz so gut nach hinten gearbeitet, wie sich der Coach das gewünscht hätte: "In der zweiten Halbzeit hat Rayan Cherki den Job in der Defensive nicht gemacht", kritisierte Guardiola öffentlich.
Cherkis Einsatzzeiten weisen aber darauf hin, dass Guardiola mit der bisherigen Entwicklung des Hochbegabten in Manchester zufrieden ist. Nachdem er seine Oberschenkelprobleme zu Beginn der Saison überwunden hatte, arbeitete sich Cherki nach und nach ins Team, darf häufig von Beginn an ran. Beispielsweise stand er in sechs der letzten acht Premier-League-Spiele in Citys Startelf, Guardiola bringt ihn dabei entweder auf dem rechten Flügel oder in zentralerer Rolle auf der Zehn.
Einer der Momente, für die Cherki vielleicht nicht explizit geholt wurde, die ihn aber bei den Fans umso beliebter machen, ereignete sich Anfang Dezember beim 3:0-Sieg über Sunderland. Nach starkem Dribbling legte Cherki Phil Fodens Kopfballtreffer zum Endstand einfach mal per Rabona-Flanke vor, die Schlagzeilen waren ihm nach dem Spiel entsprechend sicher. Ähnlich war es nach dem 2:0 bei Newcastle United im Halbfinalhinspiel des Carabao Cups vergangene Woche: Eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt, gelang Cherki nach herausragendem Zusammenspiel mit Namensvetter Rayan Ait-Nouri der zweite City-Treffer. Per Hacke hatte er Ait-Nouri genau in dessen Lauf bedient und bekam den Ball wenig später perfekt serviert von dem algerischen Nationalspieler zurück, verwandelte aus wenigen Metern eiskalt.
Es war der nächste Beleg dafür, dass Cherki Eleganz, Schönheit und Effektivität auf höchstem Niveau miteinander verbinden kann. Und nach der Partie lieferte Guardiola den nächsten Beleg dafür, wie sehr ihm die Arbeit mit Cherki am Herzen liegt: Noch auf dem Rasen redete er mit seinen typischerweise weit aufgerissenen Augen auf seinen Spieler ein, schien ihn zu ermahnen, lachte dabei aber auch. Und Cherki? Der wehrte sich offenbar ein wenig gegen die Einwände seines Trainers, lächelte aber auch wohlwollend und respektvoll.
"Pep stand schon immer für meine Vision von Fußball", betonte Cherki Anfang Januar im Interview mit Citys Vereinswebsite. "Als ich dann hierher kam, wurde nach und nach alles klarer und einfacher für mich. Ich glaube, es ist die perfekte Kombination." Die Anzeichen dafür verdichten sich jedenfalls.