Alvaro Arbeloa Real Madrid 2025IMAGO / AFLOSPORT

Für Jose Mourinho ist er ein "außergewöhnlicher Kerl": Ausgerechnet ein enger Freund von Xabi Alonso soll Real Madrid retten

Ob die Trennung für ihn dadurch erträglicher ist oder nur noch bitterer als eh schon, das weiß man nicht - aber Xabi Alonsos Trainer-Nachfolger bei Real Madrid ist ein enger Freund.

  • Die Geschichte beginnt im Januar 2007, als Alvaro Arbeloa zum FC Liverpool wechselte, wo der 14 Monate ältere Xabi Alonso schon länger spielte. Zwei Jahre verbrachten die beiden Spanier zusammen in England, der Mittelfeldstratege und der Rechtsverteidiger. Im Sommer 2009 zog Arbeloa für vier Millionen Euro weiter zu Real. Für den mittlerweile 26-Jährigen war es eine Rückkehr, er hatte schon in der Jugend für die Königlichen gespielt, dort auch sein Profidebüt gefeiert, im ersten Anlauf aber den Durchbruch verpasst. Acht Tage hielt es Alonso in Liverpool ohne Arbeloa aus, dann folgte er ihm nach Madrid. 

    Mit Real gewannen sie alles, was es zu gewinnen gibt. Und mit der spanischen Nationalmannschaft auch. Alonso und Arbeloa wurden gemeinsam Welt- und Europameister. 262 Pflichtspiele absolvierte Arbeloa mit Alonso, weit mehr als mit jedem anderen Kollegen. Darunter Spaniens 4:0-Sieg im EM-Finale von 2012, eine der beeindruckendsten Vorstellungen in der Geschichte des Fußballs. Es hätten noch viel mehr Spiele sein können, wäre Arbeloa nicht von wiederkehrenden Verletzungsproblemen geplagt worden. 

    Alonso ließ seine Karriere beim FC Bayern ausklingen, Arbeloa bei West Ham United. 2017, zehn Jahre nach ihrer Zusammenkunft in Liverpool, hörten beide gleichzeitig mit dem aktiven Fußball auf. "Seit unserer Zeit in Liverpool und später in Madrid sind wir unzertrennlich, denn Alvaro bietet dir seine bedingungslose Freundschaft", schrieb Alonso damals in einem offenen Brief in der Marca. "Es war ihm nie wichtig, was andere sagen. Er ist immer seinen Überzeugungen treu geblieben. Er hat nie gezögert, für das einzustehen, woran er glaubt, und deshalb bewundere ich ihn so sehr."

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  • Spanish midfielder Xabi Alonso (L) and dAFP

    Alvaro Arbeloa arbeitete sich bei Real Madrid kontinuierlich nach oben

    Schnell kehrten die beiden nach Madrid zurück, ab 2018 waren sie wieder für Real tätig: Arbeloa als Repräsentant und später als Jugendtrainer, Alonso direkt als Coach der Reservemannschaft Castilla. Während Alonso anschließend den Umweg über Real Sociedad San Sebastian und Bayer Leverkusen wählte, arbeitete sich Arbeloa bei Real kontinuierlich nach oben. 

    U14, U16, U19, mit der er 2023 das nationale Double gewann. Vergangenen Sommer übernahm Arbeloa schließlich die Castilla. Gleichzeitig kehrte Alonso als Cheftrainer der Profis zurück. Arbeloa postete bei Instagram ein Foto von sich mit seinem Freund und schrieb dazu: "Ich freue mich sehr über diesen neuen Abschnitt Geschichte, die wir gemeinsam geschrieben haben; Geschichte, die wir weiterschreiben werden. Auf geht’s, Xabi!" 

    Alonso erfüllte die hohen Erwartungen nicht, nach nur 232 Tagen erfolgte am Montag die vorzeitige Trennung. In der Primera Division hinkt Real dem Erzrivalen FC Barcelona hinterher, in der Champions League steht nur Platz sieben und zu allem Überfluss ging auch noch der Clasico in der Supercopa verloren. Leverkusens einstiger Erfolgstrainer vermittelte der Startauswahl um Kylian Mbappe, Vinicius Junior und Jude Bellingham keine funktionierende Spielphilosophie mit Wiedererkennungswert.

  • Jose Mourinho prägte Alvaro Arbeloa entscheidend

    Dafür soll nun Arbeloa sorgen. Aber was für einen Fußball lässt er spielen? Selbstredend schwer zu sagen, arbeitete er bis dato schließlich fast nur im Nachwuchsfußball. Seine nun abrupt unterbrochene Premierensaison mit Castilla verlief wechselhaft. In der zweigleisigen dritten Liga steht aktuell Platz vier, das Torverhältnis beträgt nach 19 Spielen 25:25. Ordnung scheint dem ehemaligen Verteidiger grundsätzlich wichtiger zu sein als Spektakel, entscheidend geprägt wurde er von Jose Mourinho. 

    Während ihrer gemeinsamen Zeit bei Real pflegten die beiden eine enge Beziehung. Arbeloa verteidigte die Ansätze des stets umstrittenen Startrainers aus Portugal mehrmals öffentlich. Mourinho sagte bei Arbeloas Real-Abschied 2016: "Ich habe für Arbeloa ausschließlich Worte des Danks übrig. In meinen 16 Jahren als Trainer befindet er sich mit Sicherheit auf dem Podium der wichtigsten Spieler, mit denen ich gearbeitet habe." 

    Zudem sei er einfach ein "außergewöhnlicher Kerl". Auch als hochdekorierter Profi ließ Arbeloa Star-Allüren vermissen und lebte sein Leben abseits des Scheinwerferlichts. Noch während seiner aktiven Karriere studierte er nebenbei Journalismus - womöglich hilft ihm dieses Wissen künftig in der notorisch aufgeheizten Medienlandschaft von Madrid. Später lief er Marathons.

  • Real Madrid Celebrate After They Win Champions League FinalGetty Images News

    Alvaro Arbeloa wandelt auf den Spuren von Zinedine Zidane

    Anders als Mourinho, Alonso, Carlo Ancelotti und die meisten anderen Real-Trainer der jüngeren Vergangenheit übernimmt Arbeloa die Profimannschaft ohne Trainer-Erfahrungen im Spitzenfußball. Einmal hat sich derartiger Mut schon ausgezahlt. Wie nun Arbeloa wechselte einst auch Zinedine Zidane direkt von der Castilla zu den Profis und gewann anschließend dreimal die Champions League. Beim ersten Triumph 2016 war Arbeloa sogar noch mit dabei, fehlte beim Finale aber im Kader. 

    Seine Premiere als Real-Trainer feiert Arbeloa am Mittwoch, da geht es in der Copa del Rey auswärts gegen Albacete Balompie. Das Heim-Debüt steigt am Samstag gegen UD Levante und somit ausgerechnet an seinem 43. Geburtstag.

  • Alvaro Arbeloas Stationen als Spieler:

    ZeitraumVerein
    2001 - 2006Real Madrid
    2006 - 2007Deportivo La Coruna
    2007 - 2009FC Liverpool
    2009 - 2016Real Madrid
    2016 - 2017West Ham United
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