Ruben AmorimGetty Images

Er hat es sich selbst zuzuschreiben! Wie Ruben Amorim bei Manchester United sogar seine größten Unterstützer vergraulte

Der Moment kam aus heiterem Himmel und schien doch schon lange in der Luft gelegen zu haben. Ruben Amorim hatte eine potenziell schwierige Pressekonferenz nach Manchester Uniteds Unentschieden in Leeds (1:1) ohne große Aufregung hinter sich gebracht und den versammelten Journalisten wenig Stoff geliefert. Doch dann eskalierte der Cheftrainer die Situation völlig unerwartet selbst.

Noch vor dem Spiel hatte er niedergeschlagen und mutlos gewirkt, offensichtlich über etwas verärgert. Auf die Frage, ob sich zwischen ihm und Sportdirektor Jason Wilcox etwas geändert habe, wiederholte Amorim dreimal: "Ich möchte nicht darüber sprechen." Doch die Frage im Anschluss an das Duell mit Leeds, ob er weiterhin das Vertrauen des Vorstands genieße, brachte beim Portugiesen endlich das Fass zum Überlaufen.

  • Ruben Amorim gibt denkwürdige Pressekonferenz

    "Zunächst einmal ist mir aufgefallen, dass Sie zu allem nur selektive Informationen erhalten haben", begann er. "Ich bin hierhergekommen, um Manager von Manchester United zu sein, nicht um Trainer von Manchester United zu sein. Das ist klar. Ich weiß, dass ich nicht [Thomas] Tuchel heiße, nicht [Antonio] Conte und auch nicht [Jose] Mourinho, aber ich bin der Trainer von Manchester United. Und das wird auch so bleiben, für 18 Monate oder bis der Vorstand beschließt, etwas zu ändern."

    Mit einer einzigen Antwort verwandelte sich eine routinemäßige Medienrunde plötzlich in eine Szene aus einer Fernsehserie, während Amorim immer wieder betonte, dass er "der Manager und nicht der Trainer" sein wolle, bevor er schließlich die Bombe platzen ließ: "In jeder Abteilung – der Scouting-Abteilung, dem Sportdirektor – muss jeder seine Arbeit machen, ich werde meine 18 Monate lang machen, und dann gehen wir weiter."

    Statt weiterer 18 Monate bekam der frühere Coach von Sporting Lissabon aber nur noch 19 Stunden. Am Montag folgte auf den Ausbruch die Entlassung. Angesichts seines Auftritts in Leeds, der wie eine Rücktrittserklärung anmutete, dürfte Amorim davon kaum überrascht gewesen sein. Trotz seiner oft angespannten Beziehung zu den Medien nutzte der 40-Jährige die Gelegenheit, um sich gegen den Vorstand auszusprechen, der ihn eingestellt hatte. Und wie Enzo Maresca bei Chelsea oder Nuno Espirito Santo bei Nottingham Forest erfahren mussten, gibt es in solchen Fällen normalerweise nur einen Gewinner.

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  • Jim RatcliffeGetty Images

    Ruben Amorim legt sich plötzlich mit der Vereinsführung an

    Amorim hatte während seiner Zeit als Trainer von United nicht wenige Kritiker, sei es Liverpool-Ikone Jamie Carragher oder Red-Devils-Legenden wie Wayne Rooney, Gary Neville und Paul Scholes. Aber er spürte immer die Unterstützung der United-Bosse, obwohl er den Verein zum schlechtesten Tabellenplatz seit 51 Jahren geführt hatte und sich nach der Niederlage im Europa-League-Finale gegen ein sehr schwaches Tottenham zum ersten Mal seit elf Jahren nicht für Europa qualifizieren konnte.

    Im Oktober erklärte Miteigentümer Jim Ratcliffe, er wolle Amorim gerne drei Jahre Zeit geben, um "zu beweisen, dass er ein guter Trainer ist", und zog den Vergleich zu Mikel Arteta beim FC Arsenal. Der Spanier hatte bei den Gunners trotz schwieriger Anfangsjahre Zeit bekommen, um die Dinge in Ordnung zu bringen – mittlerweile grüßen die Londoner von Platz eins der Premier League. Bereits im Juni hatte United-Geschäftsführer Omar Berrada bei Amorim Ähnlichkeiten zum Beginn von Pep Guardiolas Ägide bei Manchester City gesehen.

    Die Führungsriege war die einzige Verbündete, auf die sich Amorim verlassen konnte, weshalb es so überraschend war, dass er nun mit dem Finger auf sie zeigte. 

  • Ruben Amorim Manchester UnitedGetty

    Amorim hält bei Manchester United an seinem System fest

    Unmittelbar nach Amorims Entlassung hieß es aus dem Umfeld von United, dass er die uneingeschränkte Unterstützung des gesamten Vereins genossen und es keine Machtkämpfe oder Ultimaten gegeben habe. Die Unstimmigkeiten zwischen dem Trainer und Sportdirektor Wilcox waren dennoch offensichtlich. So soll Wilcox Amorim dazu aufgefordert haben, von seiner 3-4-2-1-Aufstellung abzuweichen, die der Trainer favorisiert.

    Amorims striktes Festhalten an seiner geliebten Formation erwies sich letztlich wie befürchtet als sein Verhängnis. Einerseits auf der sportlichen Ebene, da die Mannschaft in dem System nicht zurechtkam. Andererseits aber auch auf der der zwischenmenschlichen Ebene, da der Streit über das 3-4-2-1 schlussendlich zum Riss im Verhältnis zur Vereinsführung sorgte.

    Es ist schwer, Amorims Amtszeit im Rückblick nicht als Himmelfahrtskommando zu sehen. Hier der Trainer, der von Sporting absolute Macht in sportlichen Belangen und keine mediale Kritik gewohnt war. Dort einer der meist beachtetsten Vereine der Welt, der nach der Erfahrung der Jahre unter Erik ten Hag die Entscheidungsgewalt lieber verteilen wollte.

  • Manchester United FC v Newcastle United FC - Premier LeagueGetty Images Sport

    Amorim: Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

    Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Amorim den Klub-Bossen in Manchester nur wenige Gründe lieferte, seinen jüngsten Ausbruch zu ignorieren. In seinen 14 Monaten an der Seitenlinie gewann der Coach nur 24 von 63 Spielen – eine Siegquote von 38,7 Prozent. Die mit Abstand schlechteste Bilanz aller Trainer in der Ära nach Sir Alex Ferguson. Sowohl Louis van Gaal als auch Erik ten Hag, Ole Gunnar Solskjaer, Jose Mourinho und David Moyes gewannen alle mindestens 52 % ihrer Partien.

    Um eine ähnlich verheerende Quote zu finden, muss man schon in die frühen 1970er Jahre zu Frank O'Farrell zurückgehen. Und das, obwohl Amorim anders als etwa Ferguson-Nachfolger Moyes im Sommer auf große Shopping Tour gehen durfte.

  • Manchester United: die nächsten Spiele

    Mittwoch, 7. Januar 2026, 21.15 UhrBurnley (A)
    Sonntag, 11. Januar 2026, 17.30 UhrBrighton & Hove Albion (H)
    Samstag, 17. Januar 2026, 13.30 UhrManchester City (H)
    Sonntag, 25. Januar 2026, 17.30 UhrFC Arsenal (A)
    Sonntag, 1. Februar 2026, 15 UhrFC Fulham (H)
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