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Eifersüchtige Freundin lenkt Aufmerksamkeit auf Doping-Verstoß: Wie eine Spritze der "Drip Doctors" Samir Nasris Karriere auf höchstem Niveau beendete

Als Sohn algerischer Eltern in der Nähe von Marseille aufgewachsen, war es für einen so eleganten Fußballer wie Samir Nasri immer schwierig, Vergleiche mit dem großen Zinedine Zidane zu vermeiden.

Von Olympique Marseille zog es den Franzosen 2008 zum FC Arsenal und 2011 weiter zu Manchester City, wo er zweimal die Premier League gewann. Doch danach geriet seine Karriere ins Stocken - vor allem wegen eines Besuches bei den "Drip Doctors" in Los Angeles, seiner eifersüchtigen Freundin und dem aufmerksamen Auge der Welt-Anti-Doping-Agentur.

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    Eine Verletzung entscheidet das Schicksal

    Rückblick in die Saison 2015/16: Nasri war in seinen ersten Jahren bei City nahezu verletzungsfrei geblieben, bevor es ihn im Oktober 2015 erstmals schwerer erwischte: Eine Oberschenkelverletzung zwang ihn für den Großteil der Saison zur Ruhe. 

    "Die Schätzung der Ärzte lautete, dass ich vier bis sechs Monate ausfallen würde. Der Chirurg sagte mir dasselbe und ich strebe an, in der Länderspielpause im März wieder voll einsatzfähig zum Kader zurückzukehren", sagte Nasri im Januar 2016. "Aufgrund dieser Verletzung musste ich mich einer Operation unterziehen, bei der fast 100 Stiche in meinem Oberschenkel genäht wurden. Mein Chirurg sagte mir, dass dies eine seltene Verletzung sei, da sich der Muskel vom Knochen gelöst hatte und auch die Sehne zu 90 Prozent abgelöst war und wieder zusammengenäht werden musste." 

    Nach fünfeinhalb Monaten kehrte er wieder auf den Platz zurück. Als er zu Beginn der Saison 2016/17 wieder vollständig fit war, hatte allerdings eine neue Ära begonnen. Pep Guardiola war nun Trainer von City und Kevin De Bruyne zum neuen, kreativen Kopf der Mannschaft auserwählt worden. Nasri geriet nach seiner Verletzung plötzlich ins Hintertreffen, Guardiola sortierte ihn aus.

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    Der FC Sevilla fängt Nasri auf

    Am Ende der Transferperiode im Sommer 2016 wechselte Nasri dann auf Leihbasis für eine Saison zum FC Sevilla. Der andalusische Verein hatte gerade den hochgeschätzten Argentinier Jorge Sampaoli als neuen Cheftrainer verpflichtet, der entschlossen war, eine Mannschaft für Puristen aufzubauen. Nasri war dafür perfekt geeignet.

    Die spanischen Medien schwärmten von Nasris Debüt beim 2:1 gegen Las Palmas. Der langsamere Stil in LaLiga kam Nasri entgegen, der nach seiner Verletzung nicht mehr ganz so schnell war wie zuvor. Der Franzose etablierte sich unter Sampaoli als Stammspieler - als zentraler offensiver oder linker Mittelfeldspieler.

    Sampaolis Sevilla ging als Tabellendritter in die Weihnachtspause, einen Platz vor Champions-League-Finalist Atletico Madrid. Die Spekulationen über einen überraschenden Titelgewinn klangen tatsächlich nicht abwegig. Los Nervionenses hatten Substanz und Stil, auch wenn es sich als zu schwierige Herausforderung erweisen würde, mit den Großmächten Real Madrid und dem FC Barcelona mitzuhalten. In diesem Winter jedoch veränderte sich Nasris Karriere für immer. Und zwar nicht zum Besseren.

  • Eine folgenreiche Behandlung

    Nasri verbrachte seine Sommerpause 2017 in Los Angeles, wo er die Klinik "Drip Doctors" besuchte. Dort wollte er sich lediglich eine Vitaminspritze verabreichen lassen.

    Die "Drip Doctors" freuten sich sehr über den prominenten Besuch und wollten dies die ganze Welt wissen lassen. In einem Tweet vom 27. Dezember 2016 auf ihrem offiziellen Account hieß es: "Wir haben [Nasri] eine Concierge-Immunity-IV-Infusion verabreicht, damit er während seiner anstrengenden Fußballsaison bei Sevilla hydriert und bei bester Gesundheit bleibt." Angehängt war ein Foto von Nasri mit der Gründerin und Geschäftsführerin Jamila Sozahdah.

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  • Skandalöse Posts mit unbekanntem Absender

    Danach wurde es kurios und skandalös. Auf dem Acoount Nasris waren höchst merkwürdige Tweets veröffentlicht worden, die schnell danach wieder verschwanden. Darin stand, dass ihm nach der medizinischen Behandlung "auch ein vollständiger sexueller Service angeboten" worden sei. Der Account bezeichnete Gründerin und Geschäftsführerin Sozahdah als "H***", in einem weiteren Beitrag stand, an die "Drip Doctors" gerichtet: "Bitte erzählt der Welt auch von der anderen Concierge-Behandlung, die die Concierge direkt nach der Infusion gegeben hat."

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    Nasri selbst hatte diese Beiträge offensichtlich nicht selbst verfasst - seine damalige Freundin Anara Atanes wurde schnell als mögliche "Täterin" ausgemacht. Das Paar war damals seit vier Jahren zusammen und hatte in den vorangegangenen Wochen offenbar einen Streit gehabt.

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    Anschließend schien es einen Schlagabtausch zwischen dem Besitzer des Kontos und der Person zu geben, die sich angeblich in das Konto gehackt hatte: "Jemand hat meinen Account gehackt und versucht, falsche Gerüchte zu verbreiten. Ich entschuldige mich bei allen Beteiligten." Darauf folgte: "Alles, was ich gesagt habe, war zu 100 Prozent wahr. Das Mädchen auf dem Bild, Jamilah, kam um 3 Uhr morgens in mein Hotelzimmer und leistete weitere Dienste."

    Auch die Drip Doctors äußerten sich zu der Angelegenheit: "Der Account von [Nasri] wurde gehackt und die jüngsten Tweets sind alle falsch, dies wird in Kürze bestätigt werden. Danke."

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    Nasris Account antwortete: "Ist Jamilah nicht um 3 Uhr morgens in den Club und dann in mein Hotelzimmer gekommen? Ich versuche nur, für den fantastischen Service von @DripDoctors und die damit verbundenen Dienstleistungen zu werben ... Und wie ihr alle eure Kunden am selben Tag f****, an dem ihr ihnen eine Infusion verabreicht."

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    Nasris damalige Freundin war schon einmal auffällig geworden

    Bis heute leugnen sowohl Nasri als auch seine damalige Freundin Atanes, von der er sich nach dieser Geschichte trennte, verantwortlich für diese Posts zu sein. Das Model behauptete: "Das war ich nicht. Wenn ich etwas zu sagen habe, dann kommt es aus meinem Mund."

    Angesichts ihrer früheren Indiskretionen gab es jedoch Zweifel an Atanes' Behauptung. Als Nasri nicht in den 23-köpfigen Kader Frankreichs für die Weltmeisterschaft 2014 aufgenommen wurde, schrieb sie in den sozialen Medien: "F*** Frankreich und f*** Deschamps! Was für ein beschissener Trainer! Lasst uns das klarstellen! Ich bin nicht sauer, dass ich meinen Freund für zwei Monate habe ... Ich finde nur, dass man ein gewisses Maß an Respekt haben sollte!" Der Mittelfeldspieler selbst musste sie wegen dieses Ausbruchs sogar öffentlich beruhigen und antwortete: "Ich liebe dich, reg dich nicht auf, das Leben ist manchmal unfair. Man muss es einfach akzeptieren und damit klarkommen."

  • Ein offizielles Statement

    Auch einige Tage nach dem Vorfall war der öffentliche Aufruhr um die Tweets noch groß - und so sahen sich Nasri und CEO Sozahdah dazu gezwungen, ein gemeinsames, öffentliches Statement abzusetzen. "Jamila Sozahdah, Gründerin und CEO von Drip Doctors, ist eine staatlich geprüfte Arzthelferin mit einer nachgewiesenen Erfolgsbilanz bei der Bereitstellung gesunder Immuntherapie-Booster für große Kunden", die "falschen Behauptungen" wurden erneut zurückgewiesen.

    Weiter hieß es: "Als stolze Geschäftsführerin eines florierenden Unternehmens und erfolgreiche Unternehmerin hält Frau Sozahdah kompromisslos an hohen Standards für die Gesundheit ihrer Kunden und den Erfolg von Drip Doctors fest. Diese Woche wurde Frau Sozahdah in einen unglücklichen Vorfall verwickelt, bei dem verleumderische Anschuldigungen über den gehackten Social-Media-Account von Samir Nasri verbreitet wurden, nachdem sie den Fußballstar einer Standardbehandlung unterzogen hatte. Frau Sozahdah möchte sich direkt zu diesem unglücklichen Vorfall von Cybermobbing äußern: Alle Dienstleistungen von Drip Doctors sind professionelle Gesundheitsdienstleistungen, die von einem professionellen Team erbracht werden, und alle Andeutungen, die etwas anderes behaupten, sind nichts anderes als verleumderische Angriffe."

  • Leicester City v Sevilla FC - UEFA Champions League Round of 16: Second LegGetty Images Sport

    Letzte Wendung

    Der Vorfall sorgte jedoch nicht nur in der Boulevard-Presse für Aufmerksamkeit - sondern auch bei der spanischen Anti-Doping-Agentur, die befürchtete, dass die Behandlung gegen die Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verstoßen haben könnte. Wie sich herausstellte, war dies tatsächlich der Fall. 

    Nasri wurde im Februar 2018 mit einer sechsmonatigen Sperre belegt, die später im Sommer auf 18 Monate verlängert wurde, jedoch rückwirkend zum Juli 2017 galt und ihn nur bis November 2018 vom Wettkampfbetrieb ausschloss. "Der Spieler Samir Nasri wurde für schuldig befunden, eine verbotene Methode gemäß Unterabschnitt M2, Absatz 2 der Verbotsliste der WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur) angewendet zu haben", erklärte die UEFA damals. "In diesem Zusammenhang hat die CEDB (Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkommission) beschlossen, Samir Nasri wegen Verstoßes gegen den Welt-Anti-Doping-Kodex und die Anti-Doping-Bestimmungen der UEFA für sechs Monate zu sperren." Mit 31 Jahren erhielt Nasris Karriere also eine unwürdige und überraschende Pause - von der er sich sportlich nie erholten konnte.

  • West Ham United v Birmingham City - Emirates FA Cup Third RoundGetty Images Sport

    "Ängstlich und wütend"

    Nasri ging nach Ablauf seines Vertrags bei Man City für die Saison 2017/18 zum türkischen Verein Antalyaspor. In der Türkei bestritt er nur acht Spiele und kehrte dann tatsächlich zurück in die Premier League, wo West Ham United ihn unter Vertrag nahm. Nach einem halben Jahr zurück in England wechselte er dann nach Belgien, wo er 2019/20 mit Vincent Kompany beim RSC Anderlecht spielte. Der Einjahresvertrag wurde nicht verlängert - und nach einem Jahr ohne Verein erklärte Nasri seine Karriere 2021 für beendet.

    Nasri erklärte seitdem mehrfach, dass die "Drip Doctors" dafür verantwortlich seien, dass seine Karriere auf höchstem Niveau zu Ende ging: "Ich war mit meiner Familie im Urlaub. Ich wurde krank, ich hatte einen Virus. Ich verließ mein Zimmer nicht, ich litt unter Erbrechen, starken Kopfschmerzen, ich war völlig erschöpft", erklärte der Franzose im Jahr 2019 in einem Interview mit L'Équipe. "Ich rief einen Freund an und bat ihn, mir einen Arzt zu suchen. Er konnte keinen finden. Er sagte zu mir: 'Es gibt eine Klinik, die wird dich wieder aufpäppeln.' Vor allem, weil ich in zwei Tagen nach Sevilla zurückkehren würde."

    Nasri führte aus: “Ich sagte OK. Ich kannte die Regeln (der WADA) nicht. Und das sollte übrigens allen jungen Spielern als Lehre dienen, die Anti-Doping-Regeln richtig zu lesen, wirklich aufmerksam zu sein, denn alles kann in eine ganz andere Richtung laufen. Um ehrlich zu sein, dachte ich nicht, dass etwas daraus werden würde. Diese Frau kam, um mir eine Vitamininfusion zu geben. Sie bat mich um ein Foto, ich sagte ja, denn ich hatte nichts Unrechtes getan. Ich war der Meinung, dass es sich nicht um ein Dopingmittel handelte, es war in Ordnung. Kann ich versprechen, dass ich nie gedopt habe? Ja, ich habe die Unterlagen übergeben, darin war kein Dopingmittel enthalten."

    Der anschließende Bruch mit dem FC Sevilla traf Nasri ebenfalls hart, wie er verriet: "Ich war am Boden zerstört, weil ich dachte, ich würde für zwei Jahre gesperrt werden. Danach wollte ich nicht mehr spielen", schrieb er im Jahr 2020 auf Instagram. "Ich habe Sampaoli sogar gesagt, er solle mich nicht aufstellen, aber er wollte immer, dass ich spiele. Ich war verloren, ich war ängstlich und wütend auf alles. Ich habe es auf dem Platz nicht gezeigt, aber für mich war Fußball vorbei."

    Der argentinische Trainer ging sogar offenbar noch weiter: "Sampaoli mochte mich so sehr, dass er zu mir sagte: 'Komm in unser Team, du kannst trinken, in Nachtclubs gehen, tun, was du willst, und ich werde dich decken. Ich verlange nur, dass du am Wochenende auf dem Platz gut spielst.' Als ich an einem Wochenende nicht spielen konnte und nach Hause zu meiner Familie fahren wollte, bot er mir an, auf mein Haus aufzupassen und meinen Hund zu versorgen", erzählte Nasri.

    Der in Marseille geborene Mittelfeldspieler wurde einst zum neuen Zidane auserkoren, glänzte beim FC Arsenal und Manchester City - bis Pep Guardiola kam und ihn aussortierte. Seine Leichtigkeit im Umgang mit den "Drip Doctors" beendete seien Karriere auf höchstem Niveau schneller als gedacht - und seine damalige Freundin sorgte für gleich zwei Social-Media-Skandale. 

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