Pep Guardiola Brescia 2001Getty Images

"Dieser Augenblick veränderte mein Leben": Pep Guardiolas Doping-Drama kurz nach seinem Abschied vom FC Barcelona

Dieser Artikel erschien erstmals 2020 und wurde aktualisiert.

"Dieser Augenblick veränderte mein Leben", sagte Pep Guardiola mit einigen Jahren Abstand über den wohl dunkelsten Moment seiner Karriere. Er erlebte ihn Anfang des neuen Millenniums, nur wenige Monate nach seinem Wechsel nach Italien.

  • Nach über zehn Jahren und mehr als 380 Spielen für die Profis des FC Barcelona hatte der Mittelfeldspieler Anfang der 2000er gespürt, dass die Zeit bei seinem Herzensklub vorüber war. Der jüngere Xavi lief ihm in der Mittelfeldzentrale gerade den Rang ab.

    Guardiola war damals 29 Jahre alt. Er verhandelte mit Vereinen in England und Italien, soll sich mit Juventus bereits auf einen Vertrag geeinigt haben - um nach Monaten schließlich im September 2001 bei Juves Serie-A-Rivale Brescia Calcio zu landen.

    Anfang November 2001 musste Guardiola nach einem 0:5 gegen Lazio Rom zur Dopingkontrolle. Schon wieder. Damals wusste in der Öffentlichkeit allerdings niemand, dass bei ihm während eines Tests zwei Wochen zuvor die verbotene Substanz Nandrolon festgestellt worden war. Auch nun wurde der 47-fache Nationalspieler Spaniens positiv auf ein Abbauprodukt des anabolen Steroids getestet. Vom italienischen Fußballverband und der FIFA bekam Guardiola eine Sperre von vier Monaten aufgebrummt.

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    Guardiola: "Ich habe niemals Nandrolon genommen"

    Guardiola beteuert seine Unschuld, glaubt an verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel und liefert eine Liste mit 16 Produkten, die allesamt im Labor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Rom untersucht werden - in denen aber kein Nandrolon entdeckt wird. Bei einer Pressekonferenz im November 2002 betont der Europapokalsieger von 1992: "Ich bin Pep Guardiola. Ich habe nie Nandrolon genommen."

    Nach Edgar Davids (damals Juventus) und Jaap Stam (Lazio Rom) ist Guardiola seinerzeit der nächste bekannte Name auf der Liste der Dopingfälle im italienischen Fußball. An Guardiola statuieren die Behörden jedoch auf Grundlage des neuen Anti-Doping-Gesetzes ein Exempel und verurteilen ihn zu sieben Monaten Gefängnis sowie einer Geldstrafe in Höhe von 9000 Euro. Die Freiheitsstrafe muss Guardiola aber niemals antreten. Ihm wird angerechnet, nicht vorbestraft zu sein.

    "Man beschuldigte ihn einer Tat, die er nicht begangen hatte, und er war darauf eingestellt, alles, was er besaß, für den Nachweis seiner Unschuld aufzubringen. Er musste solange durchhalten, bis sein Name wieder reingewaschen war", schrieb der Autor Guillem Balague in seiner 2013 erschienenen Biografie: "Pep stürzte sich auf die Suche nach einer Lösung, anstatt sich abzuwenden und sein Schicksal zu akzeptieren."

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    Guardiola wird 2009 freigesprochen

    Guardiola erhielt Unterstützung von seinem Freund, dem Wasserball-Olympiasieger Manel Estiarte, der im Fernsehen eine Meldung sieht, laut der der menschliche Körper selbst erhöhte Werte Nandrolon erzeugen könne. Guardiola ging in Berufung und erreichte 2009 in letzter Instanz einen Freispruch.

    Wie die Doping-Affäre um Guardiola inklusive des Freispruchs zu bewerten ist, darüber gibt es allerdings bis heute verschiedene Ansichten, denn: Eine plausible Begründung für den Freispruch ist nach ZEIT-Informationen in den Urteilen nicht zu finden. In der ersten Beurteilung habe es jedoch geheißen, dass das Nandrolon in Guardiolas Körper "nicht einer endogenen Produktion" zugeschrieben werden könne. Die Werte seien "völlig inkompatibel" mit einer Produktion durch den eigenen Organismus.

    Auch der MDR kam 2013, bei Guardiolas Amtsantritt beim FC Bayern, zu einer anderen Sichtweise: "Teure Anwälte schleppten das Verfahren acht Jahre hin, bis zum Entsetzen der Staatsanwaltschaft ein Freispruch dritter Klasse stand, ein Mix aus Verjährung und einem simplen Verfahrensfehler", hieß es in dem Beitrag des Senders.

    Guardiola spielte später noch für die Roma, den katarischen Klub Al-Ahli und Dorados Sinaloa in Mexiko, ehe er 2006 seine Laufbahn beendete und wenig später eine der erfolgreichsten Trainerkarrieren überhaupt startete. Bis heute gewann der 55-Jährige mit Barca, Bayern München und seinem aktuellen Klub Manchester City insgesamt 39 Titel.

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