Philipp Max Eintracht Frankfurt 2024IMAGO / Agencia-MexSport

"Die Wahrheit tut immer weh!" Ein einstiger DFB-Hoffnungsträger mit über 80 Torvorlagen ist an seinem Tiefpunkt angelangt

Es ist leise geworden um Philipp Max. Zumindest hierzulande war in den vergangenen knapp eineinhalb Jahren kaum noch die Rede von einem Spieler, der einst als großer Hoffnungsträger für die deutsche Nationalmannschaft gegolten hatte und der in seiner Laufbahn über 80 Tore vorbereitete.

Doch in diese Stille hinein platzte eine Pressemitteilung seines Arbeitgebers Panathinaikos Athen, der bekanntgab, nun eben nicht mehr der Arbeitgeber von Max zu sein. Der noch bis 2027 laufende Vertrag wurde aufgelöst, Max vor die Tür gesetzt und mit 32 Jahren auf Vereinssuche geschickt. Der Tiefpunkt einer Karriere, die nach Jugendstationen beim FC Bayern und Schalke 04 zunächst einen doch sehr verheißungsvollen Verlauf nahm.

  • Damals, als Max über den Umweg Karlsruher SC 2017/18 beim FC Augsburg groß aufgespielt, sogar Bayern-Stars wie Joshua Kimmich (12 Assists) und James Rodriguez (11 Assists) hinter sich ließ und sich zum Vorlagen-Monster der Bundesliga gemausert hatte (13 Assists, 2 Tore in 33 Bundesligaspielen), forderten nicht wenige Experten vehement eine Nominierung von Bundestrainer Joachim Löw. Max, so die gängige Meinung, habe es verdient, auf der Bauchschmerzposition des DFB links hinten vorzuspielen.

    Doch während sogar Pep Guardiola bei Manchester City damals ein Auge auf Max und Scouts nach Augsburg geschickt haben soll, wiegelte Löw nur ab. Max sei "sicherlich ein guter Spieler, aber bisher hat er in unseren Überlegungen keine Rolle gespielt". Ein vernichtendes und eher zweifelhaftes Urteil. Stattdessen nahm Löw Jonas Hector und Marvin Plattenhardt mit zur WM 2018 nach Russland. Der Ausgang ist bekannt. Hector erkrankte zu Turnierbeginn, Plattenhardt wurde irgendwann konsequent von den eigenen Mitspielern ignoriert, Deutschland schied als Titelverteidiger in der Vorrunde aus.

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  • Philipp Max DFB DebütGetty Images

    Philipp Max legt Traum-Debüt im DFB-Team hin: "Sehr, sehr gut"

    Max spielte nach dieser "riesigen Enttäuschung", wie er seine Nicht-Berücksichtigung später nannte, noch zwei Saisons für Augsburg und wechselte dann für zehn Millionen Euro zur PSV Eindhoven. Bis heute ist er der sechstteuerste Verkauf in der Geschichte der Fuggerstädter. Ob es an dem Graue-Maus-Image des FCA oder dem Rücktritt von Hector lag, aber erst mit seiner Ankunft in Eindhoven änderte sich Löws Meinung über Max - und dies schlagartig.

    Max legte mit fünf Vorlagen und zwei Toren in sieben Spielen bei der PSV einen Traumstart hin - und durfte mit 27 Jahren wie Vater Martin Max endlich den deutschen Adler auf der Brust tragen. Am 11. November 2020 gab er gegen Tschechien ein starkes Debüt, bereitete gar den Siegtreffer von Luca Waldschmidt vor. "Sehr, sehr gut", urteilte Löw nach dem überzeugenden 68-minütigen Stelldichein des einst zu Unrecht verschmähten Linksverteidigers mit Offensivdrang.

    Doch nur knapp eine Woche später absolvierte Max bereits sein letztes von drei Länderspielen. Denn auf das 3:1 in der Nations League gegen die Ukraine, folgte das historische 6:0-Debakel gegen Spanien. In beiden Partien durfte Max 90 Minuten lang spielen. Im Falle der Blamage gegen die Furio Roja beschrieben es die Worte "dürfen" und "spielen" aber nur ungenügend. Treffender waren "müssen" und "über sich ergehen lassen".

    In Löws Gunst stand er anschließend nicht mehr. Zwar wurde Max im März 2021 noch einmal für drei WM-Qualifikationsspiele nominiert, doch Robin Gosens und Marcel Halstenberg waren fortan gefragter. 

  • Philipp Max will mit Transfer zu Eintracht Frankfurt zur Heim-EM 2024

    Nominierungen für die EM 2021 und die WM 2022 blieben aus. Zwar blieb er in Eindhoven weiter Stammspieler, sein offensiver Output aber nahm deutlich ab. Die Nationalmannschaft? Ein Traum, der in weite Ferne rückte.

    Auch deshalb, und weil sich weder Gosens, noch Halstenberg, noch David Raum, noch der umfunktionierte Nico Schlotterbeck bei der WM 2022 in Katar wirklich nachhaltig für einen unumstößlichen Stammplatz bei der Heim-EM 2024 auf links empfahlen, versuchte Max noch einmal mit einem Transfer seine DFB-Karriere anzukurbeln. Sich nochmal ins Schaufenster für Löw-Nachfolger Hansi Flick zu stellen. 

    Er werde "alles daran setzen, um auf mich aufmerksam zu machen und vielleicht auf den Zug aufzuspringen", sagte er der Frankfurter Rundschau nach seinem Wechsel im Januar 2023 zum amtierenden Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt. Immerhin ein Champions-League-Teilnehmer und seit Jahren aufstrebender Klub in der Bundesliga. Ein größeres Rampenlicht für Max' "Riesentraum, bei einem großen Turnier dabei zu sein".

  • Philipp Max Eintracht FrankfurtGetty Images

    Philipp Max gibt sich nach Topmöller-Denkzettel selbstkritisch: "Die Wahrheit tut immer weh!"

    Nach einem zumindest persönlich und trotz einer einmonatigen Verletzungspause guten ersten Halbjahr verpflichtete die Eintracht ihn für zwei Millionen Euro fest. Doch anders als Oliver Glasner, den es zu Crystal Palace zog, war er unter dessen Nachfolger Dino Toppmöller plötzlich zumindest international außen vor. Für den Conference-League-Kader nominierte Toppmöller Max nicht, obwohl er in der Bundesliga regelmäßig, aber nicht überzeugend spielte. Aus Toppmöllers Trainerteam wurde er öffentlich angezählt. 

    Er nahm sich einen Mentaltrainer, arbeitete an seiner angeknacksten Psyche und sich selbst zurück in die Gunst von Toppmöller. "Das Wichtigste war, mal mit jemandem zu sprechen, der nicht im engsten Kreis ist. Der einem nicht die Hand auf die Schulter legt und sagt: Vielleicht sind doch die anderen schuld und nicht du. Die Wahrheit tut immer weh", sagte er über seine damalige Verfassung. 

    Satt sei er gewesen, weil er bei der PSV alle seine Ziele erreicht habe. "Ich wollte unbedingt im Europapokal spielen, ich wollte unbedingt für die Nationalmannschaft spielen, ich wollte unbedingt um Titel spielen", erklärte er. All das hatte er schon in Eindhoven geschafft, mit der PSV immerhin den Pokal und zweimal den Superpokal gewonnen. Mit dem Mentaltrainer habe er seine "innere Gier" wieder angekurbelt. 

    Der kurzfristige Lohn mit der Rückkehr in den Europapokalkader zur K.o.-Phase stellte sich ein, der langfristige jedoch nicht. In sechs der letzten zehn Ligaspiele saß Max die gesamte Spieldauer auf der Bank. Der "Riesentraum" von der Heim-EM war da schon längst kein Thema mehr. Ein Rückschlag zu viel für den Silbermedaillengewinner von 2016 mit der deutschen Olympia-Auswahl. 

  • Philipp Max: Vertragsauflösung ein Segen und Chance für den letzten großen Traum?

    Im Sommer 2024 äußerte er den Wunsch nach einem Wechsel, dem entsprach die sportliche Führung um Markus Krösche. Ein "wichtiger Bestandteil" sei Max gewesen, "ein Teamplayer", sagte Krösche. Max sprach von einer "intensiven und leidenschaftlichen Zeit, an die ich mich gerne zurückerinnern werde". 

    Er heuerte beim 20-maligen griechischen Meister Panathiaikos Athen an. Zweifelsohne ein durchaus bekannter Name im europäischen Fußball, der Glanz alter Tage ist aber mittlerweile verblasst. So wie es bei Max mittlerweile offenbar der Fall ist.

    Einen Stammplatz konnte sich der heute 32-Jährige in Athen nie erspielen, im Gegenteil. Seit Beginn der Saison stand er nicht einmal mehr im Kader. Am Ende seiner Zeit bei Panathinaikos stehen in eineinhalb Jahren ernüchternde elf Pflichtspiele und nur eine Torvorlage in 610 Minuten. Die nun erfolgte Vertragsauflösung war auch für ihn dementsprechend vielleicht ein Segen. 

    Nun kann er sich im Herbst seiner Karriere noch einmal nach einer geeigneteren Station für ein versöhnliches Ende seiner Laufbahn umsehen. Nach einem Klub, der zumindest aktuell nicht den Anspruch hat europäisch oder um Titel zu spielen. Denn dafür reicht es bei Max schlichtweg nicht mehr.

    "Irgendwann möchte ich zurück in der Bundesliga sein und meine Karriere dort ausklingen lassen", hatte Max vor Jahren einmal gesagt: "Nochmal für Schalke aufzulaufen, ist ein sehr großer Wunsch von mir."

    Doch so romantisch eine Rückkehr zu dem Verein, bei dem er so viele Jahre in der Jugend gespielt und sogar sein Bundesliga-Debüt gegeben hatte, wäre, auch bei den Königsblauen wäre er aktuell wohl maximal ein Backup. Die linke Seite besetzt immerhin Publikumsliebling Vitalie Becker. Wie Max ein Kind der Knappenschmiede und mit 20 Jahren noch längst nicht am Ende seiner Entwicklung. Dort, wo Max nun angelangt ist. 

    Die Wahrheit tut eben immer weh.

  • Philipp Max: Leistungsdaten und Statistiken in der Karriere

    VereinSpieleToreTorvorlagen
    FC Augsburg1561529
    PSV Eindhoven117820
    FC Schalke 04 II54317
    FC Schalke 04 U1949197
    Eintracht Frankfurt4215
    Karlsruher SC26-1
    FC Bayern U17241-
    Panathinaikos Athen11-1
    FC Schalke 042--
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