In einem dunklen Hinterhof der nordfranzösischen Stadt Rouen steht ein 19-Jähriger mit kräftigen Armen und schraubt an einem Auto herum. Es riecht nach Benzin, die kleine Werkstatt platzt fast vor Werkzeugen, Autoteilen und all den Dingen, die ihr bisheriges Wirken als Arbeitsstätte sonst noch angesammelt hat. Der junge Mann, unter dessen blauem Overall sich ein beachtlicher Bauch wölbt, wischt sich eine seiner langen dunklen Strähnen aus dem Gesicht, die sich aus seinem Pferdeschwanz gelöst hat, legt seinen Schraubschlüssel zur Seite, um draußen eine zu rauchen. Mehr als zwei Schachteln sind es am Tag. Dazu fast jeden Abend: Bier und Schnaps in einer der kleinen Bars, die in der Nähe seiner winzigen Wohnung liegen und in denen er mit anderen Arbeitern in rauchiger Luft gegen die Sorgen antrinkt.
Er verdient wenig, ist Kettenraucher, wiegt mehr als 100 Kilogramm und hat ein Alkoholproblem. Während er dünnen Rauch in die Abendluft der Normandie bläst, deren Blau langsam der Nacht weicht, denkt er an unbezahlte Rechnungen und an seine verpasste Chance, es bei Hajduk Split zum Fußball-Profi zu schaffen. Beschweren will er sich aber nicht. Natürlich nicht. Schließlich hat er es aus dem Elend des Jugoslawien-Kriegs ins sichere Frankreich geschafft. Er hat einen Job. Und er mag seine Teamkollegen bei Rouen, wo er zwar nur selten zum Einsatz kommt, aber sich wenigstens etwas dazuverdient. Im Jahr 1995 lebt Dado Prso das Leben der vielen anderen, die Talent mitbringen, es aber nie auf die große Bühne schaffen.




