Müller GrudaIMAGO / Jan Huebner

Dicke Transfer-Überraschung bei DFB-Hoffnungsträger: Ein "Lieblingsspieler" von Thomas Müller will zur WM und dann zum FC Bayern

Als Thomas Müller am 23. Oktober 2023 mit dem zu diesem Zeitpunkt 19 Jahre alten Brajan Gruda von Mainz 05 nach einem Bundesligaspiel das Trikot tauscht, sind die Rollen eigentlich klar verteilt. Auf der einen Seite der Weltmeister vom FC Bayern. Auf der anderen ein weitgehend unbekanntes Nachwuchstalent mit gerade einmal neun Bundesligaeinsätzen. 

Dennoch macht Müller nach dem Spiel den Eindruck, als sei es eher für ihn eine Ehre, das Trikot seines Gegners ergattert zu haben. "Vielen Dank für dein Trikot, Brajan Gruda – arbeite weiter hart, mein Freund", schreibt die Bayern-Legende in einem Instagram-Post, den er mit dem Hashtag "Gruda is a Baller" versieht.

Gut ein halbes Jahr später treffen sich die beiden im Trikot der deutschen Nationalmannschaft wieder: Gruda wird kurz vor der Heim-EM 2024 ebenso wie Rocco Reitz für einige Tage von der U21 als Trainingsgast zum A-Team beordert, zählt beim Testspiel gegen die Ukraine sogar zum Kader. Damals bekräftigt Müller sein Lob: "Wenn man ihn beobachtet, sieht man, dass er etwas Besonderes hat." Er habe sich schon bei ihrem ersten Aufeinandertreffen gedacht, dass der Linksfuß "bemerkenswert gut" sei.

  • Gruda bestätigt Interesse des FC Bayern und geht zu RB Leipzig

    Nicht ausgeschlossen, dass die Bayern-Legende diese Eindrücke auch bei den eigenen Bossen hinterlegt hat. Gerüchte um einen Wechsel zum Rekordmeister gab es jedenfalls bereits vor eineinhalb Jahren – und wie Gruda kürzlich in einem Sky-Interview bestätigte, war an diesen auch durchaus etwas dran. "Es gab natürlich am Anfang Interesse. Aber mehr kann ich dazu nicht sagen", erklärte der inzwischen 21 Jahre alte Offensivspieler. Letztlich wechselte Gruda nach 31 Pflichtspielen, vier Toren und drei Torvorlagen für Mainz 05 eben nicht nach München, sondern nach England. Er schloss sich im Sommer 2024 für 31,5 Millionen Euro Brighton & Hove Albion an und wurde damit zum teuersten Abgang in der Geschichte von Mainz 05. 

    Eineinhalb Jahre später ist das Kapitel Brighton nun aber zumindest vorerst beendet. Anstatt sich in der Premier League weiter durchzubeißen, kehrt Gruda völlig überraschend in die Bundesliga zurück. Sein Wechsel zu RB Leipzig wurde am Montag kurz vor Transferschluss offiziell.

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  • U21 Germany v U21 Spain - International FriendlyGetty Images Sport

    Brajan Gruda erlebt Stolperstart bei Brighton

    Schon bei seinem Transfer nach Brighton 2024 gab es einige Beobachter, die den Schritt als etwas früh erachteten. Das Mainzer Eigengewächs hatte sich zwar in seiner ersten Profisaison auf Anhieb einen Stammplatz erspielt, aber für einen Offensivspieler – meist als Zehner oder Rechtsaußen eingesetzt – auch keine Fabelwerte abgeliefert. 

    Wegen einer ausgerechnet bei seinem Nationalmannschaftausflug erlittenen Wadenverletzung verpasste er den Saisonstart bei Brighton nach seinem Rekordwechsel und tat sich anschließend schwer, einen Platz in der ersten Elf zu ergattern. Er stand lediglich in neun Pflichtspielen in der Startelf, 16-mal kam er von der Bank. Nur ein einziges Mal trug sich Gruda in die Torschützenliste ein. Immerhin bereitete er fünf Treffer vor, dazu zählte auch ein sehenswerter Assist beim 3:2-Sieg gegen den späteren Meister Liverpool.

  • Brajan Gruda deutet Potenzial bei Brighton an - Hürzeler sieht Verbesserungspotenzial

    Auch in der aktuellen Spielzeit hat Gruda bereits einige Glanzlichter gesetzt. Beim 2:1-Sieg gegen Manchester City am dritten Spieltag etwa erzielte er kurz vor Schluss den Siegtreffer, zeigte dabei in einer einzigen Aktion all seine Qualitäten: Nach einem Zuspiel von Kaoru Mitoma nahm er schnell Tempo auf, setzte geschickt seinen Körper ein, tanzte dann sowohl seinen Gegenspieler als auch City-Keeper James Trafford aus und schob den Ball lässig ins Tor. Beim FA-Cup-Triumph gegen Manchester United war er ebenfalls der Mann des Spiels, verhalf Brighton mit einem Tor und einer Vorlage zum 2:1-Sieg. 

    Eine Steigerung war durchaus zu erkennen, aber es reichte offenbar nicht, um sich bei Brighton nachhaltig in der Startelf festzuspielen. Das deutete auch Hürzeler Ende Dezember an: "Wir sind mit seiner Entwicklung recht zufrieden, aber er ist noch nicht da, wo wir ihn haben wollen." Besonders in einem Punkt sieht er noch Luft nach oben: "Er muss seine Gefährlichkeit im gegnerischen Strafraum verbessern, und dabei versuchen wir ihm zu helfen."

    In 20 Pflichtspielen kam er auf drei Tore und drei Torvorlagen, nur in der Hälfte der Spiele stand er in Hürzelers Startformation. Nachdem er gegen Fulham gänzlich im Kader gefehlt hatte, saß er beim jüngsten Remis gegen Everton 90 Minuten auf der Bank. Ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl für das, was nun am letzten Tag des Wintertransferfensters folgen sollte.

    Denn zumindest Grudas kurzfristige Zukunft liegt nicht mehr bei Brighton, sondern bei RB Leipzig. "Unbedingt" habe er per Leihe zu den Sachsen wechseln wollen, wird Gruda in der Pressemitteilung am Montag zitiert: "RBL ist zum einen ein absoluter Topklub in Deutschland, zum anderen passt der Spielstil perfekt zu mir." Umgekehrt wird auch für Leipzig ein lange gehegter Transfer-Traum wahr, denn die Sachsen wollten Gruda bereits 2024 holen, als er sich jedoch für den Schritt in die Premier League entschied.

  • Liverpool v Brighton & Hove Albion - Premier LeagueGetty Images Sport

    Gruda will zur WM 2026: "Wer will das nicht?"

    Nun kommt es tatsächlich zu einer Vereinigung auf Zeit, von der beide Seiten profitieren wollen. Leipzig hat in Gruda auf dem angepeilten Weg zurück in die Champions League die Offensivverstärkung gefunden, die der langfristige Ausfall von Assan Ouedraogo notwendig gemacht hat. Der U21-Vize-Europameister von 2025 selbst verfolgt mit dem spektakulären Wechsel einen großem Traum, um den er keinen Hehl macht.

    Er wolle bereits bei der WM 2026 "ein wichtiger Teil der Mannschaft" sein, hatte er nach seinem Wechsel zu Brighton verlauten lassen. Auch im jüngst erschienen Sky-Interview sprach er von seinem Ziel, noch auf den WM-Zug aufspringen zu wollen. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es kein Traum ist. Wer will keine WM spielen? Deswegen gebe ich alles und schaue, was kommt." 

    Kontakt zu Julian Nagelsmann gebe es im Moment allerdings nicht. "Ich hoffe, dass der Kontakt kommt, wenn die Leistung auf dem Platz stimmt. Dann gehe ich davon aus, dass ein Anruf reinkommt", sagte Gruda. Damals betonte er noch, dass er nicht denke, im Ausland bei Nagelsmann unter dem Radar zu laufen. 

    "Wenn die Leistung stimmt, dann spielt das keine Rolle, wo du spielst. Ich spiele nicht irgendwo, sondern in einer der Top-Ligen", sagte der 21-Jährige. Nun aber will er sich in der Bundesliga in ein besseres Schaufenster für den Bundestrainer stellen. Ein mit Blick auf seine Spielzeit bei Brighton durchaus nachvollziehbarer Gedanke.

    In Zukunft wolle Gruda außerdem "in der Champions League spielen",  "A-Nationalspieler sein" und "bei einem Top-Verein wie Bayern, Real, Barcelona oder Liverpool spielen". Was es dafür braucht, hat Grudas prominenter "Bewunderer" Thomas Müller indes bereits vor eineinhalb Jahren benannt. "Für ihn geht es jetzt um Konstanz: Wie bringe ich meine Aktionen pro Spiel und wie viele Spiele kann ich überhaupt machen", sagte der Routinier damals. 

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