GoretzkaGetty Images

Der Vergleich mit Thomas Müller hinkt gewaltig! Leon Goretzkas Zeit beim FC Bayern dürfte bald vorüber sein

Es waren keine fünf Stunden mehr bis zum Anpfiff des Champions-League-Spiels gegen die PSV Eindhoven, als die Zeit am Mittwoch um 16.43 Uhr ein Interview mit Leon Goretzka publizierte. Unter dem Titel "Ich bin unabhängig" kokettiert der 30-jährige Mittelfeldspieler darin unter anderem mit einem Wechsel ins Ausland.

  • Goretzkas Vertrag beim FC Bayern läuft im Sommer aus. In den vergangenen Monaten war er in den wichtigen Spielen meist nur Reservist. Seine Leistungen passten selten zu seinem Jahresgehalt von kolportierten 17 Millionen Euro. Entsprechend zeigten die Münchner bis dato keine ernsthaften Bestrebungen, seinen Vertrag zu verlängern. 

    In den vergangenen Tagen waren stattdessen Gerüchte aufgekommen, wonach Goretzka noch im Winter wechseln könnte. Unter anderem sollen Atletico Madrid und die AC Milan interessiert sein. Das Transferfenster schließt am Montag.

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  • Leon Goretzka stellte seine persönlichen Interessen über die der Mannschaft

    Dass sich Goretzka ob seiner Situation auch mit Blick auf die WM im kommenden Sommer Gedanken über seine Zukunft macht und diese öffentlich äußert, ist absolut legitim. Weniger legitim ist dagegen, dieses Interview derart kurz vor einem Spiel erscheinen zu lassen. Zwangsläufig sorgte das für generelle Unruhe rund um den Klub und konkret in der Spielvorbereitung. Mit dieser Aktion stellte Goretzka seine persönlichen Interessen über die der Mannschaft. 

    Dabei galt es in Eindhoven einerseits, eine Reaktion auf die erste Ligapleite gegen den FC Augsburg zu zeigen. Und andererseits, Tabellenplatz zwei zu sichern, der bis inklusive eines möglichen Halbfinals Heimrecht in jedem Rückspiel garantiert. Mit dem hart umkämpften 2:1-Sieg gelang letztlich beides, rückte aufgrund des Interviews aber in den Hintergrund. 

    Ob Goretzka in den K.o.-Spielen im Frühling noch mit dabei ist, erscheint nun völlig offen. Ausgeschlossen erscheint derweil, dass es doch noch zu einer (schon vorher höchst unwahrscheinlichen) Verlängerung kommt. Mit diesem Interview ist Goretzkas Ende beim FC Bayern praktisch besiegelt, obwohl er sich darin kurioserweise gleichzeitig noch "ehrliche" und "vertrauliche" Gespräche mit dem Klub wünscht. Bezüglich seiner verbliebenen Zeit in München meinte Goretzka zudem, dass er "enttäuscht wäre, wenn es bei mir so laufen würde wie bei Thomas Müller".

  • FC Bayern München v FC Augsburg - BundesligaGetty Images Sport

    Warum Leon Goretzkas Müller-Vergleich nicht stimmig ist

    Dieser Vergleich ist zunächst einmal etwas fragwürdig, weil Goretzka nach siebeneinhalb Jahren im Klub zwar ein äußerst verdienter Spieler ist, anders als Müller aber beileibe nicht der Kategorie Klubikone angehört. Vor allem aber, weil absolut nichts darauf hindeutet, dass es bei Goretzka "so laufen" könnte wie bei Müller.

    Zur Erinnerung: Sportvorstand Max Eberl hatte Müller vor etwa einem Jahr vorschnell einen Freifahrtschein für eine Verlängerung ausgesprochen, musste diesen auch auf Druck des mächtigen Aufsichtsrats um Uli Hoeneß aber letztlich einkassieren - und Müller den Klub im Sommer verlassen. Tatsächlich ein unwürdiges Schauspiel. 

    Goretzka wurde aber niemals eine Verlängerung in Aussicht gestellt. Stattdessen galt er schon in vorherigen Transferperioden als Verkaufskandidat, beharrte aber stets auf einer Erfüllung seines hochdotierten Vertrags. Damals habe er sich "bewusst" gegen Transfers entschieden. Und nun, wo seine Zukunft beim FC Bayern nicht mehr in seinen eigenen Händen liegt, sagte er: "Etwas Neues kennenzulernen, das würde auch mein Leben bereichern."

    In seinem Stolz gekränkt fühlte sich Goretzka derweil offenbar bei der Meldung, dass er sich selbst dem FC Barcelona angeboten habe. "Das kann ich hier und heute dementieren", sagte Goretzka. "Nein, so was ist nicht nötig." Zumindest ein Hauch Eitelkeit schwingt bei all diesen Aussagen mit.

  • FC Bayern: Welche Folgen hätte ein Abgang von Leon Goretzka?

    Eberl und Sportdirektor Christoph Freund verteidigten Goretzka in der Vergangenheit selbst nach schwachen Spielen stets öffentlich. Und auch nach Erscheinen des Interviews gaben sie sich verständnisvoll. Goretzka sei "ein sehr wichtiger Spieler für uns", sagte Freund. Und Eberl meinte: "Wenn er spielt, dann spielt er gut." Ob Goretzka die Münchner noch im Winter verlassen könnte, ließen sie derweil offen.

    Sportlich wäre ein sofortiger Abgang Goretzkas für den FC Bayern keine allzu große Schwächung. Auf der Doppelsechs sind Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic gesetzt, als mögliche Alternativen stünden Tom Bischof, Raphael Guerreiro und Konrad Laimer parat. Sie alle wurden in den vergangenen Monaten aufgrund von Verletzungen aber vorrangig auf anderen Positionen gebraucht. 

    Sofern Goretzka wechselt, verringert sich der im internationalen Vergleich ohnehin verhältnismäßig kleine Kreis an gestandenen Spielern aber weiter. Womöglich gelingt eine vorgezogene Verpflichtung von Rechtsverteidiger Givairo Read von Feyenoord Rotterdam oder eines noch nicht gehandelten Überraschungskandidaten. Falls nicht, gingen die Münchner einen Poker ein, der sich bei einer Verletzungsserie während der heißen Phase der Saison noch rächen könnte. 

    Gleichzeitig würde ein Goretzka-Abgang ohne Ersatz aber jungen Eigengewächsen wie David Santos Daiber mehr Einsatzzeiten ermöglichen. Als Vorbild dient Lennart Karl, der in der Hinrunde die Vakanz nach Kingsley Comans Abgang eindrucksvoll genutzt hat.

  • Leon Goretzka: Leistungsdaten und Statistiken in dieser Saison

    WettbewerbSpieleMinutenToreAssists
    Bundesliga181.1121-
    Champions League661--
    DFB-Pokal392--
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