Harvey ElliottGetty Images

Der beste Spieler der U21-EM musste sogar schon weinen! Bei Harvey Elliotts dramatischem Absturz zeigt sich die ganze Perversität des Profigeschäfts

Natürlich muss man es mit einer gewissen Vorsicht genießen, doch die Beweislage ist durchaus erdrückend und die Sachlage eindeutig. Englische Medien haben in den vergangenen erst vier Monaten, seitdem Harvey Elliott seine Leihe vom FC Liverpool an Aston Villa antrat, einige Berichte vorgelegt.

  • Harvey Elliott weint nach Wechsel zu Aston Villa

    Daraus geht einerseits hervor, dass der 22-jährige offensive Mittelfeldspieler, der im Sommer bei der U21-Europameisterschaft groß auftrumpfte, Englands Junioren als Kapitän zum dramatischen Finalsieg über Deutschland führte und auch dank seiner fünf Turniertore zum besten Spieler der Endrunde gekürt wurde, lange mit seiner Zukunftsperspektive haderte. Elliott soll sich den ganzen Sommer über den Kopf darüber zerbrochen haben, ob er die Reds verlassen soll oder nicht.

    Das tat er aus gutem Grund, schließlich sollen mehrere namhafte Vereine Interesse an seiner Verpflichtung gezeigt haben. Unter anderem war dabei auch von den Bundesligisten Bayer Leverkusen und RB Leipzig sowie den Premier-League-Klubs West Ham United und FC Fulham die Rede.

    Das Rennen machte allerdings Villa, das Elliott am Deadline Day verpflichtete. Als er nach Abschluss des Leihgeschäfts nach Birmingham fuhr, so heißt es, habe Elliott geweint. Weil es sich für ihn anfühlte, als habe er es bei seinem geliebten FC Liverpool nicht ganz geschafft.

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  • Everton v Aston Villa - Premier LeagueGetty Images Sport

    Harvey Elliott bei Aston Villa von Unai Emery nicht gewollt

    Dabei lief es für ihn in der letzten Saison von Jürgen Klopp so gut wie zuvor noch nie. In 53 Pflichtspielen setzte der Deutsche Elliott 2023/24 ein, 27-mal davon stand er in der Startelf. Vier Tore und starke 14 Vorlagen steuerte der 28-fache U21-Nationalspieler (14 Tore) bei. Da die Einsatzzeiten unter Arne Slot dann - auch bedingt durch einen Fußbruch zu Saisonbeginn, der ihn zwei Monate kostete - erheblich sanken (nur noch sechs Startelfeinsätze), musste eine Entscheidung her.

    Und die, so lässt es sich längst eindeutig sagen, ging vollkommen in die Hose. Und zwar für alle Beteiligten. Und es war keineswegs nur Elliotts Fehler. Denn bei Villa läuft für ihn absolut überhaupt nichts zusammen. Das hat andererseits mit den Gerüchten zu tun, wonach Villa-Trainer Unai Emery Elliott gar nicht wollte. 

    Der Spanier hätte lieber West Ham Uniteds Lucas Paqueta für das Mittelfeld verpflichtet. Sportchef Monchi, der drei Wochen nach Elliotts Verpflichtung nicht mehr im Amt war, habe Elliott aber angeblich favorisiert und dessen Leihe durchgedrückt.

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    Harvey Elliott bei Aston Villa: Eine Klausel wird ihm zum Verhängnis

    Die vertraglichen Vereinbarungen sehen dabei vor, dass eine Kaufpflicht über rund 40 Millionen Euro greift, sollte Elliott zehn Pflichtspiele für Villa bestreiten. Das ist die Grundlage für die Tragik von Elliotts Fall und belegt in seiner Gesamtheit die Perversität des Profigeschäfts: Bislang wurde er erst fünf Mal eingesetzt.

    167 Minuten stehen für Elliott seit September zu Buche, in den vergangenen 14 Ligaspielen kam er nicht eine Sekunde zum Einsatz. Auch krankheitsbedingt stand er zuletzt elf Mal in Folge gar nicht erst im Kader. Ein Absturz sondergleichen, an dem Elliott allerdings nicht die größte Schuld trägt.

    Villa will nämlich einfach nicht, dass die Klausel greift. Weil Emery ihn nie haben wollte, er ohne Elliott gut auskommt und seine gefestigte Mannschaft in dieser Saison einen echten Höhenflug hingelegt hat. Elliott und Villa ist eines der größten Missverständnisse der vergangenen Sommer-Transferperiode.

  • Harvey Elliott Aston Villa 2025Getty Images

    Harvey Elliott: Zwei Kurzeinsätze für Liverpool verschlimmern das Problem

    "Es war sehr schwierig. Zuerst die Entscheidung, den Verein zu verlassen und dann noch, den besten Verein zu finden", sagte Elliott nach seinem Wechsel: "Das Wichtigste für mich war, zu spielen. Ich muss in einem Team sein, in dem ich regelmäßig Minuten bekomme. Egal, ob ich in der Startelf stehe oder von der Bank komme. Einfach das Gefühl zu haben, dass ich mit dem Wissen in den Spieltag gehe, dass ich spielen werde."

    Ein paar Monate später klang Emery zuletzt so: "Das Problem mit Harvey ist, dass er ausgeliehen ist und wir ihn kaufen müssen, wenn er Spiele bestreitet. Wir haben vor zwei Monaten entschieden, dass wir nicht davon überzeugt sind, ihn zu verpflichten und das dafür erforderliche Geld ausgeben. Das ist weder für uns noch für ihn gut, aber so ist das im Fußball." Schon zuvor kündigte der Spanier an, Elliott werde "definitiv keinen festen Vertrag bei uns bekommen". 

    Eindeutiger geht es kaum. Doch wie geht es nun für Elliott weiter? Sein großes Problem mit Blick auf die unmittelbare Zukunft: Da er zum Saisonstart bereits in zwei Pflichtspielen sieben Minuten für Liverpool absolvierte, darf er angesichts der geltenden Regularien nicht mehr für einen dritten europäischen Verein spielen. Elliott muss entweder bleiben und wird maximal noch vier Partien bestreiten oder es geht zurück an die Mersey.

  • Southampton v Liverpool - Carabao Cup Quarter FinalGetty Images Sport

    Harvey Elliotts Schicksal macht betroffen

    Jüngst wurden Gerüchte laut, wonach Charlotte FC aus der US-amerikanischen MLS eine Leihe bis Juni anböte. Laut The Athletic hofft Villa aber, eine gänzlich neue Vereinbarung mit Liverpool zu erzielen, um die Leihe vorzeitig zu beenden. 

    Ohne die müssten die Birminghamer nämlich Geld zahlen, da die Reds keine Rückholklausel in Elliotts Vertrag verankert haben. Der Bericht behauptet zudem, dass der Mittelfeldspieler "sehr enttäuscht und unglücklich" darüber ist, wie sich die Dinge entwickelt haben.

    Dringend benötigt wird Elliott in Liverpool aber auch nicht unbedingt. Zwar kann er dank seiner Vielseitigkeit sowohl im offensiven Mittelfeld als auch auf den Außenbahnen eingesetzt werden, doch für die Flügel fehlt es ihm eigentlich an Schnelligkeit. Andererseits weilt Mohamed Salah derzeit beim Afrika-Cup, auch Cody Gakpo fehlt mit einer Muskelverletzung seit einem Monat.

    Selbstverständlich ist nicht gesagt, dass es für Elliott automatisch deutlich besser laufen würde, hätte er vor vier Monaten eine andere Entscheidung getroffen. Vergegenwärtigt man sich jedoch, welch grandiose Leistungen er noch bei der U21-EM zeigte und wie er dort vor Selbstvertrauen strotzte, macht sein Schicksal durchaus betroffen. Die Schnelllebigkeit im Fußball ist in beide Richtungen schlicht gnadenlos. 

  • Harvey Elliott: Leistungsdaten bei Aston Villa

    SpieleToreVorlagenEinsatzzeit
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