Aufgrund eines Warnstreiks standen an diesem Mittwochabend in München große Teile des öffentlichen Nahverkehrs still, dazu war es nasskalt. Passend zu den Umständen mühte sich FC Bayern im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen RB Leipzig lange, bis Mitte der zweiten Halbzeit Harry Kane per Elfmeter und Luis Diaz für die Entscheidung sorgten.
Getty Images"Das war zwar im Scherz gemeint, aber das ist wirklich so": Eine kühne Prognose zu Luis Diaz trifft beim FC Bayern ein
Tore von Kane sind längst Münchner Alltag. Bei Diaz war das einst nicht der Fall, umso bemerkenswerter ist sein aktueller Lauf. Beim 2:2 gegen den Hamburger SV vor eineinhalb Wochen brachte er den FC Bayern zwischenzeitlich in Führung. Beim 5:1 gegen die TSG Hoffenheim am Samstag erzielte er einen Dreierpack und legte zur Krönung die anderen beiden Treffer auf. Gegen Leipzig traf er somit im dritten Spiel hintereinander.
Herbert Hainer dachte wegen dieser kleinen Serie an einen flotten Spruch bei der Wiesn. "Ich kann mich erinnern, dass ich beim Oktoberfest gesagt habe, dass wir unschlagbar sind, wenn Luis Diaz noch Tore schießt", erzählte der Präsident des FC Bayern und ergänzte: "Das war zwar im Scherz gemeint, aber das ist wirklich so."
Zur Erinnerung: Aufgrund seines Arbeitseifers überzeugte Diaz zwar seit seiner Ankunft in München, dazu verzeichnete er auch immer wieder Tore und Assists. Gleichzeitig vergab er aber in höchster Regelmäßigkeit Gelegenheiten für viel mehr Tore. Just vor dem traditionellen Oktoberfest-Besuch glänzte der 29-jährige Linksaußen aus Kolumbien dann mit einem Doppelpack gegen Eintracht Frankfurt, woraufhin Hainer tönte: "Wenn Luis Diaz jetzt noch Tore schießt, sind wir nicht mehr zu schlagen."
AFPVincent Kompany gab Luis Diaz im Dezember eine Trainingspause
Trotz dieses Glanzlichts behielt Diaz seinen Ruf als Chancentod auch im weiteren Verlauf der Hinrunde. Kurz vor der Winterpause fehlte er wegen eines Platzverweises in der Champions League sowie fünf Gelben Karten in der Bundesliga für drei Spiele gesperrt. Trainer Vincent Kompany nutzte diese Gelegenheit und gab Diaz, der bis dahin kaum eine Pause bekommen hatte, für einige Tage trainingsfrei. Damit er danach "mental wieder 100-prozentig zurückkommt", wie Kompany betonte.
Ob das jetzt mit der individuellen Trainingspause zu tun hat oder nicht: Aber seitdem präsentiert sich Diaz vor dem Tor deutlich kaltschnäuziger. Pro Spiel schießt er nun im Schnitt 0,7 statt 0,57 Tore, zudem braucht er für einen Treffer weniger Schüsse und weniger Großchancen. Kapitale Aussetzer im Abschluss leistete sich Diaz zuletzt kaum noch. Ganz im Gegenteil: In den vergangenen drei Spielen machte er aus einem xG-Wert von 2,55 fünf Tore - also fast doppelt so viele, wie statistisch zu erwarten gewesen wären.
Getty Images SportLuis Diaz: Neue Kaltschnäuzigkeit, altes Energielevel
"Er erzielt auch dreckige Tore, nicht nur glamouröse", sagte Kane nach dem Sieg gegen Leipzig und meinte das selbstverständlich als Lob. Davon bekam Diaz überhaupt reichlich. "So ein toller Spieler" sei der Neuzugang des FC Liverpool, bekannte Hainer noch. "Aber nicht nur, weil er jetzt die Tore macht. Sondern auch, weil er 90 Minuten arbeitet."
Diese Fähigkeit kam Diaz trotz seiner neugewonnene Kaltschnäuzigkeit nämlich nicht abhanden. "Völlig unabhängig vom Ergebnis, egal ob wir 3:0 führen oder 2:0 hinten liegen: Der gibt immer alles, hat immer Bock auf Fußball, immer Energie, der will sich in jeden Zweikampf reinhauen, ist sich für keinen Lauf zu schade", sagte Joshua Kimmich. "Seine Fußball-Freude ist ansteckend. Das macht Spaß. Bei ihm habe ich das Gefühl, er freut sich, alle drei Tage Fußball spielen zu dürfen. Das ist schon geil."
70 Millionen Euro Ablöse überwies der FC Bayern vor der Saison für Diaz nach Liverpool. Gepaart mit seinem durchaus fortgeschrittenen Alter von damals 28 Jahren sorgte der Transfer durchaus für kritische Stimmen. Diese sind mittlerweile gänzlich verstummt, der Transfer entpuppte sich als Volltreffer. "Wir wussten was wir tun, auch wenn das am Anfang von Kritik begleitet wurde", sagte Sportvorstand Max Eberl. "Wenn jetzt manche Menschen zurückrudern müssen und sagen, doch nicht so schlecht gewesen, dann ist es in Ordnung."
Die Rekordtransfers des FC Bayern:
- Harry Kane: Kam 2023 für 95 Millionen Euro Ablöse von Tottenham Hotspur
- Lucas Hernandez: Kam 2019 für 80 Millionen Euro Ablöse von Atletico Madrid
- Luis Diaz: Kam 2025 für 70 Millionen Euro Ablöse vom FC Liverpool
- Matthijs de Ligt: Kam 2022 für 67 Millionen Euro Ablöse von Juventus
- Michael Olise: Kam 2024 für 53 Millionen Euro Ablöse von Crystal Palace

