Ehrenpräsident Uli Hoeneß vom FC Bayern München hat seine Sorge über den wachsenden Einfluss von Beratern im Fußballgeschäft geäußert. Darüber hinaus äußerte sich der 73-Jährige auch zur Situation von Joshua Kimmich beim deutschen Rekordmeister.
Getty Images"Das wäre interessant geworden": Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß trauert einer gescheiterten Maßnahme von FIFA und UEFA nach
WAS WURDE GESAGT?
"Viele Dinge gefallen mir nicht, die sich momentan in der ganzen Branche entwickeln", nahm Hoeneß im Interview mit der Münchner Abendzeitung Anlauf und legte dann los: "Gerade, was die Berater verdienen, das ist teilweise nicht in Ordnung. Das Verhältnis zwischen Arbeit und Bezahlung ist meiner Meinung nach teilweise vollkommen absurd."
Gleichzeitig seien die Vereine dem System ein Stück weit ausgeliefert. "Was willst du machen, wenn der Spieler dir sagt, es geht nur mit dem Berater? Es gäbe nur die Möglichkeit, zu sagen, wir verkaufen alle Spieler und spielen nur noch mit unserer Jugend. Aber das Schlimme ist, die Jungen haben ja auch schon alle Berater", so das Bayern-Urgestein.
Tatsächlich gab es laut Hoeneß "mal die Bemühungen der UEFA und FIFA, diese Beraterhonorare von den Spielern zahlen zu lassen, aber das ist dann irgendwie nicht durchgekommen. Das wäre interessant geworden."
WAS IST DER HINTERGRUND?
In dieser Hinsicht ist der 72-Jährige froh, dass beispielsweise Joshua Kimmich gänzlich ohne einen Berater auskommt und sich in den Verhandlungen selbst vertritt. "Ich habe ihm den Vorschlag gemacht, diese Vertragsgespräche selber zu führen. Weil es gescheiter ist, wenn er das Honorar kriegt." Bei einem Verein wie dem FC Bayern München werde man "nicht über den Tisch gezogen, da brauchst du eigentlich keinen Berater. Aber die flüstern den Spielern ja immer ein: 'Wenn Du bei mir bist, hol' ich noch mehr Geld für Dich raus'", so Hoeneß.
Darüber hinaus konnte sich der ehemalige FCB-Manager auch einen kleinen, indirekten Seitenhieb gegen Ex-Trainer Thomas Tuchel nicht verkneifen. Dass Kimmich aktuell so gut spiele und wieder ein wichtiger Teil der Mannschaft sei, liege vor allem am neuen Coach Vincent Kompany.
"Es hängt immer davon ab, wie ein Trainer einen Spieler in der Öffentlichkeit einschätzt. Wenn man permanent die Spieler, die man hat, kritisiert oder schwach redet, dann ist natürlich das Standing auch entsprechend", meinte Hoeneß. "Vincent hat offensichtlich von Anfang an zu Joshua gesagt: 'Ich baue auf dich, du bist mein Mann.' Und so spielt Kimmich jetzt auch.'"
WIE GEHT ES WEITER?
Dennoch ist eine Vertragsverlängerung des 30-Jährigen in München keineswegs in Stein gemeißelt. Wie die Sport Bild am gestrigen Donnerstag berichtete, sollen die Bayern-Bosse ihr Angebot an Kimmich mittlerweile zurückgezogen haben. Grund dafür sei das lange Zögern seitens des deutschen Nationalspielers.
Ob Kimmich, bei dem es zuletzt nach einer Vertragsverlängerung aussah, sich weiter an den deutschen Rekordmeister bindet, scheint nun aber äußerst fraglich. Dennoch ist mit dem zurückgezogenen Angebot laut Sport Bild keine Eiszeit verbunden. Vielmehr befänden sich beide Parteien demnach weiterhin in Gesprächen - unklar ist aber, ob Kimmich noch einmal auf die zuletzt gebotenen Konditionen zurückkommen kann.

