Zunächst mal dürfte Vincent Kompany mit Freude festgestellt haben, dass seine zuletzt etwas ins Stottern geratene Offensive wieder in Torlaune war. Schon vor dem frühen Platzverweis hatten die Münchner einige gute Angriffe, die laut Fotmob mit vier Abschlüssen und etwas mehr als 0,3 erwartbaren Toren (xG) zu Buche standen – und das bereits nach zwölf Minuten.
Hinzu kommt der hervorragend ausgespielte Angriff, der zum Elfmeter führte. Unabhängig davon, ob man diesen nun für gerechtfertigt hält, war das eine Großchance für die Bayern. Bis dahin hatte der amtierende Meister alles im Griff und stand nach dem 1:0 bei knapp über 1,1 xG. Hochgerechnet auf 90 Minuten wäre man damit bei über fünf xG gelandet, also dem Wert, bei dem der FCB letztlich auch in Überzahl landete.
Diese Milchmädchenrechnung ignoriert natürlich die Spieldynamik, zeigt aber, dass die Bayern offensiv sehr gut in die Partie kamen. Defensiv hingegen gibt es weiter große Fragezeichen. Obwohl in Unterzahl, kamen die Hoffenheimer am Ende auf sechs Großchancen – fünf davon in der ersten Halbzeit. In der Schlussphase des ersten Durchgangs war die TSG sogar das gefährlichere Team, kam verdient zum Ausgleich.
Grund dafür ist jedoch kein einzelner Mannschaftsteil der Bayern. Offensiv kam man zu selten zu Ballgewinnen gegen den mutigen und spielstarken Aufbau der Gäste. Dadurch entstanden defensiv automatisch Lücken, die nur schwer zu füllen waren. Auch die Breite verteidigte das Team von Kompany nur unzulänglich. Josip Stanisic und Alphonso Davies kamen mehrfach zu spät und konnten die Flanken der TSG nicht oft genug verhindern.
Und zu guter Letzt war die eigene Spielstärke nicht auf dem Level, das die Bayern schon mal hatten. Im Aufbau konnten Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic als Spielgestalter zu selten gewinnbringend eingebunden werden. Klingt nach einem 5:1-Sieg nach viel Kritik, wäre aber bei einem Spiel mit Gleichzahl wohl deutlich relevanter gewesen.