MANUEL NEUER BAYERN MÜNCHEN IMAGO / STEINSIEK.CH

Das Hoffenheim-Spiel als Argument: Warum die leidige Debatte um FC Bayerns Manuel Neuer ein Ende finden sollte

Tiefes Durchatmen in München: Der FC Bayern liefert die passende Antwort auf den sanften Druck, der aus Dortmund ausgeübt wurde. Mit 5:1 gewinnt der Tabellenführer letztlich deutlich gegen das formstarke Hoffenheim und zieht in der Bundesliga damit wieder auf sechs Punkte davon.

Gerade die erste Halbzeit wirft jedoch Fragen auf. Gegen dezimierte Hoffenheimer taten sich die Bayern erneut extrem schwer – ehe sie durch Luis Diaz erlöst wurden. Defensiv sind sie anfällig wie lange nicht mehr und offensiv brauchte es im Vergleich zum Pech in Hamburg diesmal etwas Glück. Drei Erkenntnisse zum Heimsieg des FCB.

  • Offensiv verbessert, defensiv weiter wacklig

    Zunächst mal dürfte Vincent Kompany mit Freude festgestellt haben, dass seine zuletzt etwas ins Stottern geratene Offensive wieder in Torlaune war. Schon vor dem frühen Platzverweis hatten die Münchner einige gute Angriffe, die laut Fotmob mit vier Abschlüssen und etwas mehr als 0,3 erwartbaren Toren (xG) zu Buche standen – und das bereits nach zwölf Minuten.

    Hinzu kommt der hervorragend ausgespielte Angriff, der zum Elfmeter führte. Unabhängig davon, ob man diesen nun für gerechtfertigt hält, war das eine Großchance für die Bayern. Bis dahin hatte der amtierende Meister alles im Griff und stand nach dem 1:0 bei knapp über 1,1 xG. Hochgerechnet auf 90 Minuten wäre man damit bei über fünf xG gelandet, also dem Wert, bei dem der FCB letztlich auch in Überzahl landete.

    Diese Milchmädchenrechnung ignoriert natürlich die Spieldynamik, zeigt aber, dass die Bayern offensiv sehr gut in die Partie kamen. Defensiv hingegen gibt es weiter große Fragezeichen. Obwohl in Unterzahl, kamen die Hoffenheimer am Ende auf sechs Großchancen – fünf davon in der ersten Halbzeit. In der Schlussphase des ersten Durchgangs war die TSG sogar das gefährlichere Team, kam verdient zum Ausgleich.

    Grund dafür ist jedoch kein einzelner Mannschaftsteil der Bayern. Offensiv kam man zu selten zu Ballgewinnen gegen den mutigen und spielstarken Aufbau der Gäste. Dadurch entstanden defensiv automatisch Lücken, die nur schwer zu füllen waren. Auch die Breite verteidigte das Team von Kompany nur unzulänglich. Josip Stanisic und Alphonso Davies kamen mehrfach zu spät und konnten die Flanken der TSG nicht oft genug verhindern.

    Und zu guter Letzt war die eigene Spielstärke nicht auf dem Level, das die Bayern schon mal hatten. Im Aufbau konnten Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlovic als Spielgestalter zu selten gewinnbringend eingebunden werden. Klingt nach einem 5:1-Sieg nach viel Kritik, wäre aber bei einem Spiel mit Gleichzahl wohl deutlich relevanter gewesen.

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  • bayern-luis-diaz(C)Getty Images

    Luis Diaz ist der Inbegriff von Konstanz

    Dass darüber letztlich nicht allzu viel diskutiert werden wird, lag vor allem an einem bärenstarken Diaz. Der Kolumbianer war an allen fünf Treffern direkt beteiligt. Die beiden Elfmeter holte er mit guten Laufwegen und Dribblings heraus, die restlichen drei Tore erzielte er selbst.

    Diaz unterstreicht abermals seine Bedeutung für den FC Bayern. Mittlerweile steht er bei 32 Torbeteiligungen in 30 Einsätzen und ist alle 76,8 Minuten direkt an einem Treffer seines Teams beteiligt. Das ist eine unglaubliche Quote, aber vor allem glänzt der 29-Jährige durch ständige Verfügbarkeit. Er ist fast nie verletzt oder krank, spielt auf einem konstant hohen Niveau. Das dürfte der größte Unterschied zu seinen Vorgängern sein.

    Diaz ist aggressiv gegen den Ball, holt sich Bälle zurück und ist in allen Phasen eines Spiels präsent. Gegen Hoffenheim war er der Hauptgrund dafür, dass das Spiel überhaupt in Richtung der Bayern kippte. Ohne seine beiden starken Einzelaktionen hätte es zur Pause wahrscheinlich 1:1 gestanden.

  • MANUEL NEUER BAYERN MÜNCHEN IMAGO / Lackovic

    Baumann zeigt, warum die Neuer-Diskussionen beim DFB unnötig sind

    Das Gegentor ging dabei klar auf die Kappe von Manuel Neuer. Der einstige Welttorhüter machte abseits dieser Szene ein ordentliches Spiel, parierte zwei-, dreimal in brenzligen Szenen. Aber er ist eben auch immer wieder gut für Momente wie jenem vor dem Ausgleich der TSG.

    Sein viel zu kurz geratener Chipball brachte Andrej Kramaric frei vor das Tor. Neuer ist längst nicht mehr fehlerfrei und hat anders als Diaz eben nicht mehr die notwendige Konstanz, um noch zu den Besten zu zählen.

    Mit Jonas Urbig haben die Münchner bereits einen Ersatz, der in der jüngeren Vergangenheit andeutete, das Erbe antreten zu können. Vor allem aber zeigte das direkte Duell zwischen Neuer und Oliver Baumann am Sonntag, warum die Debatten um eine Rückkehr des bald 40-Jährigen (am 27. März) in das Tor des DFB-Teams völlig unnötig sind.

    Denn bis auf das Endergebnis entschied Baumann dieses Duell für sich. Der Hoffenheimer parierte mehrfach spektakulär, zeigte gegen das hohe Pressing der Bayern aber auch, dass er eine gewisse Spielstärke mitbringt. Seine Abgezocktheit, seine Qualität auf der Linie und seine ruhige Art dürften ihn spätestens nach der erneuten Verletzung von Marc-Andre ter Stegen zum Topfavoriten auf den Platz zwischen den Pfosten machen.

    Um Neuer hingegen sollte es endlich ruhiger werden. Der Bayern-Keeper hatte nicht nur selbst mehrfach Wind aus den Segeln dieser Diskussion genommen, indem er sich klar dazu äußerte. Er hat auch schlichtweg nicht mehr die Qualität, um bei einer WM für ein Team aufzulaufen, das große Ambitionen hat. Das wiederum sollte auch beim FC Bayern dafür sorgen, genau über die kommende Saison nachzudenken.

  • FC Bayern München - Spielplan: Die nächsten Spiele des FCB

    DatumUhrzeitBegegnung
    Mittwoch, 11. Februar20.45 UhrFC Bayern - RB Leipzig (DFB-Pokal)
    Samstag, 14. Februar15.30 UhrSV Werder Bremen - FC Bayern (Bundesliga)
    Samstag, 21. Februar15.30 UhrFC Bayern - Eintracht Frankfurt (Bundesliga)
    Samstag, 28. Februar18.30 UhrBVB - FC Bayern (Bundesliga)
    Freitag, 6. März20.30 UhrFC Bayern - Borussia Mönchengladbach (Bundesliga)
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