Tottenham Hotspur v Aston Villa - Premier LeagueGetty Images Sport

Bricht die Zeit des ewigen Hoffnungsträgers an? Warum es für Ex-Bayern-Stürmer Mathys Tel nach dem üblen Nackenschlag besser läuft

Es war ein durchaus ungewöhnlicher Vorgang. Nach seiner halbjährigen Leihe vom FC Bayern verpflichtete Tottenham Hotspur Mathys Tel im Sommer für 35 Millionen Euro fest. Obwohl der 20-jährige Stürmer aus Frankreich damit der drittteuerste Neuzugang der Transferphase war, berief ihn Trainer Thomas Frank überraschenderweise dennoch nicht in den 25-köpfigen Kader für die Champions League.

  • "Ich war viele Wochen lang sehr, sehr wütend", sagte Tel im Oktober dem Telegraph. "Aber ich dachte mir: 'Nutze das und zeige ihm, dass du in den Kader musst.' Schlechte Dinge helfen mir mehr als gute, um besser zu werden." 

    Unterstützung in dieser schwierigen Zeit bekam Tel von seinem Ex-Kollegen Harry Kane. "Er hat mir sehr geholfen", verriet Tel. "Erst vor vier Tagen hat er mir eine Sprachnachricht geschickt und wir haben gemeinsam darüber gesprochen, wie ich mich verbessern kann, im Abschluss und in der Positionierung im Strafraum. Er sagte mir: 'Wann immer du willst, ruf' mich einfach an oder schreib' mir eine SMS und wir reden. Egal, ob du über Fußball reden willst oder nicht, sondern über das Leben, ich bin immer für dich da.'" 

    Chancen darauf, Kanes Tipps auf den Platz zu übertragen, bekam Tel zunächst kaum. In der Premier League und den anderen Cup-Wettbewerben reichte es meist nur zu Kurzeinsätzen - oder er saß sogar komplett auf der Bank. Bis zum Neujahrstag absolvierte Tel wettbewerbsübergreifend 429 Minuten. Zum Unverständnis vieler Fans, denn auch seine Kollegen überzeugten kaum und Tottenham rutschte bis auf Platz 14 ab. Die vorläufige Wende brachten aber weniger die Rufe der Fans, als eher die Entwicklungen in Tottenhams Kader.

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  • Tottenham Hotspur v Doncaster Rovers - Carabao Cup Third RoundGetty Images Sport

    Mathys Tel: Zweimal Startelf - und das dritte Saisontor

    Nachdem Dominic Solanke wegen seiner Knöchelverletzung 60 Tage lang ausgefallen war, durfte Frank im Dezember einen Spieler in den Champions-League-Kader nachnominieren und entschied sich für Tel. Dann verkaufte Tottenham Brennan Johnson für 40 Millionen Euro Ablöse an Crystal Palace. Dann verletzte sich Mohammed Kudus, seines Zeichens der zweitteuerste Sommer-Neuzugang. 

    "Ich denke, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass wir vielleicht zu wenige Optionen in der Offensive haben", klagte Frank. Ein bisschen Kritik an den eigenen Spielern, ein bisschen Forderung nach Winter-Neuzugängen. Vor allem Tels Paradeposition auf dem linken Flügel habe sich laut Frank "niemand so richtig geschnappt". Mit mäßigem Erfolg probierte der dänische Trainer dort unter anderem Wilson Odobert, den nun verkauften Johnson und die eigentlich andernorts besser aufgehobenen Randal Kolo Muani und Xavi Simons. Tel wurde zuletzt mit einem Leih-Abgang in Verbindung gebracht. Die AS Roma und Galatasaray Istanbul sollen interessiert sein. 

    Mangels Alternativen durfte er am Sonntag gegen den AFC Sunderland (1:1) aber auf dem linken Flügel beginnen, es war sein erster Startelfeinsatz seit Oktober und überhaupt erst sein vierter in dieser Saison - und Tel gefiel. "Es war eine positive Leistung von Mathys", lobte Frank und gab ihm am Mittwoch gegen den AFC Bournemouth gleich die nächste Chance. Nach einem tollen Sololauf erzielte Tel die zwischenzeitliche Führung, sein drittes Tor in dieser Saison. Bayern-Leihgabe Joao Palhinha traf später noch per Fallrückzieher, Tottenham verlor aber dennoch mit 2:3. 

    Schnappt sich Tel jetzt langfristig den Startelfplatz auf dem linken Flügel? Muss er gar nicht verliehen werden für regelmäßigere Spielpraxis? Ausgeschlossen ist eine Winter-Leihe nicht. Zudem ist es gut möglich, dass Tottenham noch Verstärkungen für die Offensive verpflichtet. Fürs Erste aber hat sich seine Situation klar verbessert. Womöglich bricht jetzt die große Zeit des ewigen Hoffnungsträgers an.

  • Mathys Tel FC Bayern 2024Getty

    Mathys Tel wechselte nach einem Sinneswandel zu Tottenham

    Tel wechselte 2022 im Alter von 17 Jahren für 20 Millionen Euro von Stade Rennes zum FC Bayern. Phasenweise überzeugte er in München als treffsicherer Joker, zu mehr sollte es aber nicht reichen. Nach einer enttäuschenden Hinrunde ging es vor einem Jahr um seine Zukunftsaussichten beim FC Bayern.

    "Wir haben uns im Dezember mit ihm hingesetzt und die Hinrunde Revue passieren lassen. Vinnie (Trainer Kompany), Christoph (Sportdirektor Freund), sein Berater und er saßen mit am Tisch. Wir haben über alles gesprochen, auch da schon über die Möglichkeit einer Leihe", berichtete Sportvorstand Max Eberl kurz vor Ende der letztjährigen Winter-Transferphase. "Mathys hat damals entschieden, er möchte bleiben und sich durchsetzen. Deshalb haben wir gesagt, es gibt keine Leihe. Jetzt kommt Mathys und sagt, er kann sich doch vorstellen, was zu tun."

    Der Sinneswandel erfolgte nach drei Spielen ohne Einsatz und ganz kurz vor Ablauf der Transferphase. "Jetzt sind wir Ende Januar und jetzt ist es für alle Beteiligten ein bisschen schwierig", klagte Eberl. An Interessenten mangelt es jedenfalls nicht. "Es passiert ehrlicherweise ganz selten, dass sich so viele Vereine melden." Angeblich bemühten sich neben Tottenham auch der FC Chelsea, der FC Arsenal, Manchester United, Olympique Marseille, Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt um Tel.

    Die Wahl fiel schließlich auf Tottenham. Wobei Chelsea-Vertreter ihn angeblich noch am Münchner Flughafen umstimmen wollten - vergeblich. Am Deadline Day liehen ihn die Spurs für eine Gebühr von zehn Millionen Euro aus. In der Rückrunde begann Tel zwar regelmäßig und deutete sein unbestrittenes Potenzial an. Große Glanzlichter setzte er aber keine, am Ende standen drei Treffer zu Buche. Und der Titel in der Europa League, im Finale kam Tel aber nicht zum Einsatz. Tottenham reichten die Eindrücke, um ihn für 35 Millionen Euro fest zu verpflichten.

  • Mathys Tel: Seine Karrierestationen

    • 2021 bis 2022: Stade Rennes (10 Spiele, 0 Tore)
    • 2022 bis 2025: FC Bayern (83 Spiele, 16 Tore)
    • seit 2025: Tottenham Hotspur (38 Spiele, 6 Tore)
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