Sisphiwe Tshabalala South Africa Mexico World Cup 2010Getty

Südafrikas WM-Held Siphiwe Tshabalala: Der Mann, dessen Tor Geschichte schrieb


HINTERGRUND

Tosende Vuvuzelas, laute "Bafana Bafana"-Rufe von den Rängen und die Hoffnung eines ganzen Landes zentrieren sich am 11. Juni 2010 auf das Spielfeld des Soccer-City-Stadium in Johannesburg. Zum ersten Mal ist die WM in Afrika zu Gast, Südafrika eröffnet gegen Mexiko. Erwartungen und Euphorie sind riesig. Bis zur 55. Minute passiert wenig. Es ist ein nervöses Abtasten zum Auftakt der Endrunde. Die Ruhe vor dem Sturm, gewissermaßen. Dieser bricht los, als Kagisho Dikgacoi im Mittelfeld nach einem Doppelpass den Ball zurückbekommt und mit einem Geniestreich einen kleinen Mann mit langen Dreadlocks auf der linken Außenbahn auf die Reise schickt.

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Dort entwischt der 1,70-Meter-Mann Siphiwe Tshabalala seinem Gegenspieler, nimmt den Ball geschickt mit und jagt ihn von der Strafraumgrenze mit einem Gewaltschuss in den rechten Torgiebel. Das Stadion tobt, als der Torschütze mit seinen Teamkollegen an der Eckfahne zum Jubeltanz ansetzt.

Mit diesem traumhaften Treffer wurde die WM 2010 für Südafrika nicht nur optimal eröffnet, nein, dieses 1:0 hatte gar historischen Charakter: Tshabalalas Tor war das erste auf afrikanischem Boden erzielte bei einer Weltmeisterschaft. Plötzlich war der Flügelflitzer weltweit bekannt und wurde zum Hoffnungsträger am Kap der Guten Hoffnung.

Doch es sollte an jenem Tag noch einen entscheidenden Dämpfer geben. Mexiko-Legende Rafael Marquez glich für seine Farben knapp zehn Minuten vor Schluss aus und ließ Bafana Bafana trotz guter Leistung nur mit einem Punkt dastehen. An jenem Tag überwog dennoch die Euphorie in einem Land, das der ganzen Welt seine Lebensfreude demonstrierte, auch wenn der verpasste Auftaktsieg in der Endabrechnung das Aus in der Gruppenphase bedeutete.

Für Tshabalala bleibt es der größte Tag seiner Karriere. Schlagartig änderte sich für den damals 25-Jährigen alles. "Mein Leben hat sich seit diesem Tor sehr stark verändert. Die Menschen begegnen mir mit Respekt, weil ich an der WM teilgenommen habe und weil ich dieses Tor geschossen habe", erklärte er knapp ein Jahr später gegenüber FIFA.com. "Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich dabei war."

Er führte aus: "Ich wurde an Orte eingeladen, von denen ich mir nicht einmal in meinen kühnsten Träumen vorstellen konnte, jemals dort zu sein", so Tshabalala im Interview mit The South African. "Mit diesem Treffer verbinde ich so viele Erinnerungen. Es war einzigartig zu sehen, wie dadurch die Leute in Südafrika zusammengeführt wurden – nur des Sports wegen."

Man ging davon aus, dass für den damals 25-Jährigen nach der WM ein Wechsel nach Europa folgen sollte. Mehrere Klubs streckten ihre Fühler nach dem Linksfuß aus. Bereits während des Turniers wurden unter anderem Hannover 96, Wigan Athletic und sogar Paris Saint-Germain mit dem späteren Fußballer des Jahres seines Landes in Verbindung gebracht.

Sisphiwe Tshabalala South Africa Mexico World Cup 2010Getty

Tshabalala wollte nach Europa und war sich sicher, dass sein Wunsch auch ihn Erfüllung gehen würde. Spätestens im Januar 2011. Damals absolvierte er ein Probetraining bei Nottingham Forest und äußerte sich im Anschluss mehr als optimistisch über einen Wechsel im Sommer. "Das Probetraining war aufregend", so 'Shabba' – wie er in Südafrika liebevoll genannt wird – gegenüber KickOff.com. "Wenn ich ihn ein paar Monaten zurückkomme, will ich gleich einen guten Start hinlegen. Ich freue mich darauf."

Doch die Rechnung hatte er wohl etwas voreilig und ohne die Verantwortlichen des Klubs gemacht. Wenige Tage nach den Aussagen Tshabalalas wurde ein bevorstehender Wechsel von den Engländern dementiert. Man habe sich den Offensivspieler angesehen und werde seine weitere Entwicklung beobachten, hieß es damals. Zu einem Wechsel kam es letztlich nicht.

In der Folgezeit gab es dennoch immer wieder Gerüchte um den Südafrikaner. Besiktas, Crystal Palace oder die Glasgow Rangers sind dabei nur einige Namen von Klubs, die gehandelt wurden. Doch bis heute schnürt er seine Schuhe für die Kaizer Chiefs, wie es auch 2010 schon der Fall war.

"Abgesehen davon, dass sich kein Transfer ins Ausland ergeben hat, lief alles sehr gut für mich", sagte er diesbezüglich bereits vor einigen Jahren. Mittlerweile hat er sich beim Klub in Johannesburg längst einen Legendenstatus erarbeitet. 338 Pflichtspiele hat er für die 'Glamour Boys' absolviert und dabei nicht nur 54 Tore erzielt, sondern auch 86 Treffer vorbereitet. Neben seiner Auszeichnung als Südafrikas Fußballer des Jahres 2010 stehen auch zwei Meistertitel und ein Pokalsieg in der Vita des mittlerweile 33-Jährigen.

Tshabalala hat noch ein großes Ziel mit Südafrika

Doch ein großes Ziel hat Tshabalala noch. Exakt drei Jahre nach seinem geschichtsträchtigen Treffer standen bereits 78 Länderspiele auf seinem Konto und nach seinen Vorstellungen sollten noch mindestens 22 weitere dazukommen.

"Ich werde von Spiel zu Spiel schauen und hoffe natürlich darauf, die magische Marke von 100 Länderspieleinsätzen zu erreichen", sagte er. Noch ist diese Marke nicht geknackt, aktuell steht er bei 91 Partien für die Bafana Bafana. Ab 2014 spielte er drei Jahre lang keine Rolle in der Nationalelf, seit November 2017 gibt es jedoch wieder Hoffnung für Tshabalala. Nationaltrainer Stuart Baxter nominierte ihn nicht nur für den Kader, sondern verhalf ihm auch zu seinem 91. Einsatz.

Unabhängig davon, ob Tshabalala am Ende auf 100 Länderspiele kommen wird oder nicht, hat er seinen Platz in der Geschichte des afrikanischen Fußballs sicher. Als erster Spieler, der bei einer Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent erfolgreich war. Mit einem Tor, das einem Gemälde gleicht und in jedem Rückblick einen Platz verdient hat.

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