Robert Lewandowski schießt den FC Bayern zum Supercup: Was zu beweisen war

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Robert Lewandowski wurde zuletzt immer wieder für alle möglichen Verfehlungen kritisiert. Gegen Frankfurt beweist er es seinen Räsoneuren.


HINTERGRUND

Eigentlich hatte Thomas Müller vollkommen recht, als er im Anschluss an das 5:0 des FC Bayern bei Eintracht Frankfurt süffisant grinsend vor die Journalisten-Schar trat, die sich am späten Abend um die Abgrenzungsständer im Bauch der Commerzbank-Arena versammelt hatten: "Robert muss niemandem seine Klasse beweisen." Müller sagte das, weil er zu seinem Teamkollegen Robert Lewandowski befragt wurde, der die Münchner mit drei Treffern quasi im Alleingang auf die Siegerstraße manövriert hatte, ehe Kingsley Coman und Thiago noch zwei weitere Tore nachlegten und Niko Kovac letztlich die erste Trophäe als Bayern-Trainer in den sternenklaren Himmel stemmen durfte.

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Nein, ein Angreifer, der dreimal Torschützenkönig der Bundesliga wurde, hat seine Qualitäten hinlänglich nachgewiesen, ist letztlich über jeden Zweifel erhaben. Wer könnte Müller da widersprechen? Und doch wird der Pole immer wieder instrumentalisiert, um etwaige Missstände beim deutschen Rekordmeister aufzuzeigen. Die Vorwürfe gegen ihn sind mannigfaltig, mal mehr, mal weniger fundiert: Ausbleibende Treffsicherheit in den wirklich wichtigen Spielen, also ab Champions-League-Viertelfinale aufwärts, bockiges Lamentieren, wenn die Mitspieler ihm nicht auch noch das heiß ersehnte 30. Saisontor auflegen oder die Endlosschleife aus Abwanderungsgedanken verkünden, um vom Arbeitgeber immer wieder in die Schranken namens "Vertragslaufzeit bis 2021" gewiesen zu werden.

Niko Kovac spricht endgültiges Machtwort im Fall Robert Lewandowski

All das löste in der Vergangenheit Kritik aus. Dass Kovac in der vergangenen Woche das wirklich endgültigste aller bisher diesbezüglich ausgesprochenen Machtworte gesprochen hatte, schien sich positiv auf das Leistungsvermögen des Angreifers ausgewirkt zu haben. Er zähle "sicherlich zu den drei besten Angreifern weltweit", erklärte Kovac am Dienstag im Rahmen des Trainingslagers am Tegernsee und ergänzte: "Wir werden ihn daher mit Sicherheit nicht abgeben. Das ist die Aussage, die ich ihm mitgegeben habe. Robert hat das akzeptiert."

FC Bayern Supercup 120818

Ebenjene neugewonnene Akzeptanz spiegelte sich gegen die SGE auf dem Platz wider. Unnachahmlich nickte Lewandowski zunächst eine punktgenaue Kimmich-Flanke ein (21.), nur wenige Minuten später traf er abermals per Kopf nach einer Ecke von Arjen Robben und bestrafte das Herumirren des neuen Frankfurter Schlussmannes Frederik Rönnow eiskalt (26.). In beiden Fällen legte der 29-Jährige symbolisch die Hände an die Ohren, um seinen Kritikern zu signalisieren: "Wo seid ihr jetzt? Ich kann Euch nicht hören." Kurz nach der Pause ließ er Gegenspieler David Abraham, der schon beim ersten Lewy-Tor nicht sonderlich glücklich agiert hatte, abermals alt aussehen und schob in der Folge freistehend ein, avancierte spätestens in diesem Moment zum Mann des Spiels (54.).

Thomas Müller: "Das war eine tolle Antwort"

Szenen, die nicht nur beim Bayern-Anhang, sondern auch bei Verantwortlichen und Mannschaftskameraden für große Freude sorgten. "Das war die richtige Reaktion, das habe ich ihm gewünscht. Lewandowski ist für mich einer der besten, wenn nicht sogar der beste Stürmer der Welt. Das hat er heute wieder gezeigt“, freute sich beispielsweise Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach der Begegnung in der Mixed-Zone,

Müller stimmte in die Lobeshymnen ein: "Das war eine tolle Antwort von ihm auf die Kritik und Attacken. Wir müssen schauen, dass er zu 100 Prozent da ist, dann ist er für uns enorm wichtig. Und deshalb gibt der Verein ihn auch nicht ab.“ Trainer Kovac gab auf der Pressekonferenz zu Protokoll: "Über Robert muss ich gar nicht allzu viele Worte verlieren. Er ist ein Weltklasse-Stürmer, das hat er heute wieder einmal bewiesen.“

Wie viele Worte Kovac in den beiden persönlichen Telefongesprächen mit Lewandowski verloren hatte, ist nicht überliefert. Was allerdings auf der Hand liegt, ist, dass sie offensichtlich einen Nerv getroffen haben. Kein resignierendes Abwinken, kein minutenlanges Hadern, das sich gerne mal in Selbstgesprächen und Kopfschütteln äußert. In Frankfurt glänzte der Stürmer mit Leidenschaft und Engagement.

Robert Lewandowski David Abraham Eintracht Frankfurt

So viel Engagement, dass er mehrfach mit Dauerrivale Abraham aneinandergeriet, der sich nach einem Frust-Ellenbogenschlag gegen Lewandowski beim Stand von 0:4 aus Sicht des amtierenden Pokalsiegers nicht über einen Platzverweis hätte beschweren können. "Ich kann Roberts Aufregung verstehen. Das war nicht okay“, sagte Salihamidzic, der nach der harten Attacke des Eintracht-Innenverteidigers von der Bank aufgesprungen war und danach eine Rudelbildung par excellence zu sehen bekam.

Lewandowski verließ den Pulk in der Folge, nicht, ohne seinem Lieblingswidersacher an diesem Abend noch einen bösen Blick zuzuwerfen, bevor er sich seinen wohlverdienten Applaus des mitgereisten Anhangs und eine herzliche Kovac-Umarmung abholte. Nach dem Spiel wollte sich der Matchwinner gegenüber der wartenden Presse nicht äußern. Nachdem er im Innenraum einem Trikottausch-Wunsch von Carlos Salcedo nachgekommen war, verschwand der ehemalige Dortmunder zufrieden in der Kabine. Manchmal ist es eben besser, Taten sprechen zu lassen.

Selbst wenn man gar nichts mehr beweisen muss.

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