***GER ONLY*** Niko und Robert Kovac Eintracht Frankfurt

Robert Kovac vor Duell mit Bald-Arbeitgeber FC Bayern München: Der Schattenmann


HINTERGRUND

Es war ein Bild mit Symbolcharakter: Während Niko Kovac mit hellblauem Hemd, sandfarbenen Chinos und übergeworfenem Strickpullover dandyhaft an der Seitenlinie der Schalke Arena auf und ab tigerte, sich hinkniete, immer wieder Anweisungen gab, saß Robert, sein Bruder, zumeist stoisch auf der Bank hinter ihm. Im Trainingsanzug. Nur einmal ließ er sich zu einem Gefühlsausbruch hinreißen. In dem Moment, als Schiedsrichter Robert Hartmann die DFB-Pokal-Begegnung zwischen Schalke 04 und Eintracht Frankfurt beendete und den Final-Einzug der Adlerträger besiegelte.

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Die Rollen in der Öffentlichkeit und auf dem Papier sind klar geregelt. Niko ist Cheftrainer, steht im Rampenlicht, Robert agiert als sein Assistent im Schatten. In dieser Funktion wird der Kroate seinen Bruder auch zum FC Bayern begleiten, wo Niko ab Juli die Geschicke als Übungsleiter von Jupp Heynckes übernimmt.

***GER ONLY*** Niko und Robert Kovac Eintracht Frankfurt

Die Tatsache, dass auch Robert im Sommer an die Isar zurückkehrt, wo er sich zwischen 2001 und 2005 als beinharter Innenverteidiger einen Namen machte, wird bisweilen gerne als mediale Randnotiz behandelt. "Ich fühle mich wohl in dieser Rolle, ich arbeite gerne im Hintergrund", erklärte er jüngst in einem seiner rar gesäten Interviews mit der Frankfurter Rundschau und führte aus: "Ich möchte mich auch gar nicht nach vorne drängen, es gefällt mir so, wie es ist." Das Dasein als Co-Trainer entspräche mehr seinem "Naturell", sagt er. "Ich bin nicht die Person, die gerne in der Öffentlichkeit steht und da alles erklären muss."

Robert Kovac: "Niko ist etwas ernster, ich war immer eher der lockere Typ"

Nichtsdestotrotz ist sein Schaffen elementar für die rasante Entwicklung seines zwei Jahre älteren Bruders als Coach. Robert hält Niko den Rücken frei, fungiert vor allem als Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainer. "Ich bin anders als mein Bruder, Niko ist etwas ernster, ich war schon immer eher der lockere Typ. Ich denke, das passt auch so in die ganze Situation. Ich versuche, mit einer gewissen Lockerheit mit den Spielern zu sprechen. Ich denke, ich kann ganz gut mit den Jungs umgehen."

Ganz ähnlich beschrieb auch Kevin-Prince Boateng die Situation in der Kabine, unterteilte die Geschwister in "Good Guy" Robert und "Bad Guy" Niko. "Robbi ist locker, eher der, der auch mal Witze macht. Niko ist eher der Strenge. So spielen sie das aus", so Boateng im Vorfeld des Endspiels in seiner Heimatstadt Berlin.

Zurück zu den Wurzeln, zurück nach Berlin

Nicht nur für den ehemaligen ghanaischen Nationalspieler ist die Begegnung mit den Bayern in der Hauptstadt eine Rückkehr zu den Wurzeln, auch die Kovac-Brüder stammen aus der Spree-Metropole, wuchsen sogar im selben Stadtteil auf wie Boateng. Im Wedding. Bereits in jungen Jahren kristallisierte sich heraus, inwiefern sich die beiden unterscheiden.

Im Schillerpark kickten sie als Kinder von morgens bis abends, ehe ein Jugendtrainer des hiesigen Klubs Rapide Anfang der 1980er Jahre auf das Duo aufmerksam wurde und zum Training einlud. Manuel Gräfe, heute Bundesliga-Schiedsrichter, spielte damals mit Robert zusammen: "Robert war technisch der bessere Fußballspieler, Niko war dafür cleverer. Ein Anführer und Stratege", verriet Gräfe dem Tagesspiegel.

Ihren Weg als Profis gingen beide. Niko blieb zunächst in der Heimat, bei der Hertha, Robert zog es zum 1. FC Nürnberg, wo er von Hermann Gerland gefördert wurde. Im Anschluss kreuzten sich die Wege des Gespanns aber wieder: 1996 wechselten beide zu Bayer Leverkusen, im Sommer 2001 zog es Niko, der zwischenzeitlich beim Hamburger SV angeheuert hatte, und Robert nach München.

***GER ONLY*** Juventus Robert KovacRobert Kovac (obere Reihe, 2. v. r.) im Trikot von Juventus

Aufgrund starker Leistungen im Abwehr-Zentrum avancierte Robert in der Folge zum international gefragten Mann. 2005 schloss er sich Juventus Turin an, spielte im Piemont mit Größen wie Gianluigi Buffon, Lilian Thuram, David Trezeguet, Alessandro Del Piero, Pavel Nedved oder Zlatan Ibrahimovic zusammen. "Ibra ist ein lieber, netter Junge. Ich bin super mit ihm klargekommen. Ein Weltklassestürmer", verriet Kovac der Frankfurter Rundschau.

Ihre Fußballschuhe hingen Robert und Niko nicht gleichzeitig an den Nagel. Niko hörte 2009 bei RB Salzburg auf, machte im Anschluss sofort weiter als Trainer der Junioren, Robert ließ seine Karriere 2010 bei Dinamo Zagreb ausklingen. Sein erster Job als Coach ließ allerdings deutlich länger auf sich warten, erst drei Jahre später unterschrieb er gemeinsam mit Niko ein dahingehendes Engagement beim kroatischen Verband. Zunächst als U21-Trainer, neun Monate später folgte die Beförderung der beiden, weil Igor Stimac seinen Platz als Trainer der A-Auswahl räumen musste.

"Extremer Druck" bei der kroatischen Nationalmannschaft

Erstmals also die große Bühne. Nicht auf, sondern neben dem Spielfeld. "Extremen Druck", habe Robert in Kroatien gespürt. "Wir haben ein Spiel verloren und wurden entlassen. Okay, das hatte auch andere Gründe", erinnerte sich der mittlerweile 44-Jährige. Besagte Niederlage ereignete sich Anfang September 2015 im EM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen, bei der WM 2014 in Brasilien waren die Kockasti unter der Leitung Kovac/Kovac schon in der Vorrunde gescheitert.

Neun Monate später klingelte dann die SGE durch, wollte Niko und Robert im Doppelpack an den Main holen, um den Tradtionsverein vor einem drohenden Abstieg in die zweite Liga zu bewahren. Dort habe sich das gute Verhältnis zu Niko noch einmal verfestigt. "Wir sehen uns auf Augenhöhe, das letzte Wort hat er, aber das ist ja klar, er ist der Cheftrainer, so muss das auch sein", sagte Robert der Frankfurter Rundschau und schob nach: "Wir diskutieren über alles, wir haben dieseleben Ansichten über den Fußball, haben auf ähnlichem Niveau selbst Fußball gespielt und den gleichen Werdegang. Deshalb ergänzen wir uns sehr gut. Unser Verhältnis ist eigentlich noch besser geworden, was aber gewiss auch mit dem Alter zu tun hat."

So gut es letztlich insgesamt in Frankfurt lief, die endgültige Feuerprobe für Niko und Robert steht erst noch bevor. Wenn es zu einem der größten Klubs der Welt, zum FC Bayern, geht. Trotz des viel zitierten Stallgeruchs, der ihnen aus der Zeit als Profi beim FCB noch anhaftet: In München werden die Scheinwerfer noch mehr auf die Arbeit gerichtet sein, jede taktische Marschroute, jeder Wechsel prominent ausgeleuchtet. Ob sich Robert, der Schattenmann, dem entziehen kann?

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