Luis Suarez bites Giorgio Chiellini - WC2014

Regeln bei der WM 2018: Gibt es Torlinientechnik und den Videobeweis?

Bei der Weltmeisterschaft in Russland  (14. Juni bis 15. Juli) ist der Einsatz des Videobeweises eine der großen Änderungen im Regelwerk der FIFA - er kam auch im WM-Finale zwischen Frankreich und Kroatien zum Einsatz.

Neben der Einführung des Videoassistenten wird es den Teams in Zukunft auch erlaubt sein, in der K.o.-Phase des Turniers ab der Verlängerung einen vierten Spieler einzuwechseln. Außerdem ist dem Trainerteam nun die direkte Kommunikation zwischen Trainerbank und Tribüne gestattet. All das wurde von den Regelhütern des International Football Association Board (IFAB) abgesegnet.

Goal präsentiert Euch die wichtigsten Änderung im Reglement:


Der Videobeweis bei der WM 2018: Transparenz im Fokus


Im Grunde ist es recht simpel. Die Regeln zur Anwendung des Videobeweises sind dieselben wie in der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Bei der anstehenden WM setzt die FIFA aber auf mehr Transparenz. Das heißt, dass die Zuschauer mehr Einblick in die Entscheidungsfindung des Schiedsrichtergespanns und Videoassistenten bekommen werden. Unter anderem werden Wiederholungen und Grafiken auf den Videoleinwänden der Stadien angezeigt.

Auch die Kommunikation zwischen den Offiziellen wird den Kommentatoren von Radio und Fernsehen zur Verfügung gestellt werden. Damit möchte der Fußballverband gewährleisten, dass keinerlei Fragen offen bleiben. 

Die oben genannten Schiedsrichtergespanne werden nach Sprachkenntnissen gebildet. Im "Video Operations Room" in Moskau tragen insgesamt drei weitere Schiedsrichter die Verantwortung.

FIFA VAR RoomGetty Images

Dies sind ein Video-Assistent, ein weiterer Schiedsrichter und ein weiterer Assitent, der sich ausschließlich auf Abseitssituationen konzentrieren soll. Zusätzlich zu diesem Trio wird es auch einen  sogenannten "Support" geben. Dies ist ein Offizieller, der das Spiel im Fernsehen beobachtet und gegebenenfalls noch zusätzlich eingreifen kann. Bei der WM in Russland werden insgesamt 35 Unparteiischen am Start sein. Dazu kommen 63 Assistenten und 13 Video-Assistenten.


Grünes Licht für die Option einer vierten Einwechslung


Diese Regel ist im DFB-Pokal bereits seit zwei Jahren fester Bestandteil des Regelwerks. Erstmals nutzte Regionalligist FC Astoria-Walldorf, in der Verlängerung des damaligen DFB-Pokal-Achtelfinals gegen Arminia Bielefeld, diese Regelung.  

Auch bei der WM wird es den Coaches erst ab der Verlängerung eines K.o.-Spiels möglich sein, die Option einer vierten Einwechslung zu nutzen.


Kommunikation zwischen Trainerbank und Tribüne


Nach dem neuen Reglement ist es dem Trainerstab nun erlaubt, "kleine, tragbare Elektro - oder Kommunikationsgeräte in der technischen Zone einzusetzen, sofern dies zu Taktik- oder Coachingzwecken oder zum Wohl der Spieler geschieht".

Bei der deutschen Nationalmannschaft werden Assistenztrainer Marcus Sorg (Tribüne) und Thomas Schneider (Trainerbank) miteinander in Kommunikation stehen. Dieses Modell wurde bereits im WM-Vorbereitungsspiel der DFB-Elf gegen Österreich (1:2) getestet.

Thomas Schneider DFB 02060218

Mannschaften: Aufstellungen 85 Minuten vor Anpfiff


Jede der 32 Mannschaften muss in Zukunft 85 Minuten vor dem Anpfiff  die Startelf der FIFA mitteilen. Auf der Bank dürfen maximal 23 Personen (elf Offizielle und zwölf Reservisten) sitzen.

Sollte sich wider Erwarten ein Spieler aus dem 23-köpfigen Kader verletzen, besteht für das Team die Möglichkeit, diesen bis zu 24 Stunden vor dem ersten WM-Spiel der Mannschaft zu ersetzen.


Regelwerk Gruppenphase und K.o.-Runde


Wie üblich in den letzten Jahren qualifizieren sich die jeweils ersten beiden Mannschaften einer Gruppe für das Achtelfinale der WM. Nach welchem Schema die Platzierung der Gruppen vonstattengeht wird im Folgenden noch einmal erklärt:

  • 1. Anzahl der Punkte aus allen Gruppenspielen.
  • 2. Tordifferenz aus allen Gruppenspielen.
  • 3. Anzahl der in allen Gruppenspielen erzielten Tore.

Wenn zwei oder mehr Mannschaften aufgrund der drei erwähnten Kriterien gleich abschneiden, wird ihre Platzierung gemäß folgenden Kriterien ermittelt:

  • 4. (1.) Anzahl der Punkte aus den Direktbegegnungen der punktgleichen Teams in den Gruppenspielen.
  • 5. (2.) Tordifferenz aus den Direktbegegnungen der punktgleichen Teams in den Gruppenspielen.
  • 6. (3.) Anzahl der in den Direktbegegnungen der punktgleichen Teams in den Gruppenspielen erzielten Tore.
  • 7. (4.) Fairplay-Wertung, ermittelt anhand der Anzahl Gelber und Roter Karten in allen Gruppenspielen.
  • 8. (5.) Losentscheid.

Steht eine Partie nach der regulären Spielzeit unentschieden, gibt es wie immer zweimal 15 Minuten oben drauf. Sollte auch nach diesen zusätzlich 30 Minuten kein Sieger feststehen, wird dieser im Elfmeterschießen ermittelt. Außerdem sorgt der diesjährige Spielplan dafür, dass Mannschaft aus ein und derselben Gruppe erst im Finale wieder aufeinandertreffen können.


Sperren und Fouls


Alle gelben Karten aus der Qualifikation für die Weltmeisterschaft werden im Vorfeld gestrichen. Sperren nach Roten Karten bleiben jedoch gültig. Nach zwei Gelben Karten aus zwei verschiedenen Spielen folgt eine Sperre für die nächste Partie. Eine Gelb-Rote Karte hat wie üblich ein Spiel Sperre zur Folge.

Die Dauer der Sperre bei einer Roten Karte wird mindestens ein Spiel betragen. Die FIFA-Disziplinarkommission wird situationsbedingt über die Länge der Sperre entscheiden. Einzelne Gelbe Karten werden nach dem Viertelfinale gestrichen. Damit wird gewährleistet, dass die Mannschaften im Finale in Bestbesetzung antreten können (Verletzungen ausgenommen).

Außerdem muss sich Uruguays Star-Stürmer Luis Suarez diesmal benehmen, eine Beißattacke wie bei der WM 2014 gegen Italiens Giorgio Chiellini wird nun strenger geahndet. Die Erweiterung der Regel 12 setzt Beißen mit allen anderen Vergehen gleich, die mit direktem Freistoß und Platzverweis bestraft werden.

Luis Suarez bites Giorgio Chiellini - WC2014

Preisgeld


Das Preisgeld der WM 2018 ist gegenüber der WM 2014 von der FIFA nocheinmal um zwölf Prozent erhöht worden. Der diesjährige Pool beträgt 343 Millionen Euro, die an die Teams ausgeschüttet werden. Der Weltmeister erhält 32 Millionen Euro, der andere Finalist 24 Millionen. Der Drittplatzierte bekommt 21 Millionen Euro, während Platz vier 19 Millionen Euro kassiert.

Alle Viertelfinalisten erhalten 13,6 Millionen Euro, die Achtelfinalisten müssen sich mit "nur" 10 Millionen Euro zufrieden geben. Die Vorrunden-Teilnehmer bekommen 7 Millionen Euro. Zudem erhält jeder WM-Starter 1,3 Millionen Euro für die Vorbereitung.


Die Historie des WM-Regelwerks, interessante Besonderheiten: Das hat sich in den letzten Jahrzehnten alles geändert


WM 2018 in Russland :

Videobeweis, vierter Einwechselspieler

WM 2014 in Brasilien:

Einsatz der Torlinientechnologie

WM 2010 in Südafrika:

Einführung des Freistoßsprays

WM 2006 in Deutschland:

Seit 2006 ist der Weltmeister nicht mehr automatisch für die nächste WM qualifiziert, sondern nur noch der Gastgeber

WM 2002 in Südkorea und Japan:

Erstmals zwei Nationen Gastgeber einer Weltmeisterschaft, Erstmaliger Einsatz des vierten Offiziellen

WM 1998 in Frankreich:

Einführung des Turniermodus, wie wir ihn heute kennen, Aufstockung der Teilnehmer auf 32 Teams, acht Gruppen a vier Nationen, zudem Einführung des Golden Goal

WM 1994 in den USA: 

Aufnahme der Rückpassregel, sorgte für viele Probleme bei einigen Torhütern

WM 1990 in Italien und WM 1986 in Mexiko:

Aufgrund der Teilnehmerzahl von 24 Mannschaftennqualifizierten sich auch die vier besten Gruppen-Dritten für das Achtelfinale

WM 1982 in Spanien, 1978 in Argentinien und 1974 in Deutschland:

Nach der Vorrunde folgte eine Zwischenrunde in Form von Gruppen ('82 vier Gruppen, anschließend zwei Halbfinals, '78 und '74 zwei Gruppen, anschließend Finale), die jeweiligen Gruppensieger spielten anschließen um den WM-Titel, 1974 wurde für die Ermittlung der Platzierung innerhalb der Gruppe erstmals die Tordifferenz statt des Torverhältnis (Quotient) zur Rate gezogen

ONLY GERMANY Gerd Muller Germany WC 07071974Imago

WM 1970 in Mexiko, 1966 in England und 1962 in Chile: 

Einführung von Gelben und Roten Karten (1970), des Torverhältnis (Quotient), und der Möglichkeit zweimal während eines Spiels Spieler zu wechseln

WM 1958 in Schweden, 1954 in der Schweiz und 1950 in Brasilien: 

Rückkehr zum Gruppenmodus, bei Punktgleichheit kam es zu der Austragung von Entscheidungsspielen, zum ersten Mal trugen die Spieler Rückennummern

WM 1938 in Frankreich und 1934 in Italien:

Die beiden Turniere fanden komplett im K.o.-Modus statt, bei einem Unentschieden kam es zu einem Entscheidungsspiel, endete dies ebenfalls remis, kam es zum Losentscheid

WM 1930 in Uruguay:

Das Turnier sollte ursprünglich ausschließlich im K.o.-System durchgeführt werden, aufgrund der langen Anreise von europäischen Teams änderte man dies aber und führte den Gruppenmodus ein

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