GoalSCOUT: Sporting-Juwel Rafael Leao - der Junge von Figos Seite des Tejo

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Wie einst Luis Figo wuchs auch Rafael Leao auf der falschen Seite des Tejo auf, doch er kämpfte sich bei Sporting nach oben. Goal stellt ihn vor.


GoalSCOUT: Rafael Leao

Prunkvoll thront die Christus-Statue in Almada. 113 Meter über dem berühmten Fluss Tejo breitet Christus seine Arme aus, den Blick gen Zentrum von Lissabon und auf die Brücke des 25. April gerichtet. Sie ist für viele Menschen aus Almada der ersehnte Ausweg in ein besseres Leben. Raus aus dem Arbeiterbezirk, rein in das florierende Leben in Portugals Hauptstadt.

Luis Figo kann davon ein Lied singen. "Ich bin auf der armen Seite des Tejo geboren", sagte der frühere Weltfußballer und Superstar von Real Madrid einst. "Im Arbeiterviertel Almada gab es keinen Fußballklub." Figos Perspektive war sein Talent - und jeder fußballbegeisterte Junge aus Almada will es ihm gleichtun.

Rafael Leao war früher einer von ihnen. Auch er wurde in Almada geboren, rund zwölf Kilometer vom Kern Lissabons entfernt. Und auch er schickt sich dieser Tage an, bei Sporting, drüben in der Metropole, so richtig durchzustarten. Genau, wie es vor inzwischen mehr als 25 Jahren Luis Figo gelang.

Rafael Leao: Ehrfucht vor Casillas? Fehlanzeige!

Vor knapp zwei Wochen, an einem Freitagabend Anfang März, hatte der 18-jährige Leao beim Kracher gegen Porto seine erste Sternstunde im Trikot von Sporting. Und vielleicht liegt es auch ein bisschen an seiner Herkunft, an den rauen Sitten Almadas, dass er vor Iker Casillas, einem der erfolgreichsten Torhüter aller Zeiten, mal so gar keine Ehrfurcht kannte.

Mit klugem Laufweg brachte er sich in Position, stieß in den freien Raum, erlief das gut getimete Zuspiel von Bryan Ruiz und schloss eiskalt ab. Nur wenige Sekunden, nachdem er kurz vor dem Pausenpfiff für den verletzten Seydou Doumbia eingewechselt worden war. Und durch die Hosenträger des heiligen Iker, der seine ruhmreiche Laufbahn seit 2015 beim FC Porto ausklingen lässt.

Sporting hat spätestens seit jenem Tor, dem ersten Leaos für die erste Mannschaft, seinen neuen Cristiano Ronaldo. So schreiben es zumindest die euphorischen portugiesischen Medien. Ungeachtet dessen, dass Leao eigentlich eine ganz andere Position bekleidet als der junge Ronaldo.

Schaut man sich Leaos Spiel an, fallen sie aber doch schnell ins Auge, die Parallelen zu CR7. Leao ist zwar primär kein Flügelspieler, sondern Mittelstürmer, jedoche ein beweglicher, einer, der gerne ausweicht, der gerne Finten und Rabonas einstreut.

Seine wohl größte Stärke ist aber die Coolness im Abschluss. So, wie er es bei seinem Tor zum zwischenzeitlichen 1:1 gegen Casillas tat, denkt Leao nicht nach, wenn er vor der Kiste steht. Intuitiv tut er das Richtige, schließt schnell ab, oft mit dem ersten Kontakt. Seine herausragende Ballbehandlung und sehr ausgereifte Technik kommen dem Teenager dabei entgegen.

GFX Leao

Dass er sehr früh in den Genuss einer erstklassigen Ausbildung kam, erkennt man bei Leao schnell. Schon als kleiner Junge entdeckten ihn Sportings Scouts in Almada, holten ihn in die hauseigene Akademie. Ende der vergangenen Saison debütierte er dann noch als 17-Jähriger für Sportings B-Mannschaft in der zweiten portugiesischen Liga, erzielte dabei gegen Braga B sofort ein Tor. Typisch für den Straßenfußballer Leao, dass er kaum Eingewöhnungszeit benötigt. Extrem schnell kann er sich neuen Gegebenheiten anpassen, ist in seinem Spiel sehr flexibel, kann ob seiner enormen Schnelligkeit, seiner starken Übersicht und Technik auch auf den Außenbahnen oder als Spielmacher agieren.

Rafael Leao erinnert an Rashford

Seine Lieblingspositon ist dennoch jene im Sturmzentrum, die er ähnlich interpretiert wie einst Marcus Rashford in seinen ersten Spielen für die Profis von Manchester United. Leao lässt sich zurückfallen, fordert die Bälle, macht sie fest, leitet weiter und sucht dann mit Nachdruck den Weg in die Schnittstellen der gegnerischen Abwehr.

"Er ist ein Spieler, der Unruhe stiftet und sehr stark im Eins-gegen-Eins ist", lobte Sporting-Trainer und Förderer Jorge Jesus kürzlich. "Wir werden ihn Schritt für Schritt weiter heranführen, er ist eines der größten Talente aus unserer Akademie."

In der ersten Hälfte der laufenden Saison machte Leao, dessen Wurzeln in Angola liegen, dann erstmals so richtig auf sich aufmerksam. In elf Einsätzen für die B-Mannschaft gelangen ihm sechs Treffer und ein Assist. In der UEFA Youth League entschied er beide Spiele von Sportings U19 gegen Juventus Turin (4:1 und 2:0) im Alleingang, netzte auch beim 1:1 gegen Barcas Nachwuchs. Insgesamt buchte Leao, der im Juni seinen 19. Geburtstag feiert, in sechs Youth-League-Spielen fünf Tore und drei Assists auf sein Konto.

GFX Quote Jorge Jesus

Was dabei stets auffiel und was Leao während seiner ersten Profi-Einsätze auch in den Seniorenbereich übertragen konnte: Sein Durchsetzungsvermögen ist weit überdurchschnittlich. Auf den ersten Blick ist er zwar nicht besonders kraftvoll gebaut, hat aber eine überragende Koordination und versteht es erstklassig, auf Bewegungen des Verteidigers im direkten Duell zu reagieren. Der explosive Antritt kommt ihm dabei zugute, ebenso wie die auffällige Variabilität bei Ballan- und -mitnahme sowie seine Beidfüßigkeit.

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Aber: Zu häufig übertreibt es Leao noch mit den Schnörkeln. Ist er vor dem Tor schon sehr geradlinig und stringent, wird er immer verspielter, je weiter er sich davon entfernt. Mitunter ist er dabei dann zu sehr verspielt, verpasst den richtigen Augenblick für das Abspiel oder wählt dieses zu kompliziert. Und das Umschaltverhalten nach hinten, das wurde vor allem in den Einsätzen bei der ersten Mannschaft deutlich, lässt noch viel Raum für Verbesserungen.

Rafael Leao: Klopft Manchester City schon an?

In den U-Nationalmannschaften Portugals hatte es Leao wohl unter anderem deshalb nicht ganz einfach. 2016 wurde er zwar U17-Europameister, war aber nur Joker, weil er Benficas Ze Gomes im Sturmzentrum den Vortritt lassen musste. Doch Leao entwickelte sich weiter, war gut ein Jahr später, beim Vizetitel bei der U19-EM letzten Sommer, zwar wieder Edeljoker, aber auch einer der Jüngsten im Kader. Diesmal hatte Rui Pedro auf der Neun die Nase vorn.

Mittlerweile ist es aber Leao, der im Vergleich zu Gomes und Pedro etwas weiter scheint. Und während die anderen beiden noch auf ihr erstes U21-Länderspiel warten, hat Leao dieses vergangenen November gegen Rumänien bereits absolviert.

Auch Sporting-Coach Jesus warf sein Juwel zuletzt ins kalte Wasser. Dreimal durfte er bisher in der Liga für die Profis ran, neben dem Tor gegen Porto gelang Leao noch ein Assist beim 1:0-Erfolg über Moreirense Ende Februar. Zudem konnte er im Zwischenrunden-Rückspiel gegen Astana auch schon für eine Viertelstunde Europa-League-Luft schnuppern.

In der heute so schnelllebigen Fußballwelt kam es indes nicht überraschend, dass die Spekulationen um Leaos Zukunft besonders infolge des Beinschusses für Casillas gegen Porto Fahrt aufnahmen. Vor allem Pep Guardiolas Manchester City soll Interesse an dem Jungstar anmelden, der seine Tore immer mit einem inszenierten Telefonanruf ähnlich der Jubelpose von Gabriel Jesus feiert. Laut Arab News bietet der Tabellenführer der Premier League rund 25 Millionen Euro für Leao, in dessen bis 2022 datierten Vertrag Sporting aber angeblich eine Ausstiegsklausel in Höhe von satten 60 Millionen Euro eingebaut hat. 

Auch Manchester United wird derweil ins Spiel gebracht. Und Real Madrid. Der Klub, bei dem früher auch Luis Figo zauberte. Und mit dem Iker Casillas im Mai 2000, als Leao noch nicht einmal die ersten zwölf Monate seines Lebens vollendet hatte, den ersten seiner insgesamt drei Champions-League-Titel feierte. Nach dem Beinschuss vor knapp zwei Wochen dürfte er Leao jedenfalls wärmstens bei den Königlichen empfehlen.

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