Niko Kovac Bayer LeverkusenGetty

Niko Kovac im Porträt: Wer ist der neue Trainer des FC Bayern München?


Niko Kovac im Porträt

Jupp Heynckes wollte nicht mehr, Thomas Tuchel war bereits vergeben, nun also Niko Kovac. Der Coach von Eintracht Frankfurt übernimmt ab der kommenden Saison das Ruder beim FC Bayern München.

Niko Kovac' Karriere in Bildern

Bereits am späten Donnerstagabend hatten mehrere Medien übereinstimmend von dem anstehenden Trainerwechsel berichtet, am Freitagnachmittag bestätigten die beiden Vereine die Meldungen schließlich offiziell. 

Goal wirft einen Blick auf Kovac' bisherige Spieler- und Trainerkarriere. 


Niko Kovac als Spieler


Kovac wurde am 15. Oktober 1971 in West-Berlin geboren. Seine kroatischen Eltern waren aus Bosnien-Herzegowina nach Wedding ausgewandert, wo Kovac mit Bruder Robert und einer Schwester aufwuchs. 

  • Hertha BSC

Als Kind kickte Niko Kovac bei Rapide Wedding, später landete er über Hertha Zehlendorf bei dem damaligen Zweitligisten Hertha BSC. Fünf Jahre spielte Kovac zwischen 1991 und 1996 bei der Alten Dame, allesamt in der 2. Bundesliga. Beeindruckende 12.704 Minuten stand der Mittelfeldmann für den Hauptstadtklub auf dem Rasen, am Ende gelangen ihm 16 Treffer. 

Im Sommer 1996 folgte schließlich der Wechsel zu Bayer 04 Leverkusen ins deutsche Oberhaus, wo er wieder mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Robert vereint wurde, der im selben Sommer vom 1. FC Nürnberg kam.

  • Bayer 04 Leverkusen

In der Farbenstadt mauserte sich Kovac unter Neu-Trainer Christoph Daum recht bald zum Stammspieler, sein erstes Tor für die Werkself erzielte er beim 3:0-Erfolg über Borussia Mönchengladbach am 13. Spieltag. Leverkusen, in der Vorsaison noch knapp dem Abstieg entkommen, avancierte mit Daum zur Spitzenmannschaft und belegte in Kovac' erster Saison den zweiten Platz, wobei Bayer bis zum Schluss um den Titel mitspielte, aufgrund eines deftigen 0:4 beim rheinischen Rivalen 1. FC Köln dem FC Bayern aber den Vortritt lassen musste.

Niko Kovac Bayer LeverkusenGettyNiko Kovac (l.) im Trikot von Bayer Leverkusen

Nachdem die darauffolgende Saison für Kovac persönlich nicht sonderlich zufriedenstellend lief, kämpfte er sich in der Spielzeit 1998/99 zurück in die Mannschaft und wurde abermals Vizemeister.

"Niko war ein sehr wissbegieriger Spieler. Bei ihm kann ich mich an einige Diskussionen erinnern, wo man erkannte, dass er Fußball denkt und nicht nur spielt", ließ Daum die gemeinsame Zeit unterm Bayer-Kreuz vor zwei Jahren Revue passieren und erklärte voll des Lobes: "Der Weg in den Trainerjob war vorgezeichnet." 

Kommentar: FC Bayern verpflichtet Niko Kovac - Mutig von beiden Seiten

Nach drei Jahren kehrte der Kroate dem Rheinland dann den Rücken, um sich dem Hamburger SV anzuschließen.

  • Hamburger SV

Bei den Hanseaten etablierte sich Kovac auf der Stelle als Leistungsträger, spielte unter Coach Frank Pagelsdorf beinahe immer über die volle Distanz. 

Nachdem Kovac bereits in Leverkusen Champions-League-Erfahrung gesammelt hatte, qualifizierte er sich in seinem ersten Jahr auch mit dem HSV für die Königsklasse, wo er in jedem Spiel eingesetzt wurde. Letztlich überstanden die Rothosen die Gruppenphase allerdings nicht, obwohl sie den haushohen Favoriten Juventus Turin mit 3:1 im Stadio delle Alpi abgefertigt hatten. 

Noch Jahre später schwärmte Kovac von seiner erfolgreichen Zeit im hohen Norden. "Frank Pagelsdorf hat mir von Anfang an signalisiert, dass er voll auf mich setzt. Das hat mir und meiner Leistung gut getan", erklärte der 83-fache Nationalspieler einst. Vom Kicker wurde er damals als "Paul Breitner des HSV" gepriesen.

Die starken Leistungen im Dress des HSV riefen einige Interessenten auf den Plan. Der FC Bayern setzte sich im Sommer 2001 schließlich im Rennen um Kovac durch und überwies rund 11 Millionen D-Mark an die Elbe. Robert Kovac, der Leverkusen bis dahin treugeblieben war, wechselte ebenfalls nach München.

  • FC Bayern München

Mit seinem Transfer in die bayrische Landeshauptstadt ging für Kovac ein Kindheitstraum in Erfüllung. Schon als kleiner Junge trug der Rechtsfuß das Trikot des deutschen Rekordmeisters mit Karl-Heinz Rummenigges Nummer elf. Kurz nach seiner Ankunft durfte er über seinen ersten Titel jubeln: Mit dem amtierenden Champions-League-Sieger holte der kompromisslose Arbeiter den Weltpokal, auch das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal-Sieg steht seit 2003 in seiner Vita. Allerdings verließ Kovac München im Anschluss an besagte Saison, weil er keine Aussicht mehr auf einen Stammplatz besaß. 

Die Bilanz beim FC Bayern nach zwei Jahren, bevor er zu Hertha BSC zurückkehrte: 51 Pflichtspiele, fünf Tore sowie zwei Vorlagen. 

  • Hertha BSC

Sieben Jahre nach Kovac' Weggang aus Berlin hatte sich die Hertha in der Bundesliga gefestigt. Gemeinsam mit ihm wechselten die beiden namhaften Angreifer Fredi Bobic und Artur Wichniarek an die Spree. Bei seinem zweiten Engagement in seiner Heimatstadt lief es zu Beginn nicht besonders gut, ehe in der Saison 2004/05 überraschend Platz vier heraussprang. 

Niko KovacGetty ImagesNiko Kovac, Fredi Bobic und Artur Wichniarek (v.l.n.r.)

Drei Jahre verbrachte Kovac insgesamt bei der Berliner Hertha, bevor er erstmals ins Ausland wechselte. RB Salzburg verpflichtete den erfahrenen Mittefeldspezialisten 2006 ablösefrei. 

  • RB Salzburg

Die aufstrebenden Österreicher profitierten von Kovac' Routine, sicherte sich die Truppe aus der Mozartstadt, bei denen der Neuzugang als Kapitän fungierte, doch sofort die Meisterschaft.

Für die vom Brausehersteller gesponserten Salzburger absolvierte Kovac 65 Partien, ehe er im Anschluss an die Saison 2009 - mit erneutem Meistertitel im Gepäck - seine Karriere als aktiver Spieler beendete. Zu diesem Zeitpunkt war er 37 Jahre alt.


Niko Kovac als Trainer


Nach Beendigung seiner Laufbahn blieb Kovac in Diensten von RB Salzburg, übernahm das Traineramt von Adi Hütter, der die Zweitvertretung der Roten Bullen betreut hatte.

  • RB Salzburg

Bis 2011 fungierte der Ex-Profi als Übungsleiter der Reserve, um gleich im Anschluss als Co-Trainer der ersten Mannschaft anzuheuern, die nach dem Rauswurf von Huub Stevens von Ricardo Moniz trainiert wurde.

VIDEO: Respektlos und unprofessionell: Bobic schießt gegen den FC Bayern

Nur ein Jahr darauf wurde er samt Moniz bei RB vor die Tür gesetzt. Die Salzburger wollten sich mit Neu-Coach Roger Schmidt, der vom SC Paderborn kam, neu aufstellen. Ursprüngliche Pläne, Kovac als Assistenten von Ralf Rangnick zu installieren, waren damals nach vereinsinternen Diskussionen verworfen worden. 

  • Nationalmannschaft Kroatien

Lange warten musste Kovac auf ein neues Angebot allerdings nicht. Ab Januar 2013 leitete er die Geschicke der kroatischen U21 gemeinsam mit Bruder Robert, der als Co-Trainer zusagte, nur wenige Monate später löste er Igor Stimac als Cheftrainer der A-Nationalmannschaft ab.

Niko Kovac Volker Finke Croatia CameroonGettyNiko Kovac (l.) bei der WM 2014 im Gespräch mit Kamerun-Trainer Volker Finke

Kovac führte sein Team erfolgreich durch die Playoffs für die WM 2014 gegen Island, sodass Kroatien die vierte Teilnahme bei einer Weltmeisterschaft ins Haus stand. Im Eröffnungsspiel traf er auf Brasilien, den Gastgeber, dem man schließlich - auch aufgrund eines sehr fragwürdigen Elfmeters - mit 1:3 unterlag.

Auf der Pressekonferenz ließ der Ex-Bayern-Spieler seiner Wut freien Lauf: "Wir reden hier immer von Respekt, aber heute hat Kroatien keinen bekommen. Wenn das ein Elfer war, können wir damit aufhören. Wenn das einer war, dann muss es bei dieser WM 100 Stück geben. Wir spielen Fußball und nicht Basketball. So verkommt die Sache zu einem Zirkus."

Mit einem Sieg (4:0 gegen Kamerun) und zwei Niederlagen schieden die Osteuropäer in der Vorrunde aus, Kovac behielt seinen Job allerdings. Ein Jahr später, im Rahmen der EM-Qualifikation, musste der Trainer aber doch seinen Hut nehmen. Ein 0:0 gegen Aserbaidschan sowie eine 0:2-Pleite gegen Norwegen hatten die Entlassung Kovac' zur Folge.

  • Eintracht Frankfurt

Im März 2016 beerbte Kovac dann Armin Veh bei Eintracht Frankfurt, der mit den Hessen dem Abstieg entgegensteuerte. Nach 34 Spieltagen landeten die Adlerträger auf Rang 16 und mussten den Umweg über die Relegation für den Klassenerhalt nehmen. Gegen Nürnberg, den Drittplatzierten der 2. Bundesliga, setzte sich die SGE knapp mit 1:1 und 1:0 durch.

Für sein Verhalten gegenüber den Franken erhielt Kovac den Fair-Play-Preis des deutschen Sports. "Die ehrliche Empathie für den sportlichen Gegner gerade im Angesicht des eigenen, wichtigen Sieges, ist beispielhaft für faires Verhalten im Sport", hieß es in der offiziellen Begründung.

In der darauffolgenden Saison spielte Frankfurt eine recht ansprechende Hinrunde, rutschte aber in der Folge erneut unten rein. Dennoch rettete man sich verhältnismäßig souverän mit 42 Punkten auf Platz elf. Zur Überraschung vieler zog die Mannschaft allerdings ins Finale des DFB-Pokals ein, das nach der regulären Spielzeit mit 1:2 gegen Borussia Dortmund verloren ging.

Aktuell, im Schlussspurt der Saison 2017/18, spielt Kovac mit seinem Team noch um die direkte Qualifikation für die Champions League mit.


Die wichtigsten Infos zu Niko Kovac auf einen Blick


Alter46
Geburtsdatum15.10.1971
GeburtsortBerlin
NationalitätKroatien
Stationen als SpielerHertha Zehlendorf, Hertha BSC, Bayer Leverkusen, HSV, FC Bayern, Hertha BSC, RB Salzburg
Stationen als CheftrainerKroatien U21, Kroatien, Eintracht Frankfurt, FC Bayern (ab Juli 2018)
Länderspiele für Kroatien83 (14 Tore)

Niko Kovac: Die Bilanz als Bundesliga-Trainer


  • Bundesliga-Spiele: 72

  • Bundesliga-Siege: 28

  • Bundesliga-Niederlagen: 28

  • Bundesliga-Unentschieden: 16

  • Siegquote Bundesliga: 38,9 Prozent

  • Punkte pro Bundesligaspiel: 1,39

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