Fred Firmino Neymar USA Brazil Friendly 07092018Lucas Figueiredo/CBF/Divulgação

Brasiliens Selecao gehen wegen Nations League die Gegner aus: "Zahl der für Länderspiele verbliebenen Europäer drastisch gesunken"


HINTERGRUND

Zuletzt El Salvador, am Freitag nun Saudi-Arabien: Während es für Europas Großmächte nach der WM in der Nations League Schlag auf Schlag weiter geht, tingelt Brasilien mal wieder durch die Welt, verramscht sein Renommee. "Welche Bedeutung hat ein solches Spiel, außer Geld in die Tasche von irgendeinem", stänkerte jüngst die Sport-TV-Kultfigur Galvao Bueno.

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Die provokative Frage ging im Fußball-Talk "Bem, amigos" live an Edu Gaspar. Die rechte Hand von Nationaltrainer Tite ist als Selecao-Koordinator direkt verantwortlich für die Auswahl der Gegner. Und der ehemalige Topspieler des FC Arsenal klagt zurück: "Wer zur Verfügung steht, wird angefragt. Aber viele wollen zu dem Zeitpunkt nicht gerade gegen Brasilien spielen."

Die neue Realität: "Wegen der Nations League ist die Zahl der für Länderspiele verbliebenen Europäer drastisch gesunken", so Edu. Und die Südamerikaner? "Die haben wir ja bei der Copa America", erläutert der 40-Jährige mit Blick auf das Kontinentalturnier im kommenden Sommer im eigenen Land.

Galvao Bueno: "Geld in die Tasche von irgendjemand"

Bleiben also Mexiko, jüngst in Russland Achtelfinal-Gegner (2:0), und als erste echte Option die USA, Nummer 22 der FIFA-Weltrangliste. Während Deutschland nach der WM-Pleite sich gleich Weltmeister Frankreich zur Brust nahm, mussten die Selecao-Stars somit Anfang September über den Teich jetten, um beim 2:0 gegen eine verjüngte "Ami"-Truppe ein wenig den WM-Kater auszukurieren.

Das 5:0 vier Tage später gegen die Nummer 72 der Welt, El Salvador, war ein noch schlimmeres Muster ohne Wert. Warum aber jetzt auch noch gegen Saudi-Arabien auf Ranglistenplatz 71? Und weshalb der Klassiker gegen Argentinien in Dschidda am Roten Meer, und nicht am Rio de la Plata oder am Zuckerhut? Da kommt Bueno und sein Verdacht vom "Geld in die Tasche von irgendjemand" wieder ins Spiel.

Brazil El Salvador

Weil in Dschidda der finanzkräftige Mischkonzern Dallah Al-Baraka seinen Stammsitz hat. Und zur Unternehmens-Gruppe auch die Internacional Sports Events Company (ISE) gehört, die 2006 erstmals und 2012 für zehn weitere Jahre die Organisation der Brasil Global Tour, wie die Länderspiele der Selecao heute heißen, exklusiv erworben hat.

Brasilien: Scheinfirma kassiert für angebliche Vermittlungsdienste mit

Die Briefkasten-Firma mit Sitz im karibischen Steuerparadies Cayman Inseln verhökerte mangels Kompetenz die vermeintlich lukrativen Rechte u.a. an der Vermarktung der internationalen TV-Übertragungen sowie Bandenwerbung, aber auch den Ticktetverkauf sofort weiter. Erst an die Schweizer Sportrechte-Agentur Kentaro, nun an Pitch International mit Sitz in London, wo die Selecao vor dem Abflug nach Saudi-Arabien auf dem Gelände von Tottenham Hotspur, ebenfalls Kunde der Event-Agentur, trainierte.

Beim Vertragsabschluss mit Pitch taucht aber kurioserweise der Name einer US-Scheinfirma auf, die für angebliche Vermittlungsdienste kräftig mitkassierte. Wie auch Mitinhaber Sandro Rosell, den in Spanien wegen Geldwäsche seit Mai 2017 in Haft sitzenden Ex-Präsidenten des FC Barcelona. Ebenso der damalige CBF-Präsident Ricardo Teixeira, der daheim von der Justiz partout nicht behelligt wird.

Marketing-Agentur kann Gegner und Spielort von Brasilien auswählen

Beide leugnen vehement. Doch die US-Justiz hat im Zuge der Ermittlungen im FIFA-Korruptionsskandal längst ihr Fadenkreuz auf sie gerichtet.

Im Mai 2015 veröffentlichte die Tageszeitung Estadao zudem angebliche Details aus dem Vertrag. Demnach könne Pitch u.a. Gegner und Spielort auswählen. Der Verband CBF bekäme im Gegenzug 1,05 Millionen US-Dollar dafür. Vorausgesetzt, man tritt in Bestbesetzung an. Ansonsten gäbe es auch noch Abzüge.

Beim TV-Stammtisch wurde Edu mit den Vorwürfen konfrontiert, beharrte aber felsenfest darauf: "Unser Konzept ist: gegen die Besten spielen, die größten Herausforderungen suchen." Bleibt die Frage: Welche Bedeutung hat da Saudi-Arabien?

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