Denmark World Cup 2018

Nach Streitigkeiten mit Stammpersonal: Dänemark muss auf Futsal-Spieler zurückgreifen


HINTERGRUND

Das Personal-Chaos bei der dänischen Nationalmannschaft geht weiter. Nach den Streitigkeiten mit dem Stammpersonal tritt der Europameister von 1992 mit einer Not-Elf am Mittwoch im Länderspiel in Bratislava gegen die Slowakei an - auch am Sonntag zum Auftakt der Nations League gegen Wales dürften die etablierten Kräfte fehlen.

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Der ehemalige Hamburger Bundesliga-Profi John "Faxe" Jensen erklärte sich bereit, das Ruder als Interims-Coach zu übernehmen. Wie die Zeitung Ekstrabladet berichtete, wurden für die Partien unter anderem Futsal-Spieler nominiert. "Es ist eine bedauerliche Situation für das Team, die Fans und den gesamten dänischen Fußball", teilte DBU-Geschäftsführer Claus Bretton-Meyer mit.

Interims-Coach Jensen verzweifelt: "Es ist egal, ob wir 0:1 oder 0:8 verlieren"

Jensen meinte nach der Ankunft in Bratislava: "Die Ausgangslage ist schwierig für einen Trainer. Wir verfügen nicht über die gewohnte Qualität im Team, es gibt Spieler, die erhalten die Chance ihres Lebens. Die Spieler kennen sich nicht, wir müssen das Beste aus der Situation machen. Ich rechne mit nur zehn Prozent Ballbesitz, es ist egal, ob wir 0:1 oder 0:8 verlieren." 

Ekstrabladet listete schon die höchsten Länderspielpleiten der Dänen auf: Die höchste Niederlage datierte vom 16. Mai 1937 mit 0:8 gegen Deutschland in Breslau.

Streit um Werbeverträge: Dänisches Stammpersonal fühlt sich betrogen

Die Stammspieler des WM-Achtelfinalisten fühlen sich vom Verband im Konflikt um Werbeverträge über den Tisch gezogen. Eine Einigung konnte nicht erzielt werden. Aufgrund der fehlenden Übereinkunft stehen weder die Spieler, noch das Trainerteam um Chefcoach Age Hareide und den Ex-Stuttgarter Jon Dahl Tomasson zur Verfügung. Stattdessen steht der 1992er-Europameister Jensen, der im Finale gegen Deutschland (2:0) das erste Tor erzielt hatte, an der Seitenlinie. 

Der dänische Verband DBU steht mit dem Rücken zur Wand. Wenn die Spiele abgesagt worden wären, hätte die Europäische Fußball-Union (UEFA) hart durchgegriffen. Die Dänen sind aufgrund von Vorkommnissen mit dem Frauen-Team und einer Spielabsage "Wiederholungstäter".

"Wir müssen diese beiden Länderspiele bestreiten, ansonsten drohen Millionen-Strafen oder sogar der Ausschluss für mehrere Jahre", sagte Verbands-Präsident Kim Hallberg: "Im Namen des Verbandes und des dänischen Fußballs, bedanke ich mich bei John Jensen für die Bereitschaft, in dieser schwierigen Situation einzuspringen."

Christian Eriksen DenmarkGetty

Tottenham-Star Christian Eriksen entsetzt: "Wir spüren, dass die DBU uns wütend machen will"

Den schwarzen Peter hatte Bretton-Meyer den Spielern zugeschoben. "Wir hatten gehofft, die Spieler würden zusagen, wenn wir ihnen dieselbe Gage bezahlen, einen Bonus, die Versicherung und zudem bessere Bedingungen bei den Flügen, im Bereich der Ernährung und der Behandlung bieten", sagte er.

Gegen diese Darstellung wehren sich die Profis aber entschieden. "Die DBU erzählt eine Geschichte, in der wir als gierig erscheinen und so, als hätten wir nichts anderes als unseren Geldbeutel im Sinn", sagte Tottenham-Profi Christian Eriksen dem Ekstrabladet. Dänemarks Kapitän Simon Kjaer ergänzte: "Wir spüren, dass die DBU uns wütend machen will. Sie wollen es so hinstellen, als wollten wir Spieler nicht international spielen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall."

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