Jupp Heynckes FC Bayern München 20171009Getty Images

Jupp Heynckes beim FC Bayern München: Ziemlich beste Wirkung


HINTERGRUND

Erst einmal erklärte Uli Hoeneß, dass Jupp Heynckes die beste Lösung sei. Weil er dem FC Bayern die Zeit gebe, in aller Ruhe alle Probleme und alle Baustellen zu befrieden, um den Verein zum 1. Juli besenrein an einen neuen Trainer zu übergeben. Weil sich alle, das heißt Präsident Hoeneß, Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic, einig gewesen seien, dass Heynckes für diese Aufgabe der ideale Mann ist. Und nicht zuletzt, weil sich Hoeneß freut, "dass mein ziemlich bester Freund jetzt wieder beim FC Bayern ist".

FC Bayern: Der Heynckes-Plan

Und die Rückkehr seines ziemlich besten Freundes hat in kürzester Zeit ziemlich beste Wirkung gezeigt. Das wiederum zeigte jenes Versprechen, das Hoeneß wenig später machen sollte am Montagmittag auf der fast einstündigen Pressekonferenz in der Allianz Arena.

"Sie können genau beobachten, was in den kommenden Wochen und Monaten passieren wird, und das wird dem FC Bayern sehr gut zu Gesicht stehen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir nicht nur im Traineramt ein neues Kapitel aufschlagen, sondern auch in unserer Zusammenarbeit. Und das kann dem FC Bayern nur guttun", kündigte Hoeneß voll­mun­dig an. Zuvor hatte er, der so gerne vollmundige Ankündigungen macht, Fehler eingeräumt.

Bayern mit Heynckes: Sammer glaubt an "sehr gute Geschichte"

"Sie haben sicherlich Recht, dass man von außen betrachtet zu dem Schluss kommen könnte, dass es da Unebenheiten gegeben hat. Die hat es bei uns aber in den vergangenen zehn Jahren immer wieder gegeben - mit dem Unterschied, dass wir das vielleicht zuletzt zu sehr an die Öffentlichkeit getragen haben. Den Schuh ziehe ich mir auch an", sagte Hoeneß zur Zusammenarbeit mit Rummenigge.

"Hatten überfällige Gespräche zu diesem Thema"

Es waren ja verschiedenste Themen, zu denen man konträre Aussagen der Bosse finden konnte. Dabei ging es um die Internationalisierung, die Globalisierung und die viel diskutierte Asien-Reise, um das nicht vom Verein autorisierte Spiegel-Interview von Robert Lewandowski und die eigene Zielsetzung. Die Häufigkeit der Differenzen ließ dabei eigentlich nur einen Schluss zu: Dass man diese konträren Aussagen nicht nur finden konnte, sondern auch finden sollte. Dass die beiden Herren einen internen Machtkampf zunehmend öffentlich austrugen.

Teilweise gaben sie sich keine Mühe, ihren Dissens zu verschleiern. Wie eine Scheidung sei sein Wegbrechen von der Säbener Straße gewesen, sagte Hoeneß über seinen Gefängnisaufenthalt und über die Beziehung zu Rummenigge. "Wir haben noch nicht wieder geheiratet", bestätigte Rummenigge kurz darauf. Immerhin da waren sie sich einig. 

Nun aber schlug Hoeneß andere Töne an. Als ausgerechnet bei der Vorstellung seines ziemlich besten Freundes die Frage zu seinem Verhältnis zu Rummenigge aufkam, da wirkte sein Blick kurzzeitig etwas eingefroren. Dann aber schaute Hoeneß artig zu Rummenigge, um kurz abzuklären, wer denn nun antwortet, beziehungsweise wer den nun als erster antwortet. Es gab Zeiten, da hätte sich ein Uli Hoeneß allein diese Frage vermutlich gar nicht gestellt. Rummenigge nickte diplomatisch zurück, nach dem Motto: Mach du ruhig.

"Im Rahmen des Reglements im Traineramt haben Karl-Heinz und ich das eine oder andere sehr intensive und, ich glaube auch sagen zu können, sehr gute Gespräch geführt. Ich denke, dass diese Dinge, die in den letzten Monaten passiert sind, nicht mehr passieren werden", erklärte Hoeneß also, bevor er dann sein Versprechen abgab. Rummenigge ergriff kurz darauf auch noch das Wort, pflichtete seinem Vorredner bei. "Es ist alles gesagt", sagte er und sagte dann doch noch einen ziemlich interessanten Satz: "Wir hatten gute, wichtige und ich glaube auch überfällige Gespräche zu diesem Thema."

Sammer lobt Hoeneß und Rummenigge

Überfällig also. Es brauchte offenbar tatsächlich die Aura eines alten Vertrauten, der insbesondere mit Hoeneß, aber auch mit Rummenigge gut kann, für den dringend notwendigen Friedensgipfel der beiden starken Männer des FC Bayern.

"Die Aussagen von Uli und Karl-Heinz zeugen von Größe, von Souveränität und Ehrlichkeit", erklärte der frühere Sportdirektor und heutige Eurosport-Experte Matthias Sammer daraufhin. "Wir haben es doch alle gespürt, dass da kleine Bausteine waren, die dazu geführt haben, dass so ein starkes Gebilde etwas in Wanken geriet. Und deshalb ist das jetzt die Grundlage für diesen Verein. Das sehe ich sehr positiv." Dem ziemlich besten Freund sei Dank. 

Werbung
0